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Vielen Nutzern des Tarifs "Freenet Funk" ist der Spaß am Surfen vergangen. Der Mobilfunkanbieter hat ihnen den Vertrag gekündigt. - © Pixabay
Vielen Nutzern des Tarifs "Freenet Funk" ist der Spaß am Surfen vergangen. Der Mobilfunkanbieter hat ihnen den Vertrag gekündigt. | © Pixabay

Unbegrenztes Datenvolumen? Mobilfunkanbieter kündigt Nutzern, weil sie zu viel surfen

Das Unternehmen Freenet bietet einen neuen Tarif mit unbegrenztem Datenvolumen an - und das zum Schnapper-Preis. Mehrere Nutzer erhielten jedoch jetzt die Kündigung. Der Grund: Sie hatten zu viele Daten übertragen.

Matthias Schwarzer
06.08.2019 | Stand 08.08.2019, 17:27 Uhr

Büdelsdorf. Das Angebot klingt fast schon revolutionär: Ein Smartphone-Tarif mit unbegrenztem Datenvolumen für nur 30 Euro im Monat - und sogar täglich kündbar. Der Mobilfunkanbieter "Freenet" hat genau das im Mai vorgestellt und in der Tech-Welt für Begeisterung gesorgt.

Mit dem neuen Tarif "Freenet Funk" sollen Nutzer frei von Volumenbegrenzungen surfen können. Dabei zahlen sie täglich 99 Cent über Paypal - und können auch täglich kündigen. Vergleichbare Tarife kosten mindestens 60 Euro im Monat (O2) und sogar 80 Euro bei der Telekom. Außerdem sind Nutzer hier an eine lange Vertragslaufzeiten von mindestens zwei Jahren gebunden - ganz anders bei "Freenet Funk".

Inzwischen stellt sich bei Nutzern des Tarifs jedoch Ernüchterung ein - denn die Sache hat einen Haken: Im Juli hat das Unternehmen diversen Nutzern von heute auf morgen die Mobilfunkverträge gekündigt. Der Grund: Sie surfen zu viel.

500 GB im Monat sind zu viel

Das Portal Teletarif hatte im Juli zuerst über den Fall berichtet. Inzwischen sammeln sich auf der Facebook-Seite des Unternehmens zahlreiche negative Kommentare und Bewertungen. "Mir wurde auch kommentarlos gekündigt", schreibt beispielsweise ein Nutzer. "Dabei habe ich die Simkarte nur in meinem Handy benutzt und habe nicht mal die AGBs verletzt. Seitens Support kam keine Antwort bis jetzt. Das Verhalten finde ich unverschämt. Kündigung ohne die AGBs verletzt zu haben. Was ist das nur für eine Firma?"

Laut dem Portal handelt es sich bei den betroffenen Kunden wohl ausschließlich um Nutzer, die den Begriff "Flat­rate" wört­lich genommen und beson­ders große Daten­mengen über­tragen haben. In Foren­posts berichten sie von 500 GB bis zum Teil mehr als 1 TB pro Monat.

Freenet soll derweil auch eine Passage in seinen AGB geändert haben - und zwar, ohne die Nutzer darüber zu informieren. In dem neuen Passus wird es Nutzern untersagt, die Simkarte in Geräten zu nutzen, die einen "perma­nenten kabel­gebun­denen Strom­anschluss" erfor­dern. Gemeint sind damit offenbar WLAN-Router.

Freenet spricht von "missbräuchlicher Nutzung"

Die Pressestelle des Unternehmens äußert sich wie folgt zum Fall: "Um den gewohnt hohen Service und die Leis­tungen des Produktes lang­fristig zu gewähr­leisten, hat sich Freenet Funk nach der Start­phase auffäl­liges Nutzer­verhalten ange­sehen und daraufhin einigen wenigen Kunden eine ordent­liche Kündi­gung ausge­spro­chen, die ihren Mobil­funk­vertrag augen­schein­lich vorsätz­lich miss­bräuch­lich verwendet haben."

Völlig unklar ist allerdings, was diese "missbräuchliche Nutzung" eigentlich sein soll. Denn "viel surfen" bei einem Tarif mit unbegrenztem Datenvolumen ist erst mal keine ganz abwegige Idee.

Auf seiner Facebook-Seite schreibt das Unternehmen: "Wir haben uns absichtlich gegen eine Datenobergrenze entschieden. Unlimited soll auch weiterhin unlimited bedeuten, aber für eine mobile Nutzung. Freenet Funk ist nicht als DSL-Ersatz gedacht und soll auch nicht als solcher genutzt werden."

Ein Nutzer kommentiert: "Auch bei mobiler Nutzung sind ja, z.b. Netflix am Tablet, hohe Datenmengen möglich. Wenn man als Kunde keine Richtlinie hat als Orientierung, finde ich die Angst gekündigt zu werden schon ein unschönes Gefühl."

Ein anderer fragt: "Sind 305 Gigabyte im Monat viel?". Freenet antwortet: "Wenn man davon ausgeht, dass der Großteil der Nutzer in Deutschland so 2-5 GB verbrauchen, dann ja" - und erntet gleich den nächsten Shitstorm.

Die Idee ist eigentlich gut

Übersichtlich und komfortabel: Die Benutzeroberfläche der "Freenet Funk"-App.  - © Screenshot - NW
Übersichtlich und komfortabel: Die Benutzeroberfläche der "Freenet Funk"-App.  | © Screenshot - NW

Auch nw.de hat den Tarif von Freenet Funk getestet. Allein das Serienschauen bei Netflix verschlang an zwei Wochenenden mehrere Gigabyte Daten - blieb aber bislang ohne Folgen. Wer jedoch täglich Video-Streamingdienste nutzt, dürfte im Monat mindestens 300 Gigabyte Daten verbrauchen, wenn nicht mehr.

Die Benutzung des Dienstes ist grundsätzlich nutzerfreundlich und komfortabel: Jeden Tag aufs Neue kann sich der Nutzer zwischen zwei Tarifen entscheiden: Entweder 1GB täglich für 69 Cent oder eben unbegrenzte Daten für 99 Cent. Wer möchte, kann den Dienst sogar zwei Wochen pausieren - oder per App gänzlich kündigen.

Reisende sollten Freenet Funk jedoch nicht nutzen, da das Datenroaming selbst im EU-Ausland deaktiviert ist. Zudem funkt Freenet Funk ausschließlich über das Netz von O2 - das schwächste Netz der drei deutschen Mobilfunkanbieter.

Doch was nützt all der Komfort, wenn man als Nutzer täglich mit einer Kündigung rechnen muss? Auch auf der Facebook-Seite des Unternehmens scheinen die Nerven inzwischen blank zu liegen - und Nutzerbeschwerden werden immer unfreundlicher abgebügelt. "Ihr seid permanent am meckern", schreibt das Unternehmen beispielsweise als Antwort auf einen Nutzer. 99 Prozent aller anderen "FUNKies" seien mit dem Tarif schließlich vollkommen zufrieden.

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