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Der Kinderwunsch ist groß. Die Sorge, ob es wohl klappt, ist es bei einigen Paaren auch. - © Oliver Berg
Der Kinderwunsch ist groß. Die Sorge, ob es wohl klappt, ist es bei einigen Paaren auch. | © Oliver Berg

Schwanger werden Kinderwunsch: Wie der Lebensstil die Fruchtbarkeit beeinflusst

Wird es klappen mit der Schwangerschaft? Diese Unsicherheit kennen Paare, die ein Kind planen. Es gibt Schrauben, an denen sie drehen können, um die Chancen zu erhöhen. Aber nicht immer reicht das.

09.01.2023 | Stand 09.01.2023, 06:32 Uhr

München (dpa). Wie es um die eigene Fruchtbarkeit bestellt ist - das weiß man meist erst, wenn man versucht, ein Kind zu bekommen. Die gute Nachricht: Wer auf einen gesunden Lebensstil achtet, kann vermeiden, dass die eigene Fruchtbarkeit Schaden nimmt. Und das heißt: eine größere Chance, dass es mit dem Kind klappt.

Zwei Reproduktionsmediziner geben einen Überblick, worauf Paare achten können und was zu tun ist, wenn es dennoch nicht klappen mag.

Rauchen verschlechtert Spermienqualität

„Was ganz klar die Fruchtbarkeit schädigt, ist Rauchen“, sagt die Gynäkologin Corinna Mann von der Praxis „Die Kinderwunschärztin“ in München. „Damit sollten beide auf jeden Fall sofort aufhören, wenn man eine Schwangerschaft plant.“

Das bestätigt auch der Gynäkologe Wolfgang Würfel vom Kinderwunsch Centrum München. Rauchen erschwere sowohl die Empfängnis und gefährde den Erhalt der Schwangerschaft. Bei Männern sorge Rauchen dafür, dass sich die Qualität der Spermien verschlechtert.

Übergewicht und Untergewicht - beides von Nachteil

Ein weiterer Faktor, der sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken kann, ist das Gewicht. „Übergewicht ist schlecht für die Funktion der Eierstöcke. Das betrifft sowohl das Schwangerwerden, Schwangerbleiben als auch Geburtskomplikationen“, sagt Wolfgang Würfel.

Auch bei Männern kann Übergewicht für die Fruchtbarkeit zum Problem werden, da es das Hormonsystem durcheinanderbringt. „Der berühmte Bierbauch ist durch östrogen-ähnliche Substanzen, sogenannte Phytoöstrogene, bedingt“, sagt Würfel. Sie kommen in Hopfen vor und können die Spermienqualität negativ beeinflussen.

Andererseits kann auch extremes Untergewicht bei Frauen es dem Körper schwerer machen, schwanger zu werden. Wolfgang Würfel berichtet von Sportlerinnen, die so strikt trainieren und essen, dass sie eine sogenannte Sportler-Amenorrhoe entwickeln. „Das bedeutet, ihre Regelblutung bleibt ganz aus oder es kommt zumindest zu starken Zyklusstörungen.“

Corinna Mann rät Frauen mit Kinderwunsch dazu, keinen Extrem- oder Leistungssport zu treiben. „Das ist nicht hilfreich. Wenn der Körper in den Fluchtmodus schaltet, dann kann er sich nicht gut fortpflanzen.“

Nahrungsergänzungsmittel nur mit ärztlichem Check

Außerdem ist laut der Medizinerin eine ausgewogene Ernährung wichtig - eine mediterrane Ernährungsweise mit vielen Ballaststoffen, die etwa in Vollkornprodukten stecken.

Die gute Nachricht: Auf Kaffee muss man der Fruchtbarkeit zuliebe nicht verzichten. Er habe - in Maßen - sogar eine fertilitätsfördernde Wirkung, so Wolfgang Würfel. Und das sowohl bei Frauen als bei Männern.

