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Manuela Schwesig in ihrem Element, bei einer Dankeschön-Veranstaltung für Feuerwehrkräfte, die gegen Waldbrände im Einsatz waren. - © picture alliance/dpa
Manuela Schwesig in ihrem Element, bei einer Dankeschön-Veranstaltung für Feuerwehrkräfte, die gegen Waldbrände im Einsatz waren. | © picture alliance/dpa

Analyse Manuela Schwesig: Eine, die der SPD fehlen wird

Manuela Schwesig hat gezeigt, was geht: Politisch ging es für sie bisher stets bergauf. Jetzt muss sie gegen eine tückische Krankheit kämpfen. Auch für die SPD ist das eine schlechte Nachricht.

Iris Leithold
10.09.2019 | Stand 10.09.2019, 19:12 Uhr
Tobias Peter

„Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und ich werde auch diesen Kampf führen", hat Manuela Schwesig an diesem Dienstag gesagt. Kurze Zeit zuvor hatte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern in einer Erklärung der Staatskanzlei die Öffentlichkeit darüber informieren lassen, dass bei ihr Brustkrebs diagnostiziert worden ist. Die Tochter ist gerade dreieinhalb Ein Schicksalsschlag ist eine Krebsdiagnose in jedem Alter, noch einmal schlimmer aber vielleicht, wenn man noch kleine Kinder hat. Schwesig ist zweifache Mutter. Ihr Sohn Julian ist zwölf, die kleine Julia gerade dreieinhalb Jahre alt. Sie habe eine großartige Familie, sagt die 45-Jährige. „Die gute Nachricht ist: Dieser Krebs ist heilbar", erklärte Schwesig. „Allerdings ist dafür eine medizinische Behandlung notwendig. Dies wird dazu führen, dass ich in den kommenden Monaten nicht an allen Tagen öffentliche Termine wahrnehmen kann", setzte die 45-Jährige hinzu. Sie habe deshalb die Ministerinnen und Minister gebeten, sie an diesen Tagen zu vertreten. Ministerpräsidentin und Chefin der Landes-SPD will sie bleiben, ihre Parteiämter auf Bundesebene legt die kommissarische SPD-Chefin aber nieder. Das Amt der Ministerpräsidentin hatte sie im Sommer 2017 von Erwin Sellering übernommen, der ebenfalls an Krebs erkrankt war. Schwesig hatte dafür im Bundestagswahljahr ihr Amt als Bundesfamilienministerin aufgegeben. Mit rund 69.000 Erkrankungen jährlich ist Brustkrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Nahezu 30 Prozent der betroffenen Frauen sind nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts jünger als 55 Jahre. Sie galt vielen als die kommende SPD-Vorsitzende Der Rückzug Manuela Schwesigs von der Parteispitze im Bund bedeutet, dass die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Partei übergangsweise für eine Zeit allein führen muss. Schwesig, Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel hatten den Parteivorsitz nach dem Rückzug von Andrea Nahles gemeinsam kommissarisch übernommen. Schäfer-Gümbel, der bei der hessischen Landtagswahl im Herbst 2018 erneut am Ziel gescheitert ist, Ministerpräsident zu werden, zieht sich aber aus der Politik zurück. Er wird zum 1. Oktober einen Posten als Arbeitsdirektor bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) antreten. Die SPD sucht gerade nach neuen Vorsitzenden. Auf 23 Regionalkonferenzen stellen sich derzeit sieben Kandidatenduos und ein Einzelbewerber den Mitgliedern vor. Die Basis soll per Mitgliederbefragung abstimmen. Endgültig gewählt werden die neuen Vorsitzenden aber erst auf einem Parteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin. Schwesig selbst war von vielen als mögliche Vorsitzende gehandelt worden, hatte aber von Anfang an mit Verweis auf ihre Verpflichtungen in Mecklenburg-Vorpommern abgesagt. Sie will dort im Jahr 2021 die Landtagswahlen gewinnen – trotz des Erstarkens der AfD. Bisher führte ihr Weg stets nach oben Die Ministerpräsidentin ist ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor in der SPD. Als Bundesfamilienministerin profilierte sie ihre Partei neu auf einem Gebiet, dass die Sozialdemokraten in Zeiten der Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) stark an die Union verloren hatte. Als stellvertretende Parteichefin und Ministerpräsidentin entwickelte sich Schwesig zur zentralen Figur der SPD im Osten. So setzte sie gemeinsam mit den Ost-Landesverbänden durch, dass die gebürtige Brandenburgerin Franziska Giffey Bundesfamilienministerin wurde. Bisher hat ihr Weg sie stets nach oben geführt. Ihr Sohn ist noch ein Baby, da tritt sie erstmals politisch in Erscheinung. In Schwerin ist 2007 die fünfjährige Lea-Sophie verhungert. Schwesig ist Fraktionschefin der SPD im Stadtparlament und macht sich im Untersuchungsausschuss zu Lea-Sophie einen Namen. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) holt sie 2008 als Sozialministerin in sein Kabinett. Fünf Jahre später wechselt sie als Bundesfamilienministerin nach Berlin. Dann erkrankt Sellering im Mai 2017 an Lymphdrüsenkrebs. Schwesig kehrt auf seine Bitte hin nach Schwerin zurück und wird seine Nachfolgerin. Der Abschied aus Berlin fällt ihr nicht leicht. Doch als stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende behält sie weiter einen Fuß in der Bundespolitik. Und sie meldet sich weiterhin kräftig zu Wort. "Darauf vertraue ich" In einer Videobotschaft auf Twitter sagte Schwesig nun, es sei „ein bewegender Tag" für sie. Die Diagnose habe sie und ihre Familie schwer getroffen, aber sie seien sehr zuversichtlich, dass sie wieder gesund werde. „Ich möchte mich bedanken für die große Anteilnahme, das gibt Kraft und das macht Mut", sagte Schwesig. Auf ihre Ämter in der Bundes-SPD verzichte sie, um sich auf Gesundheit, Familie und die Aufgabe in Mecklenburg-Vorpommern zu konzentrieren. In dem Tweet verweist Schwesig auch auf einen Tweet des lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. „Von guten Mächten wunderbar geborgen... Darauf vertraue ich."

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