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Der Bielefelder Klaus Reinhardt neuer Ärztepräsident. - © Oliver Krato
Der Bielefelder Klaus Reinhardt neuer Ärztepräsident. | © Oliver Krato

Gesundheit Ärztepräsident fordert finanzielle Selbstbeteiligung bei häufigen Arztbesuchen

Reinhardt sprach sich auch für eine Frauenquote in Führungspositionen in der Medizin aus

21.06.2019 | Stand 21.06.2019, 12:26 Uhr

Berlin (AFP). Der neue Ärztepräsident, der Bielefelder Klaus Reinhardt, fordert eine finanzielle Selbstbeteiligung von Patienten, die besonders häufig zum Arzt gehen. "Bei mehrfachen und völlig unnötigen Arztbesuchen kann eine moderate wirtschaftlichen Beteiligung zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit unseren knappen Ressourcen im Gesundheitswesen beitragen", sagte der Präsident der Bundesärztekammer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Es geht um eine bessere Steuerung von Patienten. Davon profitieren am Ende alle." "Verantwortungsvoller Umgang mit Ressource Arzt" Der Erstzugang zum Arzt solle immer frei sein, betonte Reinhardt. "Aber man muss genauer hinsehen, wer wann und weshalb zum Arzt geht." Patienten müssten lernen, "verantwortungsvoll mit der Ressource Arzt umzugehen". Wer das nicht tue, verbaue den Menschen, die ernsthaft erkrankt seien, den Weg zu ärztlicher Hilfe. Mit kleinen Geldbeträgen würde sich das Verhalten der Patienten verändern lassen. Reinhardt lobte in diesem Zusammenhang die Ende 2012 abgeschaffte Praxisgebühr. Diese sei zwar falsch organisiert gewesen, sie habe aber grundsätzlich funktioniert. Kritiker der Praxisgebühr hatten angeführt, einkommensschwache Patienten würden aufgrund der Zusatzkosten den Gang zum Arzt vermeiden. Frauenquote in Medizinberufen Reinhardt sprach sich auch für eine Frauenquote in Führungspositionen in der Medizin aus. „Ich bin dafür", sagte er. Frauen hätten es noch immer schwerer, im Arztberuf Karriere zu machen. Er sprach sich zugleich dafür aus, den Arztberuf familienfreundlicher zu machen. Reinhardt ist seit Ende Mai Präsident der Bundesärztekammer. Skeptisch beurteilt er das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) initiierte Terminservice- und Versorgungsgesetz. „Die neuen gesetzlichen Regelungen werden auf jeden Fall kurzfristig für Entspannung bei der Terminsituation sorgen", sagte Reinhardt der Welt. „Aber langfristig wird das Gesetz die Situation nicht verbessern." Er erwartet sogar eine Verschlechterung. Grund sei, dass die Ärzte bereits jetzt am Limit arbeiteten.

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