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Immer weniger Ärzte behandeln Drogenkranke in ihrer Praxis. 
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Immer weniger Ärzte behandeln Drogenkranke in ihrer Praxis.

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Drogen- und Suchtbericht 2019 Immer weniger Ärzte behandeln Drogenkranke in ihrer Praxis

Die Zahlen über den Konsum illegaler und legaler Substanzen liegen vor. Drogenberatungen sehen ein Problem in der medizinischen Versorgung.

Judith Gladow
05.11.2019 | Stand 05.11.2019, 23:41 Uhr

Berlin/Bielefeld. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, hat gestern den Drogen- und Suchtbericht 2019 in der Bundespressekonferenz vorgestellt. Bei den legalen Substanzen legte sie dabei den Fokus auf Tabak- und Nikotinprodukte. Im Zusammenhang mit den illegalen Drogen betonte sie explizit, dass die oberste Prämisse der Schutz der Gesundheit der Menschen sei. „Eigenbedarf bei harten Drogen wie Kokain oder Heroin kommt daher absolut nicht in Frage", so Ludwig. Weiter hinten im Bericht versteckt sich ein Thema, das vor allem den lokalen Drogenberatungen schon länger Kopfschmerzen bereitet: Immer weniger niedergelassene Ärzte therapieren Drogenabhängige mit Ersatzprodukten wie Methadon. Anzahl der Patienten steigt Diese Substitutionstherapie ermögliche laut Drogen- und Suchtbericht „vielen Opioidabhängigen eine gesundheitliche sowie soziale Stabilisierung und damit meist eine steigende Lebenserwartung". Und die Anzahl derer, die auf eine solche Therapie angewiesen sind, steigt währenddessen weiter: 2017 waren es 78.800 Patienten bundesweit, 2018 dann 79.400. „Es wird immer schwieriger, Ärzte zu finden, die das machen wollen", sagt Dominik Neugebauer von der Jugend- und Drogenberatungsstelle der Caritas Paderborn. Das, so sagt er, sei ein flächendeckendes Problem, das mit dem Ärztemangel, gerade im ländlichen Bereich verknüpft sein könnte. Gerade auf dem Land wird es problematisch Ähnlich sieht das auch Peter Köching, der die Suchtberatung der Caritas in Gütersloh leitet. Zwar sei die Stadt Gütersloh da noch gut aufgestellt, etwa durch das LWL-Klinikum. Aber weiter außerhalb macht sich ein einziger Arzt, der wegfällt, eben auch schneller bemerkbar. Wie in Rheda-Wiedenbrück, wo laut Köching vor einigen Jahren der einzige Mediziner aufgehört habe, der Substitutionsbehandlungen dort vor Ort angeboten hatte. Für eine Behandlung müssen die Patienten etwa nach Gütersloh. Opioidabhängigen vor Ort keine Behandlung anbieten zu können, vor diesem Problem steht man in Bielefeld nicht. Hier gibt es unter der Federführung der örtlichen Drogenberatung zwei Methadon-Ambulanzen mit insgesamt 450 Plätzen, sowie die beiden Kliniken Mara II und Gilead IV. Die Suchtmedizin hat ein Image-Problem Den Rückgang bei den suchtmedizinisch geschulten, niedergelassenen Ärzten, gibt es aber auch hier. „Als wir vor 25 Jahren hier mit der Substitutionstherapie begonnen haben, gab es in Bielefeld 26 niedergelassene Ärzte, die eine Substitutionstherapie angeboten haben, heute sind es noch neun Praxen", berichtet der Geschäftsführer der Bielefelder Drogenberatung, Michael Wiese. Suchtmedizin werde leider immer noch zu oft als „Schmuddelmedizin" wahrgenommen. Perspektivisch werde der Schwund aber auch in Bielefeld zum Problem. „Es stellt sich die Frage, ob wir dann eine dritte Ambulanz brauchen." Und in den ländlichen Regionen müsse man dann über Methadonbusse nachdenken. „Wenn ein Patient für seine Behandlung drei bis vier Stunden fahren muss, stellt das die Grundidee der Substitution in Frage – nämlich, dass die Abhängigen dadurch die Möglichkeit haben, ein normales Leben zu führen." Enge Begleitung einer chronischen Erkrankung Die Leiter der drei Drogenberatungen sehen darum eine wichtige Aufgabe darin, eine standortnahe Betreuung und Behandlung der Suchtkranken zu erhalten. „Das über in der Fläche niedergelassene Ärzte gewährleisten zu können, wäre sehr hilfreich", sagt Köching. Und für Mediziner könne das auch sehr attraktiv sein, meint er: „Das ist ja eine chronische Erkrankung, bei dem die Ärzte den Patienten sehr engmaschig begleiten."

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