Sänger Xavier Naidoo. - © FOTO: DPA
Sänger Xavier Naidoo. | © FOTO: DPA

Berlin Xavier Naidoo spricht vor "Reichsbürgern"

Der Soulsänger und die rechte Szene

VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Berlin. Soulsänger Xavier Naidoo hat mehr als sechs Millionen Tonträger verkauft und ist einem Millionenpublikum durch die Fernsehshows "The Voice of Germany" und "Sing meinen Song" bekannt. Seit Monaten fällt Naidoo allerdings nicht mehr mit Musik, sondern mit der Botschaft auf, dass Deutschland immer noch von den Alliierten besetzt sei.

Am Tag der deutschen Einheit sprach Naidoo vor rund 200 Anhängern der "Reichsbürger"-Bewegung. Sie demonstrierten vor dem Reichstag, um ihren Zuhörern deutlich zu machen, dass Deutschland besetzt sei. Die "Reichsbürger" werden vom Verfassungsschutz beobachtet, weil sie behaupten, die Bundesrepublik Deutschland sei kein rechtmäßiger Staat und das Deutsche Reich bestünde in den Grenzen von 1937 bis heute völkerrechtlich fort.

Naidoo trug bei der Demonstration ein T-Shirt mit der Aufschrift "Freiheit für Deutschland". Auf dem Videoportal Youtube haben mehrere Nutzer Videos des Auftritts öffentlich zugänglich gemacht. Auf der Demonstration schlägt Naidoo umstrittene Töne an. "Ich komme aus einer Gegend, wo ich mein ganzes Leben lang die amerikanische Besatzung ganz klar vor Augen hatte."

Auf Montagsdemo vor dem Bundeskanzleramt

Weiter erklärt er: "Das ist eine Macht, die dafür gesorgt hat, dass in Ramstein Atombomben stationiert sind, von dort aus Drohnen gesteuert werden, die Menschen töten. Und wenn es stimmt, dass Deutschland das unterstützen muss, dann frage ich mich, ob wir nicht die Möglichkeit haben, das zu beenden." Abschließend sagt der Soulsänger: "Ich habe keine Ahnung wer hier steht. Ich dürft mir keinen Strick daraus drehen. Alle dürfen ihre Meinung sagen." Die gleiche Botschaft verbreitete Naidoo anschließend auf einer Montagsdemo vor dem Bundeskanzleramt, allerdings mit dem Zusatz: "Was mir heute ein bisschen im Herzen wehgetan hat, ist, dass natürlich immer die Grenze gezogen wird. Da sind die da drüben, die wollen dieses Reichsding. Darum geht es mir nicht. Mir muss es um die Liebe gehen."

Auf Anfrage erklärt Naidoo, dass er weder rechtsradikal noch homophob sei, schließlich sei sein großes Vorbild Jesus. "Ich möchte von Liebe, Frieden, Gerechtigkeit und meiner Überzeugung sprechen", teilte Naidoo über seine Managerin Merle Lotz mit. Am Tag der deutschen Einheit habe es dafür eine tolle Möglichkeit gegeben. "Ich forderte die Menschen auf, alles für den Frieden zu tun. Ich war alleine im Regierungsdistrikt unterwegs, als mich Menschen gefragt haben, ob ich etwas sagen möchte und das habe ich getan."

Neu ist seine Botschaft allerdings nicht. In einem Interview des ARD-Morgenmagazins sagte der Soulsänger 2011, dass Deutschland kein echtes Land sei, weil es keinen Friedensvertrag gebe. Deutschland befinde sich noch immer in der Nachkriegszeit. Überraschend ist jedoch die Nähe zu den "Reichsbürgern", zu denen er am 3. Oktober sprach.

Versteckter Song

Krude Botschaften verbreitet Naidoo auch mit seiner Musik. Der Mannheimer und Rapper Kool Savas beschrieben 2012 in einem Hidden Track auf ihrem Album "Gespaltene Persönlichkeiten" nebulöse Satanssekten, die angeblich "Kinder und Babies abschlachten". Im Refrain des versteckten Songs "Wo sind sie jetzt" singen Xavier Naidoo und Kool Savas: "Wo sind unsere Helfer? Unsere starken Männer? Wo sind unsere Führer? Wo sind sie jetzt?".

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