17. Januar 1975: Led Zeppelin im Met Center von Minneapolis in den USA. - © Neal Preston/Reel Art Press
17. Januar 1975: Led Zeppelin im Met Center von Minneapolis in den USA. | © Neal Preston/Reel Art Press

Musik Das fünfte Element von Led Zeppelin

Pünktlich zum 50. Geburtstag einer der größten Rock-Bands aller Zeiten liegt jetzt der erste und einzige offizielle Bildband der Band vor. Er zeigt zum Teil unveröffentlichte Fotos von Jimmy Page, Robert Plant, John Paul Jones und John Bonham auf und neben der Bühne, in privaten Momenten und im Tonstudio.

Es ist 1968, als ein junger Lead-Gitarrist namens Jimmy Page plötzlich ohne Band da steht. Seine Rockband "The Yardbirds", in der früher auch Eric Clapton und Jeff Beck gespielt haben, hat sich aufgelöst, nachdem die Band nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen konnte. Doch Page will nicht aufhören, er will weitermachen. "Meine Idee war es, eine Band zu gründen, und so lange zu proben, bis wir uns sicher fühlen würden, ein paar Konzerte zu geben." Er begegnet Robert Plant, der ihn wiederum mit John Bonham bekannt macht. Als dann noch John Paul Jones anruft, und fragt, ob Jimmy Page wirklich gerade dabei sei, eine Band zu gründen, und ob er noch einen Bassisten brauche, ist die Band komplett. Das und der ganze Rest ist bekannte Musik-Geschichte. Oder wie "Led Zeppelin"-Sänger Robert Plant sagt: "Wir waren Teil einer Band, die die beste Band war, in der wir je gespielt hatten, und das war's." Bringt 2.810 Gramm auf die Waage Zum 50. Geburtstag von "Led Zeppelin" sind für Fans spannende Neuauflagen von "How The West Was Won" und "The Song Remains The Same" erschienen. Erst seit Oktober erhältlich aber ist der gewaltige Bildband "Led Zeppelin by Led Zeppelin". Gewaltig ist hier wörtlich zu nehmen, denn das rund 400 Seiten starke Buch bringt immerhin 2.810 Gramm auf die Waage. Das ist also kein Werk, was man sich leichthändig zwischen Tür und Angel zu Gemüte führt. Das muss man wollen. Autor des Buches ist "Led Zeppelin". Sozusagen. Denn es waren Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones, die sich zusammengehockt und eine vielfältige Auswahl von Fotos aus der Geschichte von "Led Zeppelin" herausgesucht haben. Und das Material ist wirklich fantastisch! Es beginnt, nicht ganz chronologisch, mit zwei Briefen. Einer davon ist von dem Musikjournalisten Ralph J. Gleason an seinen Freund Ahmet Ertegun, den Gründer der Plattenfirma Atlantic Records, die "Led Zeppelin" unter Vertrag nahm. Ertegun hatte der Presse einige Fotos seiner Neuverpflichtung zukommen lassen. Gleason schrieb: "Du hast ein schönes Fotopaket verschickt. Sie sind gut gestaltet, klar gedruckt und in jeder Zeitung gut verwendbar. Abgesehen von einer Sache. KEINER DIESER IDIOTEN IST BENANNT!!!!!" Es fehlten schlichtweg die Namen. Niemand wusste, wer diese vier Männer waren. Bekannteste Fotografen der Rockgeschichte Das ist inzwischen anders. Und so bekommt man auf den folgenden Seiten einen sorgfältig organisierten Einblick in die Welt von "Led Zeppelin". Man sieht sie in scharfen und unscharfen Bildern, in Schwarzweiß und in Farbe, live auf der Bühne, im Tonstudio oder zu Hause, eingefangen von einigen der bekanntesten Fotografen der Rockgeschichte, darunter Neal Preston oder Ross Halfin. Besonders eindrücklich sind die Konzertfotos, die auch das Publikum zeigen. So etwa von ihrem Gig in Reykjavík (Island) am 22. Juni 1970. Das zweite Album war seit Monaten auf dem Markt, das dritte fast fertig. Sie waren auf dem Weg zum Erfolg. In Island aber waren die Fans solche Konzerte wie die von Led Zeppelin nicht gewöhnt. John Paul Jones: "Wir beendeten das letzte Lied, und plötzlich herrschte absolute Stille. Sie waren wie vom Schlag getroffen." Ihre Gesichter: Manche verschwitzt, andere andächtig, wieder andere erstarrt, als wäre ihnen der Leibhaftige erschienen. Dabei war ihnen nicht der Leibhaftige begegnet, sondern einfach nur das fünfte Element von "Led Zeppelin". Jimmy Page: "Wir wussten, wie gut wir waren. Die Alchemie untereinander und die Art, wie wir auftraten, zeigte uns als ernsthafte Musiker. Zweifellos schuf die Live-Situation noch ein weiteres Element. Ein fünftes Element." Der wahre Schatz ist der Anhang Den wahren Schatz dieses Bildbands aber hebt man erst auf den letzten rund 20 Seiten. Man hat den Epilog hinter sich gebracht und glaubt, nun kommt nur noch allgemeines Blabla, ein kurzer Abriss der Geschichte in Textform vielleicht. Stattdessen aber erzählen Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones von ihren Erinnerungen zu den Fotos. Man blättert vor und zurück, liest ihre Bemerkungen, schaut sich die Fotos an, liest die nächste Erinnerung, und blättert wieder. Es ist eine Freude! Fans, die allerdings auf eine richtige Autobiographie der Band gehofft haben, etwas Allumfassendes, könnten enttäuscht sein. "Led Zeppelin by Led Zeppelin" kann diese Wünsche nicht erfüllen. Das ist aber kein Grund, den Wert zu schmälern. "Led Zeppelin by Led Zeppelin" ist ein wahres Prachtstück. Und es zeigt die Geschichte einer Band, die beispiellos ist. Oder wie der verstorbene Schlagzeuger John Bonham 1971 in einem Interview sagte: "Man spürte, dass wir eine gute Band sein würden. Ich will hier nicht prahlen... naja, eigentlich doch." Schöner hätte man es nicht sagen können, denn "Led Zeppelin by Led Zeppelin" ist auch das: eine zutiefst würdige Prahlerei im Großformat. Led Zeppelin by Led Zeppelin, Reel Art Press, deutsche Ausgabe, gebunden, 400 Seiten, 59,95 Euro, ISBN 978-3981889031

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