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„Ich bin nicht allein“ – Gespräche mit anderen Darmkrebs-Erkrankten in der Selbsthilfegruppe

11.08.2021 | Stand 25.08.2021, 12:04 Uhr

Die Diagnose „Darmkrebs" ist für die Betroffenen ein Schock, das berichtet Angelika Tappe aus eigener Erfahrung. Nachdem sie in der Klinik die Diagnose mitgeteilt bekommen hatte, war sie erstmal fassungslos, wütend und traurig. „Ich fragte mich: Warum muss mir das passieren?" erzählt sie. So oder so ähnlich geht es in Deutschland jedes Jahr ca. 60.000 Menschen, die von ihrer Darmkrebserkrankung erfahren. Um nicht alleine mit der Diagnose da zu stehen, kann der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe helfen. Denn im Gespräch mit Gleichgesinnten findet ein wichtiger Erfahrungsaustausch statt, z.B. zu Behandlungsmöglichkeiten und zu Erfahrungen mit Ärzt*innen. So kann man lernen, mit der Erkrankung und deren Folgen zu leben und im Alltag zurecht zu kommen. Auch Angelika Tappe schloss sich einer Selbsthilfegruppe an. „Als ich zum ersten Mal zur Vorstellung im Wartezimmer des Chefarztes saß, ist mir der Flyer der Selbsthilfegruppe „Deutsche Ilco e.V." aufgefallen.", berichtet sie. „Seine Sekretärin hat mich darin bestärkt, Kontakt mit der Ilco aufzunehmen. Später nach der OP hat mich die Stationsleitung erneut auf die Ilco hingewiesen.".

So fand Angelika Tappe auch außerhalb ihrer Familie und Freunde wertvolle Unterstützung und traf auf andere Menschen mit Darmkrebs. Denn nicht nur die Diagnose Krebs muss verarbeitet und bewältigt werden, auch die Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Stomas) ist mit vielen Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Nach Angaben der Selbsthilfeorganisation „Deutsche Ilco e.V." leben in Deutschland über 150.000 Stomaträger*innen, also Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung. In der Rückschau sagt Frau Tappe, dass es ein Glück für sie war, sich der Ilco angeschlossen zu haben. „Für mich ist wichtig, Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen, die das gleiche Schicksal getroffen hat und Probleme anzugehen", fasst sie zusammen. Denn natürlich sind professionelle Expert*innen die Voraussetzung für eine gute Behandlung, aber die hilfreichen Tipps für den Alltag und die emotionale Unterstützung kommen häufig durch andere Mitglieder der Selbsthilfegruppe.

Mittlerweile ist Angelika Tappe sogar selbst Leiterin der Selbsthilfegruppe „Ilco" in Bielefeld. Außerdem macht sie normalerweise Besuchsdienst im Klinikum Bielefeld. „Das bedeutet, dass ich Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs oder künstlichem Darmausgang bereits während des Klinikaufenthaltes besuche. Ich kann vielleicht diesen Menschen, die operiert sind, etwas mehr Lebensmut geben oder helfen, sich mit einer Stomaanlage zurechtzufinden.", erklärt Angelika Tappe und bedauert dabei sehr, dass dies auf Grund der Corona-Situation aktuell leider nicht möglich ist.

Als selbsthilfefreundliches Krankenhaus arbeitet das Klinikum Bielefeld mit einer Vielzahl unterschiedlicher gesundheitsbezogener Selbsthilfegruppen zusammen. Eine davon ist die „Deutsche Ilco e.V." für Stomaträger*innen und Menschen mit Darmkrebs sowie deren Angehörige In Deutschland gibt es insgesamt ca. 300 Gruppen der Ilco. Die Mitglieder der Bielefelder Ilco-Gruppe treffen sich gewöhnlich regelmäßig einmal im Monat im Klinikum Bielefeld Mitte zum Austausch, dies ist aktuell pandemiebedingt leider nicht möglich. Wer dennoch Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen möchte, kann dies telefonisch, per Mail oder im Online-Forum der Deutschen Ilco. Außerdem bietet die Ilco umfangreiche Informationen rund um die Themen „Darmkrebs" und „Stoma", aber auch speziell zum Thema „Corona und Krebserkrankung" an. Weitere Informationen zu der „Deutschen Ilco" gibt es hier: www.ilco.de

Die Leiterin der Bielefelder Ilco-Gruppe steht für Fragen ebenfalls gerne persönlich zur Verfügung:

Angelika Tappe

Telefon: 05 21. 98 92 154

Mail: hptappe@unitybox.de

Informationen zum Thema Selbsthilfe im Klinikum Bielefeld gibt es bei der Selbsthilfe-Beauftragten des Klinikums:

Sandra Knicker

Telefon: 05 21. 5 81 - 22 77

Mail: sandra.knicker@klinikumbielefeld.de.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist die zentrale Stelle für alle Fragen zur Selbsthilfe sowie zu speziellen Selbsthilfegruppen:

Telefon: 05 21. 96 406 96

Mail: selbsthilfe-bielefeld@paritaet-nrw.org.

Eine Übersicht aller Selbsthilfegruppen in NRW und weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.selbsthilfenetz.de.

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