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Viele Menschen füttern Enten. Die meisten wissen nicht, was sie damit verursachen. - © pixabay
Viele Menschen füttern Enten. Die meisten wissen nicht, was sie damit verursachen. | © pixabay

Bielefeld/Düsseldorf Viele Menschen füttern Enten mit Brot - das tötet nicht nur die Vögel

Friderieke Schulz
21.06.2018 | Stand 21.06.2018, 09:09 Uhr

Bielefeld/ Düsseldorf. Es ist eine nicht endende Diskussion - und doch wissen nur wenige Menschen um die Gefahr für alle Lebewesen in einem See, wenn Enten mit Brot gefüttert werden. Denn nicht nur die Vögel können dadurch sterben. Es ist ein sonniger Tag im Naherholungsgebiet Obersee. Viele Menschen sind hierher gefahren, um die Sonne zu genießen. Nicht wenige von ihnen haben Brot dabei, um damit die Enten zu füttern. Davon gibt es am See eine Menge und sie alle sollen ja satt werden - oder? "Das ist der Grundgedanke vieler Menschen, die Enten füttern. Es sind aber keine Haustiere, sondern wild lebende Tiere, die auch in der Natur ihre Nahrung aufnehmen", sagt Martin Wörmann, Leiter des Umweltamtes in Bielefeld. Dass die Vögel trotzdem liebend gern Brot fressen, liegt schlichtweg an der Bequemlichkeit. Doch auch wenn das Brot den Enten zunächst gut schmeckt, können sie genau deswegen sterben. Brot sorgt für Vergiftungen Denn durch den Kot der Tiere und herabsinkendes Brot bildet sich auf dem Grund eine Nährstoffschicht aus faulendem Brot. Nicht nur am Obersee. "Der See eutrophiert", sagt Thorsten Wiegers vom Nabu NRW und erklärt, dass sich durch diese Schicht Algen bilden. Sterben sie, ziehen sie besonders viel Sauerstoff - der fehlt dann den Fischen. Sie sterben als erstes. Das Gewässer ist umgekippt. Doch die schimmelige Schicht auf dem Seegrund ist auch die Brutstätte bestimmter Bakterien. Diese werden von Vögeln wie Enten, Gänsen oder Schwänen aufgenommen und sorgen für eine Vergiftung - Botulismus ist der Fachbegriff. Zuerst ist nur die Bewegung der Vögel gelähmt, dann die Atmung und das Herz. Diese Vergiftung ist häufig der Grund für tote Vögel an Gewässern. "Gerade erst wurden verendete Vögel an der Rheinaue gefunden", sagt Wiegers und auch Wörmann weiß von toten Vögeln an den Bielefelder Stauteichen. Seepaten sorgen für Aufklärung in Bielefeld Deswegen gilt vielerorts ein Fütterungsverbot für die Vögel. "In Bielefeld ist es nicht generell verboten, sondern speziell in der Verordnung für das Naherholungsgebiet Obersee festgelegt", sagt Wörmann. Die Verordnung gilt seit einem Jahr und zeigt ebenso Wirkung, wie die Seepaten, die ehrenamtlich über die Folgen für das Gewässer aufklären und mit Besuchern des Sees in Kontakt treten. Denn für den Obersee tritt zudem noch ein anderes Phänomen zutage, das viele Seen in NRW betrifft: Er ist in seinem Mittel lediglich zwei Meter tief und erwärmt sich schnell. Allein das ist schon ein Risikofaktor für das Gewässer. "Zudem fehlt ein natürlicher Zufluss und Durchlüftung. Das kommt alles zusammen und der See kippt um", sagt Wörmann. Auch die Population an Vögeln wird immer größer. Denn das Futter zieht immer mehr von ihnen an und sorgt für eine Überpopulation. Das verschlimmert die Problematik. "Eigentlich müsste man die Population reduzieren. Aber die Bejagung oder Schlachtung kommen in der Bevölkerung nicht gut an. Deswegen müssen wir damit leben", sagt Wörmann. In Gütersloh werden sogar Pizzareste verfüttert "Auch in Gütersloh ist das unbedachte Füttern von Wasservögeln ein Dauerproblem, besonders am Stadtparkteich, wo ein großes Schild mit ausführlichen Erläuterungen darauf hinweist, warum man das nicht tun soll", sagt Sprecherin Susanne Zimmermann. Doch darüber setzen sich die meisten Menschen hinweg. "Die Kollegen erzählen von Brotresten, aber auch Pizzaresten und ähnlichen Teigwaren. Wenn jemand bei einer solchen Fütterungsaktion beobachtet wird, wird er auch angesprochen und zeigt sich normalerweise im direkten Gespräch einsichtig. Aber trotz aller Informationen auch über die Medien bleibt das ein Problem." Tote Wasservögel durch Überfütterung sind in Gütersloh nicht bekannt. Aber, so die Sprecherin, die übermäßige Fütterung führe häufig zu Leberzirrhosen, die die Tiere irgendwo qualvoll verenden lasse. "Und durch verstreute Brotreste werden natürlich nicht nur Enten, sondern auch andere 'Besucher' auf Nahrungssuche angezogen. Sprich: Wo Essensreste liegen bleiben, sind Ratten nicht weit. Auch daran sollte jeder denken, der auf diese Weise Lebensmittel entsorgt", so Zimmermann. Am Stadtparkteich sollen zusätzliche Schilfanpflanzungen gegen das Problem wirken. Denn Schilf verbessert die Wasserqualität und bietet Fischen zudem die Möglichkeit, ihren Laich abzulegen. Mit Geduld kommen die Enten auch ohne Brot Viele Städte sanktionieren die Fütterung inzwischen mit Geldstrafen. "Ich glaube aber nicht, dass das der richtige Weg ist", sagt Wiegers und rät zu eine Form der Aufklärung, auf die man auch in Bielefeld setzt. "Oft erfordert es nur mehr Geduld, dann kommen die Enten auch ohne Brot näher an den Menschen heran", sagt der Nabu-Sprecher. Hört auf, Enten und Schwäne mit eurem gammeligen Brot zu füttern. Ihr tut weder den Tieren noch der Umwelt etwas Gutes. Bitte RT, auch außerhalb Hamburgs, damit es möglichst viele sehen. Gerade Eltern mit kleinen Kindern machen oft diesen Fehler. pic.twitter.com/0j4Cs0zlne — Schattenkaempferin (@Schattenwege) 19. Juni 2018

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