Maxwell Jenkins ist Will Robinson. Können er und der Roboter Freunde werden? - © Netflix
Maxwell Jenkins ist Will Robinson. Können er und der Roboter Freunde werden? | © Netflix

Serien Lost in Space auf Netflix: Seifenoper im Weltall

Die neue zehnteilige Serie ist ab sofort verfügbar

Angela Wiese

Mit "Lost in Space" macht Netflix mal wieder einen Ausflug in die Zukunft. Die Science-Fiction-Serie ist zwar mit reichlich Blinklichtern und abgefahrenen Metallkonstruktionen ausgestattet. Inhaltlich aber schrammt sie nur haarscharf an einer Seifenoper vorbei. In "Lost in Space" - Grundlage ist die gleichnamige Serie aus den 60er-Jahren - ist die Erde kein lebenswerter Ort mehr für die Menschheit. Die Mitglieder der Familie Robinson gehören zu den wenigen Auserwählten, die künftig in einer neuen Kolonie im All leben dürfen. Auf dem Weg dorthin stürzt allerdings das Raumschiff der Familie ab. Ein Mischwald im Weltraum Die Robinsons landen auf einem ihnen unbekannten Planeten, der optisch erst einmal vor allem eins zu bieten hat: Mischwald. Während die Familie sich kurz nach dem Absturz erst einmal in Sicherheit bringen und den neuen Lebensraum erkunden will, stößt auch schon eine außerirdische Lebensform zu ihnen: ein Roboter, der seine Form ändern kann, je nachdem, welche Waffe gerade erforderlich ist. Und ja, natürlich werden dann auch wieder folgende Fragen gestellt: Kann ein Roboter echte Gefühle haben? Kann es echte Freundschaft zwischen Mensch und Roboter geben? Wer jetzt denkt, das sei ja langweilig, denn diese Fragen sind ja schon viel zu oft gestellt worden, dem sei gesagt: Das ist nicht das Problem der Serie. Soap trifft auf Spannung Denn langweilig ist "Lost in Space" wahrlich nicht. Spannungsmomente gibt es an reichlich vielen Stellen. Wer sich auf die zehn etwa einstündigen Folgen einlässt, der wird immer auch wissen wollen, wie es weiter geht mit den Robinsons. Sich darauf einzulassen, heißt dann aber auch, die nervigen Soap-Elemente in "Lost in Space" hinnehmen zu müssen. Serienmacher Zack Estrin hatte im Vorfeld bereits angekündigt, dass im Unterschied zum 60er-Jahre-Original in der Neuauflage die Beziehungen zwischen den Charakteren komplizierter sein würden. Da hat er nicht zu viel versprochen. Jede Folge ist völlig überladen mit den Versuchen der Robinsons, ihre eigenen emotionalen Probleme oder Konflikte mit anderen zu lösen. Das beschränkt sich nicht nur auf die Familie. Schon früh kommen weitere Charaktere dazu. Selbst der Roboter steht irgendwann vor einer emotionalen Prüfung. Basteln gegen die Lebensgefahr Dazu kommt der Charakter der Dr. Smith, gespielt von der eigentlich hervorragenden Schauspielerin Parker Posey. Sie spinnt in jeder Folge Intrigen und schaut dabei stets - wie es sich in einer richtigen Seifenoper gehört - falsch lächelnd oder niederträchtig in die Ferne. Kürzere Folgen mit weniger Intrigen hätten "Lost in Space" gutgetan. Ebenso konstruiert wie die Konflikte zwischen den Charakteren wirken die vielen Situationen, in denen die All-Reisenden in Lebensgefahr geraten und sich selbst retten müssen. Immer wieder beginnt dann eine kleine Bastelstunde, in der die Protagonisten auf die ungewöhnlichsten Mittel und Werkzeuge zurückgreifen, um ihrem Schicksal doch noch zu entkommen. "Lost in Space" hat viele spannende Momente. Die Spannung allerdings ist stets recht niveaulos nach dem Muster Intrige-Gefahr-Bastelstunde-Rettung zusammengeschustert. Ob der Zuschauer, der sich auf die Serie einlässt, auch erfährt, wie es für die Robinsons in Zukunft weitergeht steht noch nicht fest. Das Ende der Serie ist jedenfalls auf eine weitere Staffel ausgerichtet. Bleibt zu hoffen, dass sich die Macher dann auf die eigentliche Stärke der Story konzentrieren: Science-Fiction.

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