Unsere Kolumnistin fühlt sich manchmal wie ausrangiertes Gemüse neben all ihren "perfekten" Bekannten. - © Pexels CC0
Unsere Kolumnistin fühlt sich manchmal wie ausrangiertes Gemüse neben all ihren "perfekten" Bekannten. | © Pexels CC0

Singles und Selbstzweifel: Die krumme Gurke

Wenn sich die Nicht-Single-Freunde unserer Kolumnistin über die vielen Avancen, die sie bekommen, beklagen, fühlt sie sich wie ausrangiertes Gemüse

Karoline Langenkämper

Immer wenn ich frustriert über meinen Single-Status bin, rede ich mir ein, dass Singles es ja viel besser haben. In Beziehungen lässt man sich früher oder später ja doch ein bisschen gehen - manchmal auch ein bisschen mehr. Als Single achtest du auf dich, treibst Sport und versuchst immer gut gekleidet zu sein (nun ja, zumindest in der Theorie). Sogar dem Kaffeeverkäufer schenkst du um 7 Uhr morgens ein gewinnendes Lächeln. Immerhin weiß man nie, wann das Schicksal zuschlägt. Daher sollte man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Ich versuche zumindest nach dieser Maxime zu leben und bin stolz, dass sich mein Attraktivitäts-Level demnach im oberen Bereich befinden sollte. Während alle anderen flirten, fühle ich mich wie ein Mängelexemplar Das Problem ist lediglich, dass ich an diesem Punkt meiner Überlegungen eigentlich aufhören sollte mir Gedanken zu machen. Leider klappt das meist nicht. Dann fallen mir Gespräche mit meinen Freunden und Freundinnen ein, die in Beziehungen sind und sich darüber beklagen, dass sie in letzter Zeit so viele tolle Leute kennenlernen, die sie dann auch noch anflirten. Anna hat diesen neuen Kollegen, der nur sie immer besonders breit anstrahlt. Markus hat sich neulich so toll mit der einen Kellnerin unterhalten. Und Bea kann sich vor Nachrichten über Instagram kaum retten - und das obwohl sie Fotos postet, auf denen sie mit ihrem Freund zu sehen ist. Und was ist mit mir? Ich laufe zwar rausgeputzt wie ein Pfau durch die Gegend und grinse dabei wie die Katze aus "Alice im Wunderland”, aber angeflirtet werde ich trotzdem nicht. Vielleicht steigt die Attraktivität einfach ganz automatisch, wenn man in einer Beziehung ist. Einfach nur aus dem Grund, dass andere Menschen die Gewissheit haben, dass ein anderer einen ja schon attraktiv und anziehend findet. Eine Art Gütesiegel für Menschen. Und ich fühle mich wie ein Mängelexemplar – wie dieses Gemüse, das "gerettet” werden muss, weil die Gurke nicht ganz gerade oder die Möhre mit drei Wurzeln gewachsen ist. Vielleicht schummele ich mich trotzdem in die Supermarkt-Regale und bestelle beim süßen Kaffeeverkäufer das nächste Mal einfach zwei Cappuccinos. Mal schauen, was passiert.

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