"Netflix and Chill" muss nicht nur bedeuten, zusammen gemütlich Serien zu schauen. - © Unsplash CC0
"Netflix and Chill" muss nicht nur bedeuten, zusammen gemütlich Serien zu schauen. | © Unsplash CC0

„Netflix and Chill“-Dates: Wenn der Film zur Nebensache wird

Unsere Kolumnistin ist zu einem Date mit Serienmarathon eingeladen. Ihre Freundin Marie meint, das könne nur eins bedeuten. Aber ist das wirklich so?

Karoline Langenkämper

Am Wochenende saß ich ziemlich in der Patsche, denn ich war mit Lukas verabredet. Es sollte unser zweites Date werden. Und weil wir bei unserem ersten Date so viel über Serien und Filme philosophiert haben, kam es mir auch nicht seltsam vor, dass er mich zum Serienmarathon zu sich nach Hause einlud. Als ich meiner Freundin Marie freudig von meinen Plänen für das Wochenende berichtete, sagte die nur ganz abgeklärt: "Achso, ihr trefft euch zu Netflix and Chill!” „Netflix and Chill" bedeutet oft nicht das, was der Uneingeweihte denkt Für diejenigen, die mit diesem Ausspruch so gar nichts anfangen können, werde ich hier noch eine kurze Erklärung einschieben: Der Ausdruck "Netflix and Chill” hat es mittlerweile ins Urban Dictionary geschafft. Frei übersetzt meint man mit "Netflix and Chill”, dass sich zwei Personen privat treffen und die beiden dann noch privater werden - um es mal nett auszudrücken. Ob dabei, davor oder danach ein Film oder eine Serie läuft, ist fast schon nebensächlich. Ich bringe Argumente vor, weshalb Marie sich irren muss. Erstens hat Lukas mich nicht ausdrücklich zu "Netflix and Chill” eingeladen, sondern wir wollen ganz konkret "The Night Manager” mit Hugh Laurie und Tom Hiddleston schauen. Und zweitens treffen wir uns schon nachmittags - die Serie ist zwar eine Miniserie mit nur acht Folgen, aber ich will ja nicht erst mitten in der Nacht nach Hause gehen. Geht das nicht auch ohne Hintergedanken? Marie hat leider ein paar Gegenargumente parat. Natürlich würde Lukas mich nicht plump zu "Netflix and Chill” einladen, weil das ja viel zu offensichtlich wäre. Aber sich zusammen einen Film oder ähnliches anschauen zu wollen, war schon immer mit Hintergedanken verbunden. Ich solle mich nur mal an den früheren Code "Ich gehe zu XY und wir schauen eine DVD” zurückerinnern. "Mist, 1:0 für Marie”, denke ich und in mir steigen Zweifel auf. Bin ich wirklich so naiv und versagt hier meine Menschenkenntnis? Entpuppt sich Lukas als ein Herr Angelo aus der Nescafé-Werbung, der mich in seine Wohnung lockt und mir dann mit schmierigem Akzent erklärt "Isch ‘abe gar kein Netflix”? Ich spule 48 Stunden vor und kann Entwarnung geben. Es war ein wirklich toller Abend ganz ohne "Netflix and Chill”-Allüren. Irgendwie auch kein Wunder, "The Night Manager” läuft schließlich bei Amazon Prime.

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