Hinrich Lührssen ist als lustiger TV-Moderator bekannt - zum Beispiel hier bei "buten un binnen". Jetzt hat er die Seiten gewechselt. - © NW/Screenshot
Hinrich Lührssen ist als lustiger TV-Moderator bekannt - zum Beispiel hier bei "buten un binnen". Jetzt hat er die Seiten gewechselt. | © NW/Screenshot

Fernsehen Bekannter "Stern TV"-Moderator ist jetzt bei der AfD

Jahrelang flimmerte Hinrich Lührssen zur besten Sendezeit über die Fernsehbildschirme. Jetzt wechselt er die Seiten. Arbeitskollegen zeigen sich fassungslos.

Matthias Schwarzer

Bremen. Jahrelang flimmerte Hinrich Lührssen zur besten Sendezeit über die Fernsehbildschirme. Bei "Stern TV" unterhielt der Moderator seine Zuschauer mit lustig-skurrilen Beiträgen. Dazu gehören die Rubriken "Stern der Woche" oder "Werbung beim Wort genommen". Zuletzt war er vor allem beim Radio-Bremen-Format "buten un binnen" zu sehen. Jetzt hat Lührssen die Seiten gewechselt. Bereits seit einigen Monaten ist der TV-Moderator Mitglied der rechten AfD. Künftig wird er hier sogar als Parteifunktionär auftreten. Bekannt wurde der Fall am Samstag durch den Bremer Landesvorstand der AfD. In einer ersten Stellungnahme hatte Lührssen mitgeteilt: "Unsere Heimatstädte Bremen und Bremerhaven brauchen eine starke, konservative Kraft, die auf die Sorgen der Bewohner endlich eingeht." Von "konservativ" kann bei der Bremer AfD allerdings nicht die Rede sein: Der Landesverband gehört zum völkisch-nationalistischen Höcke-Flügel der Partei und soll enge Kontakte zur rechtsradikalen Identitären Bewegung haben. Sender reagiert sofort Zudem ist die Bremer AfD für ihre Feindseligkeit gegenüber Medien bekannt. Im Mai hatte der stellvertretende Landesvorsitzende Thomas Jürgewitz einen "buten un binnen"-Redakteur als "linksradikalen Journalisten", bezeichnet, der "unter den gebührenbezahlten Medienverdrehern eingestellt" worden sei. Bei Arbeitskollegen sorgt der Schritt des Moderators für Fassungslosigkeit. Der Leiter der Regionalredaktion von "buten un binnen" habe Lührssen morgens um acht aus dem Bett geklingelt, erzählt der Moderator dem Medienblog Übermedien. Auch die Redaktion von "Stern TV" sei von Lührssens Seitenwechsel nicht begeistert gewesen. Radio Bremen reagierte nach Bekanntwerden des politischen Engagements umgehend. Chefredakteurin Andrea Schafarczyk sagte, man werde sich "sehr bald" mit Lührssen zusammensetzen um zu "gucken, was er da genau vorhat". Der Sender vertrete Werte wie Unabhängigkeit und Vielfalt. "Jeder Mitarbeiter, der hier arbeitet, ist diesen Werten verpflichtet." Lührssen ist derweil nicht der erste Medienmacher, den es weit nach rechts zieht. Auch der in Bielefeld geborene Journalist Armin-Paul Hampel wechselte vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zur AfD. Der ehemalige TV-Moderator und Bielefelder Hans-Hermann Gockel gilt als AfD-Sympathisant und war in der Vergangenheit immer wieder mit rechtspopulistischen Theorien aufgefallen.

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