Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) legt seine mündliche Jagdprüfung ab. - © WDR/Thomas Kost
Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) legt seine mündliche Jagdprüfung ab. | © WDR/Thomas Kost

TV & Film Kritik zum Tatort aus Münster: Es passt nicht recht zusammen

"Fangschuss" ist eine schwache Episode für die Ermittler des Münster-Tatorts

Marc Schröder
02.04.2017 | Stand 03.04.2017, 10:54 Uhr

Mit diesem Münster-Tatort muss man hadern. Besonders, weil die Ermittlungsarbeit, die Rahmengeschichte und die sonst beliebten Wortgefechte der Ermittler nicht ineinandergreifen. Um bei dieser Rückschau auf die Jägersprache zurückzugreifen - so wie die Macher es beim Titel getan haben: Zugespitzt ist die Episode weidwund und wartet auf den im Titel angekündigten Fangschuss. Dieser bleibt aber lange aus, und die Zuschauer leiden aus unterschiedlichen Gründen. Kurz zur Geschichte: Eine Beerdigung und eine junge Frau mit blauen Haaren, die jemanden sucht. Der Tod von IT-Experte Sandberg. Professor Boerne, der für den Jagdschein lernt und zugleich Kollegin Haller schikaniert, die sauber kontert. Elemente, die einen guten Münster-Krimi verheißen. Doch die Geschichte schleppt sich dahin. Erst mit der zweiten Leiche, dem Journalisten Offergeld, kommt etwas Schwung in die Sache. Dieser jedoch geht schnell wieder verloren. Schuld sind der verdächtige Jäger Gebhard, eine falsche Spur und das Schweigen der blauhaarigen Leila. Letztere versucht sich dann auch noch auf eigene Faust an der Erpressung des Mörders und der Hintermänner. Die Rahmenhandlung taugt nicht als Bindemittel Wenn diese Elemente halbwegs glaubwürdig präsentiert würden, wäre das alles zu verschmerzen. Doch da hat der zum Verdächtigenkreis zählende Jäger Gebhard seinen Revolver im Revier verloren. Anstatt dies der Polizei zu melden, wozu er verpflichtet ist, und entsprechende Konsequenzen in Kauf zu nehmen, empfängt er seelenruhig Kommissar Thiel und berichtet diesem von jenem schmerzlich vermissten Revolver. Zur Story von Leila: Ihre Mutter liegt im Sterben, und sie sucht ihren Erzeuger, für eine solche Situation ist sie ziemlich guter Laune und neigt zur Geschwätzigkeit. Verschweigt dafür aber ihr Wissen zu Journalist Offermann. Als das aufgedeckt wird, wird generös über ihre Behinderung der Polizeiarbeit hinweg gesehen. Da ist Thiel natürlich genau der richtige Kumpeltyp. Hinzu kommt, dass sich Leila ganz unbedarft mit einem Profikiller anlegt, dem sie auch prompt mehrfach entkommen kann. Wie genau ist denn der Mann Profikiller geworden, wenn er sich so abkochen lässt? Spannung bleibt auf der Strecke Bei der gesamten Geschichte fehlen die wirklich bindenden und sinngebenden Elemente. Boernes Jagdprüfungsvorbereitung und sein erblich bedingter Haarausfall sind schnell anstrengend. Überboten wird das nur noch durch Leila, die ihrem Vaterkandidaten Thiel auf die Nerven geht und dessen Ermittlungen bewusst behindert. Die Elemente sollen eine Hintergrundgeschichte aufbauen. Das misslingt, denn sie ziehen sich wie Kaugummi in die Länge, da bleibt die Spannung auf der Strecke. Im Gegensatz zu Kaugummi bleiben die Versatzstücke der Story nicht kleben. Typisch Münster reicht nicht Auch der Münster-typische Humor verfehlt sein Ziel. Manche Pointen werden abgeschossen, funktionieren aber nicht ohne Erklärung. Der „Deutsche Stecher" etwa. Ist tatsächlich der Abzugsmechanismus des Jagdgewehrs. Es fehlt die Erklärung, dass ein solcher Abzug den Schuss erleichtert, es aber auch schnell ungewollt zum Schuss kommen kann. Mit solchen Informationen wird das anzügliche Geplänkel in Boernes Jagdprüfung noch eine Stufe schmieriger. Auch sonst arbeitet sich der Professor eher an Herrenwitzen ab, als mit feiner Rhetorikklinge zu fechten. Auch für die Pinguin-Hinweise, die sich durch die Folge ziehen und auf den USB-Stick deuten sollen, braucht es mehr Aufmerksamkeit als man diesem Tatort schenken möchte. Dann ist da noch die Vater-Tochter-Situation als Ersatz für den urlaubenden "Vaddern", es scheitert hier wie so vieles an der schwachen Figur Leila. Der Münster-Tatort stagniert, denn den Figuren fehlen die ausgearbeiteten Hintergrundgeschichten, mit denen die Attitüden noch funktionieren könnten. Pointen auf Biegen und Brechen kommen ebenso wenig an, wie solche die man googeln muss.

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