Zudem können Nahrungsergänzungsmittel dem Körper helfen, sich besser auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. „Was für alle Frauen mit Kinderwunsch ganz wichtig ist, ist Folsäure, die sowohl der Kindesentwicklung hilft als auch bereits beim Schwangerwerden“, sagt Corinna Mann.

Auch Jod, die Vitamin B6, B12 und D sowie Zink und das Coenzym Q10 können die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen. Vorab sollte man von einem Arzt oder einer Ärztin die Blutwerte prüfen lassen - auch um Überdosierungen zu vermeiden.

Stress nicht überbewerten

Und was ist mit Stress? Weniger davon hilft. Überbewerten sollte man das Thema laut Fachärztin Corinna Mann aber nicht. „Wenn jemand wahnsinnig viel Stress und Anspannung hat, viel reist und sehr viel Sport treibt, kann sich dadurch auch der Zyklus verändern und das beeinflusst dann auf jeden Fall auch den Kinderwunsch.“

Ganz wichtig zu wissen: Der Stress, den Paare verspüren, wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt, spiele für die Fruchtbarkeit eigentlich keine Rolle, sagt Corinna Mann. „Denn vielen Paaren wird aus dem Freundeskreis geraten: ‚Entspannt euch doch einfach einmal, dann klappt das schon‘. Aber das reicht eben meistens nicht.“

Wenn es an den Hormonen liegt

Stellt sich nicht so schnell wie gewünscht eine Schwangerschaft ein, kann das auch hormonell bedingt sein. „Es gibt zum Beispiel eine Gelbkörperschwäche, die Schwangerschaften erschweren kann. Das ist ein Hormonmangel, den man durch natürliches Progesteron ausgleichen kann“, sagt Mann.

Zusätzlich ist der Schilddrüsenwert TSH wichtig, wenn es um die Fruchtbarkeit geht. Tanzt er aus der Reihe, kann man ihn mit Tabletten richtig einstellen, so dass eine Schwangerschaft wahrscheinlicher wird.

Auch der AMH-Wert kann Aufschluss geben. Und zwar darüber, wie viel Eizellreserven eine Frau noch hat. „Denn eine von hundert Frauen geht unter 40 schon in die Wechseljahre und stellt dann Ende 30 enttäuscht fest, dass der Kinderwunsch nicht mehr erfüllbar ist“, sagt Corinna Mann.

Fruchtbarkeit eng an das Alter geknüpft

Wolfgang Würfel zufolge nimmt die Fruchtbarkeit von Frauen ab dem 30. Lebensjahr leicht ab, ab dem 35. Lebensjahr deutlich und ab dem 40. Lebensjahr noch einmal sehr stark. „Eizellen werden nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nicht neu gebildet, sondern sie altern mit dem Lebensalter der Frau mit.“

Dabei nimmt ihre Qualität ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eizellen genetisch auffällig sind, steigt. Einige Frauen nehmen fälschlicherweise an, dass ihre äußerliche Jugendlichkeit auch einen Einfluss auf ihre Fruchtbarkeit habe, so Würfel.

Fachleute empfehlen Frauen unter 35 Jahren, sich untersuchen zu lassen, wenn sie nach einem Jahr noch nicht schwanger sind. Frauen über 35 Jahren sollten nur sechs Monate warten. Corinna Mann appelliert an Paare, frühzeitig abzuklären, woran es liegen könnte. Damit keine wertvolle Zeit verstreicht.

Aber man sollte auch wissen: „Ein unerfüllter Kinderwunsch ist wahnsinnig häufig. Es trifft ungefähr jedes sechste Paar in Deutschland“, sagt Corinna Mann. „Es würde mich freuen, wenn man offener damit umgeht.“ Denn Betroffene haben oft das Gefühl, sie seien allein - während alle anderen scheinbar problemlos Kinder bekommen. „Aber das stimmt nicht.“

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