Heike Rommel hat die Geschichten um Kommissar Domeyer weitergesponnen. - © Andreas Zobe
Heike Rommel hat die Geschichten um Kommissar Domeyer weitergesponnen. | © Andreas Zobe

Kultur Heike Rommels zweiter Krimi

„Das fremde Grab“ erscheint am 16. November.

Heike Krüger

Bielefeld. Sie hat es wieder getan – Heike Rommel hat ein neues Buch geschrieben. Hinter der Bielefelder Hobby-Autorin liegt ein produktives Jahr. Nachdem im November 2014 ihr Krimidebüt „Nacht aus Eis“ erschienen war, legt die diplomierte Psychologin mit einem Folgewerk nach. Am 16. November erscheint „Das fremde Grab“. Gearbeitet, sagt die 53-Jährige, habe sie schon länger an dem Werk, dessen Rohfassung mit Drucklegung des ersten Buchs fertig war. Doch dann folgten Überarbeitungen, unterstützt durch „Test-Leser“ aus dem Bekanntenkreis und die fachliche Kritik eines Lektors des Hillesheimer KBV Verlags, der auch das Erstlingswerk verlegt hatte. Wieder geht es auf rund 400 Seiten um den Bielefelder Ermittler Dominik Domeyer, seine bunt-schillernde Kollegenschar vom Kriminalkommissariat 11 und Domeyers eigenwillige Familienmitglieder. Wer also schon die Rahmenhandlung des ersten Krimis mit Lokalkolorit genossen hat, kann sich auf eine deftige Fortsetzung freuen.Auch der Kripo-Kollege verschwindet spurlos Der zu lösende Fall steht trotz aller Nebenhandlungen im Mittelpunkt: Diesmal sorgt der verschwundene Anlageberater Heberlein für Kopfzerbrechen. Ist der smarte Hasardeur lediglich auf der Flucht vor seinen Gläubigern untergetaucht? Oder bestätigen sich die düsteren Ahnungen seiner kapriziösen Geliebten Lara Kaspari, die an ein Verbrechen glaubt. Als dann noch ein Kripo-Kollege spurlos verschwindet, nimmt die Geschichte Fahrt auf und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Dieser Krimi sei insgesamt düsterer als sein Vorgänger, attestiert Heike Rommel. Vieles drehe sich um ein Phänomen, das die Menschheit wie ein Trauma verfolge – lebendig begraben zu werden. „Diese Vorstellung rührt an menschliche Urängste“, schildert Rommel, die sich tief in die psychischen Ausnahmezustände eingearbeitet hat. Ihre Kriminalgeschichten leben von den Nebensträngen, den persönlichen Geschichten der handelnden Personen, deren Themen (Schönheitsideale, Pubertät, Einsamkeit, Eheprobleme) sie im zweiten Band weiterspinnt. Die Autorin findet das beim Schreiben besonders reizvoll, „weil die Nebenthemen stets das Hauptthema widerspiegeln und variieren.“ Beim Anlegen der Personen half Rommel die Methode der amerikanischen Krimiautorin Elizabeth George, die sogenannte „Soufflier-Blätter“ mit den Charakteristika der Akteure verfasst. Ohnehin arbeitet die Bielefelderin, die vornehmlich am Wochenende und im Urlaub, gelegentlich auch in der Arbeitswoche an ihren Werken schreibt, mit einer klaren Szenenstruktur: „Es ist nicht so, dass ich mich hinsetze und auf die Eingebung warte. Es gibt einen roten Faden, an dem ich mich orientiere.“ Auffallend sind die vielen Dialoge in Rommels Krimis. Sie sei sehr an Menschen und deren Beziehungen interessiert, begründet sie, mit Dialogen ließen sich diese gut abbilden. Zu einer narrativen oder einer Action-Szene, die aber nötig seien für einen möglichst variantenreichen Lesefluss, müsse sie sich doch manchmal regelrecht zwingen. Das Lokalkolorit des in Bielefeld angesiedelten Krimis habe sie diesmal behutsamer einsetzen wollen. Einige eher gruselige Vorfälle hat sie deshalb lieber an Orte verlegt, die so in Bielefeld nicht existieren, um Zuschreibungen zu verhindern. Dafür kommen Begriffe, wie etwa die „Deele“ vor, die deutlich für den Bezug zu Westfalen stehen und etwa dem Lektor aus der Eifel (Sitz des Verlags) nicht geläufig waren. Detailreiche und atmosphärisch dichte Beschreibungen sind Rommels Stärke, so wie diese Szene, die sich auf einem Friedhof ereignet, wo Kommissar Domeyer einen Hörsturz erleidet: „Es wurde langsam dunkel. Beiläufig stellte er fest, dass er fror. Eine Weile beobachtete er ein bizarres Wesen aus Gold, das über die Gräber tanzte, bis er begriff, dass es nur eine Rettungsdecke war, die der Wind vor sich hertrieb.“ Das Ermittlerteam ihrer beiden Krimis ist Heike Rommel so ans Herz gewachsen, dass der dritte Roman bereits in Arbeit ist. Einer Rohfassung fehlt nur noch die Schlussszene. Dem Krimigenre will sie vorerst treu bleiben: „Es ist ein Metier, in das man viel hineinpacken kann – Gesellschaftskritisches, Zeitgeschichtliches, Psychologie, Beziehungs- und Charakterstudien.“ Aber jetzt ist sie erst einmal gespannt darauf, wie „Das fremde Grab“ bei den Lesern ankommt.

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