Der Schmerz um einen verlorenen Partner braucht seine Zeit, um zu vergehen. - © Unsplash CC0
Der Schmerz um einen verlorenen Partner braucht seine Zeit, um zu vergehen. | © Unsplash CC0

Verlust des Partners: Das neue Glück braucht seine Zeit

Es ist oft nicht ganz einfach ein Witwe oder einen Witwer zu daten. Auch sollte der Witwer oder die Witwe sich vor doppeltem Verlustschmerz in Acht nehmen

Karoline Langenkämper

Es gibt Momente, in denen ich mir echt auf die Zunge beißen muss, um nicht mit einem altklugen "Hab ich’s dir nicht gleich gesagt” zu antworten. In meinem letzten Gespräch mit meiner Freundin Monika fiel mir diese Zurückhaltung sehr schwer. Monika saß nämlich heulend bei mir auf dem Sofa, nachdem sie sich von ihrem sechsmonatigen Intermezzo mit Richard getrennt hatte. Dass es überhaupt ein halbes Jahr bei den beiden gehalten hat, grenzt für mich an ein Wunder.  Jeder hat ein Recht auf neues Glück... Richard ist nämlich Witwer. Ich möchte an dieser Stelle des Textes betonen, dass ich keine Vorurteile gegenüber Menschen habe, die nach einer beendeten Ehe - ob durch Tod oder Scheidung - nochmal einen Partner suchen. Jeder hat das Recht auf ein zweites, drittes oder viertes Glück. Aber bitte nur dann, wenn sie im Gegenzug dazu bereit sind, sich auf etwas völlig Neues einzulassen. Richard war es definitiv nicht.  Mir war das schon nach unserer ersten Begegnung klar, als er Monika wie selbstverständlich mit Sandra - dem Namen seiner verstorbenen Frau - anredete. Die beiden machten aus der Situation einen Scherz, doch bei mir blieb ein fahler Beigeschmack und eine böse Vorahnung zurück. Monika wollte von meinen Bedenken aber nichts hören, schließlich trug Richard sie auf Händen. In ihren Augen war er der langersehnte weiße Ritter.   ...doch dafür muss man wirklich bereit sein. Im Laufe der Zeit wurden Richard freudschen Versprecher aber nicht weniger. Immer wieder stolperte Monika über Vergleiche mit Richards verstorbener Frau. Letztendlich musste sie sich eingestehen, dass Richard mehr nach einem Ersatz für seine Sandra als tatsächlich nach ihr als Individuum gesucht hat. Sie hatte sich mehr von der Liebe erhofft, für sie genügte das einfach nicht. Und für Richard war es doppelt schmerzhaft, denn eigentlich hat er Monika sehr gemocht, er war nur noch nicht bereit, die Vergangenheit loszulassen. 

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