Der beliebteste Allrounder: Schäferhunde werden als Familienhunde, aber auch vielseitige Arbeitshunde eingesetzt. - © Uwe Zucchi dpa/lhe
Der beliebteste Allrounder: Schäferhunde werden als Familienhunde, aber auch vielseitige Arbeitshunde eingesetzt. | © Uwe Zucchi dpa/lhe

Tiere Viele Arbeitshunde-Rassen sind vom Aussterben bedroht

Vierbeiner bestimmter Rassen werden immer seltener. Grund ist, dass viele ihrer Einsatzgebiete nicht mehr existieren. Als Familienmitglieder sind nur die wenigstens von ihnen geeignet

Friderieke Schulz

Bielefeld. Der Hund ist der beste Freund des Menschen, Familienmitglied und Wegbegleiter. Immer seltener ist er mehr als das, nämlich Arbeitskollege. Viele der klassischen Arbeitshunde-Rassen sind vom Aussterben bedroht. „Es ist schockierend", sagt Roswitha Dannenberg vom Verein für Deutsche Schäferhunde mit Blick auf die Entwicklung der Welpenzahlen. Von 2002 bis 2016 hat sich die Zahl nahezu halbiert. „Mit etwas mehr als 10.200 Welpen kann man aber nicht vom Aussterben sprechen und ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird", sagt Dannenberg. Altdeutsche Hütehunde gibt es kaum noch Etwas anders sieht das bei einem Vorfahren des Schäferhundes aus, dem altdeutschen Hütehund. „Von Hunden der Arbeitslinie, also solchen, die genetisch für die Arbeit geeignet sind, gibt es in ganz Deutschland keine 1.000 mehr", sagt Christina Büttner-Golz von der Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde. Die Gründe für diese Entwicklung sind so banal, wie logisch. „Die Zahl der Schäfer geht immer weiter zurück und mit ihnen der Bedarf der Rasse als Arbeitstier. Als Familien- oder Rettungshund sind sie absolut ungeeignet. Sie brauchen die Arbeit", sagt Büttner-Golz. Viele Arbeiten existieren nicht mehr Doch auch anderen Rassen droht das Aussterben, weil die Arbeit, die sie ausgeführt haben, nicht mehr existiert. „Der Großspitz ist zum Beispiel ein klassischer Haus- und Hofhund", weiß Antje Feldmann, Geschäftsführerin bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Früher lebten die Spitze frei auf den Höfen. Sie haben die Gebäude bewacht, Schadnager wie Ratten oder Mäuse bekämpft oder bei der Weinernte tagelang die Weinstöcke vor Dieben beschützt. „Das ist kein normaler Hund. Fast jeder ältere Mensch kann sich noch daran erinnern, wie er mal von einem Spitz gezwickt wurde", so Feldmann. Inzwischen ist das selten der Fall. Nur noch knapp 40 stehen im Zuchtbuch der Rasse. Der braune Großspitz ist bereits ausgestorben. Doch manche Arbeitsrassen lassen sich sehr wohl in anderen Bereichen einsetzen. „Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des Schäferhundes. Er arbeitet als Polizei-, Rettungs-, Blindenhund und das sind nur einige Beispiele", sagt Dannenberg. Auch der Deutsche Pinscher ist vom Rattenfänger zum Begleithund geworden und bei Reitern beliebt. „Riesenschnauzer werden auch nur noch für das Showwesen gezüchtet. Hunde mit dem ursprünglichen Rassestandard gibt es vielleicht noch 80 in Deutschland", so Feldmann. Viele Rassen feiern ein Comeback Ein aussterbender Hund, der womöglich ein Comeback feiern könnte, ist der Bergamasker. Er gilt als klassischer Hüte- und Herdenschutzhund und schützt Schafe vor Beutegreifern oder dem Wolf. „Letztlich gibt es für viele der Hunde auch die Möglichkeit außerhalb der ursprünglichen Tätigkeit zu arbeiten, aber arbeiten müssen sie. Es sind Kopftiere, sie sind sehr aufmerksam und gelehrig. Wenn sie nicht gefordert werden, werden sie anstrengend, jagen Autos, stellen Personen und landen dann häufig im Tierheim." Große Rassen leben zu kurz für die Familie Das sich zunehmend mehr Menschen darüber im Vorfeld der Anschaffung Gedanken machen, daran glaubt Anita Mohrmann vom internationalen Rassehunde-Verband aus Löhne. „Deswegen gehen auch die Riesenrassen wie Wolfshunde oder Doggen zurück, die ursprünglich zur Hirsch-, Eber- und Bärenjagd eingesetzt wurden. Die Hunde werden nur etwa sieben Jahre alt und die meisten Menschen wollen lang lebigere Familienmitglieder", so Mohrmann. Hinzu kommen Modeerscheinungen. „Manchmal ist eine Rasse auch schlichtweg out, wie der Affenpinscher zum Beispiel", sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen. Doch auch sie können ein Comeback feiern. So sei es zum Beispiel mit dem Mops gewesen, der in den 50er Jahren als Mutti-Hündchen belächelt wurde und nun wieder in Mode ist.

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