Frücht gud, FR, Freies SinfonieOrchester Bielefeld / Brahms, Mozart, Sibelius - © Andreas Frücht
Frücht gud, FR, Freies SinfonieOrchester Bielefeld / Brahms, Mozart, Sibelius | © Andreas Frücht

Bielefeld Das Freie Sinfonie-Orchester erntet  Bravo-Rufe

Amateurensemble unter der Leitung von Cornelius During

Christoph Guddorf

Bielefeld. In bester Tradition haben sich Cornelius During und seine Musiker vom Freien Sinfonieorchester Bielefeld (FSO) auch dieses Mal eine – angesichts des ernsten musikalischen Programms umso passendere – auflockernde Interaktion mit dem zahlreich gekommenen Publikum ausgedacht. In Anlehnung an die Uraufführung von Mozarts d-Moll-Klavierkonzert im Wiener Casino „Zur Mehlgrube“ vor 230 Jahren dürfen junge wie ältere Zuhörer jene Fragen auf einige verteilte Bierdeckel schreiben, welche ihnen schon länger auf den Nägeln brennen. Eine schöne Idee – mit einigen amüsanten Ergebnissen. So könnte man die Frage, warum denn die Haare des Dirigenten (während des Konzerts) nicht verwuschelten, durchaus auf Jean Sibelius’ erste Sinfonie beziehen. Diese fordert das Bewegungs- und Emotionsspektrum des Dirigenten mit ihren alles überschattenden tragischen Komponenten, ihren volkstümlich tänzelnden Passagen und dramatischen Ausbrüchen erheblich mehr heraus als Brahms’ „Tragische Ouvertüre“ und Mozarts Klavierkonzert. Das sich wunderbar farbig aus dem verhaltenen Paukenwirbel erhebende Klarinettensolo zu Beginn der Sinfonie findet seinen großen Abschluss im vierten Satz, der den Musikern neben dem mit knackigen Bläsereinwürfen und rhythmisch bezwingendem Zusammenspiel beflügelten Scherzo am beeindruckendsten gelingt.Warme Streicher Doch auch die Streicher finden nicht selten an diesem Abend zu einem glühend-warmen, gemeinsam empfundenen Klang, den sonst vor allem die Holzbläser verströmen. Das anfänglich (motivisch-harmonisch) fast an Tschaikowskys „Pathétique“ erinnernde „Andante ma non troppo lento“ des zweiten Satzes trifft den richtigen, schmerzvollen Ton, der sicherlich auch in dem Tod einer Tochter Sibelius’ gründet und das Werk nach dramatischem Aufbäumen schließlich unvermittelt mit einigen Streicher-Pizzicati verklingen lässt. Ein ähnliches Aufbegehren kommt auch in Mozarts erstem von nur zwei Klavierkonzerten in Moll zur Geltung, das die aus Detmold stammende Solistin Sina Kloke neben den Beethoven-Kadenzen mit eigenen, dezenten Nuancen und einem leuchtendem Ton bereichert (Zugabe: Schuberts Impromptu op. 90/3). Die sinfonisch ausgetragenen musikalisch-dialogischen „Konflikte“ und düsteren Konturen treten zwar deutlich hervor, doch macht die teils rhythmisch-vertrackte Struktur den Musikern ebenso unfreiwillig zu schaffen wie jene Schwere und Behäbigkeit in Brahms’ „Tragischer Ouvertüre“. Das fällt in Anbetracht des ambitionierten Stoffs allerdings kaum ins Gewicht.Monty Python zum Schluss Nach so viel Tragik haben sich During und das FSO für die Zugabe etwas Besonderes und zugleich Augenzwinkerndes einfallen lassen: Zum Mitpfeifen animierend erklingt der Monty-Python-Song „Always Look on the Bright Side of Life“ aus „Das Leben des Brian“, womit sich erneut bestätigt, dass die Schwelle „klassischer“ Musik zum weniger klassik-affinen Publikum weitaus niedriger ist als oft angedichtet. Auch wenn die tradierten Bräuche des Klassikbetriebs immer wieder Fragen aufwerfen wie: „Warum gibt der Dirigent (am Schluss des Konzerts) nur einem Musiker die Hand?“

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