Bundesgesundheitsminister Spahn bedauert eine "missverständliche" Aussage zur Krebsprävention. - © picture alliance/dpa
Bundesgesundheitsminister Spahn bedauert eine "missverständliche" Aussage zur Krebsprävention. | © picture alliance/dpa

Netzwelt Gesundheitsminister Spahn entschuldigt sich für Tweet am Weltkrebstag

Berlin. Bundesgesundheitsminister Spahn hat zum einen durch seine Prognose, wann die Krankheit Krebs überwunden werden kann, für eine Kontroverse gesorgt. Am Weltkrebstag stieß einer seiner Tweets zur Frage, wie jeder Mensch sich vor der Krankheit schützen kann, nicht minder auf Unverständnis und offene Kritik. Spahn hatte vergangene Woche prognostiziert, dass Krebs in zehn bis 20 Jahren besiegt werden kann. Im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung  verteidigte er seine Aussagen und zog Parallelen zum Kampf gegen Aids. „Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass die Lebenserwartung mit einer gut behandelten HIV-Infektion so hoch sein kann wie ohne Infektion?" Dank erfolgreicher Präventionsarbeit gehört Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten weltweit. „Das gibt doch Zuversicht, dass wir einen Unterschied machen können." Experten äußerten erhebliche Zweifel und warnten davor, falsche Hoffnungen zu wecken. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bezeichnete die Aussagen des Ministers als "unverantwortlich". Das Vertrauen der Patienten werde verspielt. Fälle von Krebs verringern Im Bayerischen Rundfunk betonte Spahn, er wolle „überhaupt keine Illusionen wecken". Er finde aber, man sollte sich ambitionierte Ziele stecken. „Es geht nicht darum, dass überhaupt kein Krebs mehr entsteht. Aber es geht darum, dem Krebs so weit es geht den Schrecken zu nehmen, weil es eben bessere Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, bessere Früherkennung und Prävention gibt." In verschiedenen Statements am Weltkrebstag wies er auf die aus seiner Sicht notwendigen Entwicklungen im Bereich  Krebsforschung, -therapie und Prävention hin. Wie kann jeder der Krankheit vorbeugen? "Nicht (mehr) rauchen, sich mehr bewegen, gesund ernähren und die Haut vor UV-Strahlung schützen (Sonnencreme)", lautete seine Antwort auf dem Kurnachrichtendienst. Jeder kann seinen persönlichen Kampf gegen Krebs heute beginnen. Wie? So: Nicht (mehr) rauchen, sich mehr bewegen, gesund ernähren und die Haut vor UV-Strahlung schützen (Sonnencreme)!#Weltkrebstag#Prävention — Jens Spahn (@jensspahn) 4. Februar 2019 Aus Sicht vieler Leser war dies eine viel zu simple Antwort, sie verweisen darauf, dass eine Vielzahl weiterer Faktoren eine Krebserkrankung bedingen können. - hab noch nie geraucht - laufe jeden Tag mind. eine Stunde - ernähre mich ausgewogen und trotzdem hab ich Leukämie. Irgendwas mach ich wohl falsch. 🤔#Weltkrebstag — Bootz the Insane (@Bootz1337) 4. Februar 2019 Zudem hat Spahn einigen Kommentatoren zufolge die Gefühle von Betroffenen und ihren Angehörigen verletzt. mehrere Tote im Freundeskreis beweisen: Krebs kann einem immer passieren. Anders als dumme Tweets. Dagegen kann man sich schützen. — Micky Beisenherz (@MickyBeisenherz) 4. Februar 2019 Zufällige Mutationen, Risikofaktoren, Vererbung Einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums zufolge gehen bei 440.000 Neuerkrankungen in der Altersgruppe 35 bis 84 Jahren in Deutschland rund 165.000 auf Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht, mangelnde Ernährung, ungesunde Ernährung, potenziell vermeidbare Infektionen sowie Umweltfaktoren zurück. Laut einer Studie amerikanischer Wissenschaftler passieren 66 Prozent der genetischen Mutationen, die im Laufe eines Lebens zu einer Krebserkrankung führen, zufällig während der Zellteilung. 29 Prozent werden durch Umweltfaktoren ausgelöst. In fünf Prozent der Fälle spielt Vererbung eine Rolle. Jens Spahn hat sich inzwischen aufgrund der massiven Kritik entschuldigt. Er habe keineswegs Erkrankten eine Mitschuld geben oder Krebs verharmlosen wollen. Es tut mir leid, wenn mein Tweet missverständlich war. Nichts liegt mir ferner als den Erkrankten eine Mitschuld zu geben oder Krebs zu verharmlosen. Im Gegenteil: Wir sollten durch mehr Prävention, frühere Früherkennung, bessere Therapien schweres Leid zu vermindern versuchen. — Jens Spahn (@jensspahn) 5. Februar 2019 Mit Material der dpa

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