Beliebter Gartenbesucher: Ein Eichhörnchen knabbert an einer Walnuss. - © picture alliance
Beliebter Gartenbesucher: Ein Eichhörnchen knabbert an einer Walnuss. | © picture alliance

Bielefeld Wegen der Dürre: Eichhörnchen droht der Hungertod

Die Nager bereiten sich auf den Winter vor, finden aktuell aber kaum Nahrung. Tierschützer hoffen auf Unterstützung aus der Bevölkerung und geben Tipps.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Bielefeld. Sie zählen zu den beliebtesten Gartenbesuchern – die Eichhörnchen. Sie begeistern mit ihren tollkühnen Kletterkünsten und der scheinbar pausenlosen Geschäftigkeit, doch die possierlichen Tiere sind in Gefahr. Aufgrund der extremen Trockenheit im Sommer droht den Eichhörnchen nach Angaben von Tierschützern im Winter der Hungertod. „Die Lage ist dramatisch", sagt Stefanie Belka vom Verein „Eichhörnchen Schutz". Deshalb hofft die Expertin aus Bielefeld auf Unterstützung aus der Bevölkerung und gibt Tipps für die Rettung der Eichhörnchen. Die Nager halten keinen Winterschlaf, sondern lediglich Winterruhe. „Dafür legen sie im Herbst Vorräte für die kalte Jahreszeit an, indem sie Nüsse und Samen im Boden verstecken", erklärt Belka. Weil im Winter protein- und fettreiche Nahrung Mangelware ist, verstecken Eichhörnchen über das ganze Jahr bis zu 10.000 Nüsse – Vorräte, die sie im Winter und Frühjahr plündern. „Sofern ihnen nicht findige Konkurrenten zuvorgekommen sind und vorausgesetzt, sie erinnern sich an das Versteck, denn viele Nahrungsdepots bleiben im Boden." Aktuell ist das Verstecken der Nüsse für Eichhörnchen allerdings nur eingeschränkt möglich. „Aufgrund des trockenen Sommers ist für Eichhörnchen nur wenig Nahrung vorhanden", erklärt die gebürtige Kölnerin, die in Bielefeld lebt. Viele Bäume haben in den vergangenen Monaten bereits Früchte wie Bucheckern teilweise oder sogar komplett verkümmert abgeworfen, um die anhaltende Trockenheit zu überstehen. „Zudem konnten viele Bäume ihre Früchte nicht richtig ausbilden. Die meisten Haselnüsse sind beispielsweise hohl und fallen so auch als Futterquelle für Eichhörnchen weg." Die Folgen der Nahrungsknappheit können für Eichhörnchen dramatische Folgen haben, sagt Belka. „Die Nager können nur wenige Depots anlegen und müssen dann während ihrer Winterruhe aktiver sein als sonst. Ihr überlebenswichtiger Biorhythmus wird dadurch gestört." "Siebenschläfer leiden auch" Problematisch wird es auch für andere Nagetiere, wie Siebenschläfer. Die kleinen Nager sind vielen Menschen nicht bekannt. „Von Oktober bis Mai halten sie Winterschlaf. Sie müssen sich also von Juni bis September Winterspeck anfressen, um den nächsten Sommer erleben zu können." Zudem werden sie als Jungtiere häufig mit Mäusen verwechselt und getötet. „Dabei lassen sich Siebenschläfer und Mäuse leicht unterscheiden, denn Siebenschläfer haben am Schwanz Ringe. Das sind Sollbruchstellen, denn sie können ihren Schwanz bei Gefahr abwerfen." Um Siebenschläfer und Eichhörnchen zu unterstützen, bitten Belka und der Verein „Eichhörnchen Schutz" um Mithilfe. „Jeder kann helfen, indem Nüsse im Garten oder im Wald verteilt werden", erklärt die Eichhörnchen-Expertin. „Wichtig ist, dass nur Nahrung verteilt wird, die die Tiere auch vertragen." Dazu zählen laut Belka vor allem Haselnüsse und Walnüsse. Die Nager schätzen aber auch frisches Wasser, Sonnenblumenkerne, ungezuckerten Zwieback sowie Stücke von Karotten und Äpfeln. „Mandeln oder Erdnüsse schaden den Tieren." Im Gegensatz zu Eichhörnchen und Siebenschläfern kommt das Gros der Wildtiere nach Angaben des Landesjagdverbands NRW aktuell ohne Hilfe aus. „Die Zeit der Trockenheit ist vorbei, deshalb hat sich die Lage für Rehe, Hirsche, Hasen, Wildschweine und andere Wildtiere, die dem Jagdrecht unterliegen, deutlich entspannt", erklärt Sprecher Andreas Schneider. Ob es im Winter zu Problemen kommen wird, lasse sich jetzt noch nicht absehen. „Das ist abhängig von der Witterung." "Wichtig für Wildtiere ist Ruhe" Wichtig sei während der kalten Jahreszeiten Januar, Februar und März vor allem Ruhe. „Deshalb bringen Jäger nach Weihnachten auch Ruhe in die Reviere, damit sich die Tiere möglichst wenig bewegen und ihre Energiereserven nicht unnötig verbrauchen."

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