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Virologe Christian Drosten.  - © AFP
Virologe Christian Drosten.  | © AFP

Coronavirus Virologen: Keine vollen Fußballstadien bis nächstes Jahr

"Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten", sagt zum Beispiel Virologe Christian Drosten.

22.03.2020 | Stand 23.03.2020, 22:10 Uhr

Hamburg (dpa). Renommierte Virologen rechnen angesichts der Coronavirus-Krise nicht mehr mit einem regulären Sportbetrieb mit Zuschauern in diesem Jahr.

Er glaube „überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. Das ist überflüssig", sagte der Berliner Virologe Christian Drosten von der Charité dem Nachrichtenmagazin Stern. „Das wird es bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht geben. Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten."

Kekulé: Fußballspiele nicht vor September

Drosten kritisierte den "Stern" allerdings anschließend im Coronavirus-Podcast des NDR. Er sei falsch zitiert worden. Tatsächlich sei es ihm bei der Frage, wann es eine Entspannung geben könnte um die Differenzierung gegangen, dass, stünde man in einigen Monaten vor der Wahl, Schulen oder Fußballstadien wieder zu öffnen, die Schulen seiner Meinung nach Vorrang hätten.

Zuvor hatte auch Virologe Alexander Kekulé den Sportfans wenig Hoffnung auf einen Sommer mit Olympischen Spielen oder Fußballspielen vor vollen Rängen gemacht. „Ich halte das für ausgeschlossen, dass wir in Tokio dieses Jahr die Olympischen Spiele austragen können", sagte der Experte der ARD-„Sportschau". Die „ganz große Welle" an Infizierten stehe Japan noch bevor, und Olympische Spiele mit mehr als 10.000 Athleten und vielen Tausend Fans seien unverantwortlich. „Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung", betonte Professor Kekulé.

Der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale geht zudem davon aus, dass es in diesem Jahr in Deutschland keine Fußballspiele mehr mit Zuschauern geben wird. „Großveranstaltungen, bei denen man 60.000 Menschen in einem Stadion zusammenbringt, die sehe ich tatsächlich in diesem Jahr auch nicht", sagte Kekulé.

Ähnlich hatte sich schon sein Kollege Jonas Schmidt-Chanasit geäußert, der damit rechnet, dass in diesem Jahr überhaupt nicht mehr Fußball gespielt werde.

Gar so drastisch sieht es Kekulé nicht. „Wenn ich jetzt Berater des Fußballs wäre, dann würde ich sagen, im September irgendwann könnte es sich bessern, aber vorher höchstwahrscheinlich nicht." Die Deutsche Fußball Liga hat zunächst bis zum 2. April die Spiele ausgesetzt.

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