Großes Team: Das Gameslab stößt bei Studenten aus allen Fachrichtungen auf Begeisterung. - © Gameslab
Großes Team: Das Gameslab stößt bei Studenten aus allen Fachrichtungen auf Begeisterung. | © Gameslab

Paderborn Im Gameslab werden Paderborner Studenten zu Spiele-Entwicklern

Das Uni-Projekt hat seit der Gründung vor zehn Jahren ein Eigenleben entwickelt

Paderborn. Musik- und Kunststudenten, die Hand in Hand mit Physikern und Informatikern an einem Projekt arbeiten? Im Gameslab an der Universität Paderborn funktioniert das bereits seit 2009 sehr gut. Egal ob mit großen Projekten wie dem Strategiespiel "Shah Mat" und dem Browserspiel "Urban Life 2060" oder kleineren Aktionen wie den regelmäßigen Gamejams: seit zehn Jahren wird in der Gameschmiede an der Uni Technik mit Kreativität verbunden - mit Erfolg. Die Studenten waren schon bei der allerersten Gamescom in Köln 2009 mit dabei. Dass die Spiele-Branche weltweit auf der Überholspur fährt, ist längst bekannt. 2017 betrug der Umsatz der Industrie in Deutschland 3,3 Milliarden Euro. Damit hat Deutschland den größten Gaming-Markt in ganz Europa. Im Gameslab haben Studenten die Chance, die Vielfältigkeit und das Potenzial der Gaming-Szene selbst zu entdecken. Enormes Eigenleben entwickelt 2011 wurden die Räumlichkeiten des Gameslabs offiziell eingeweiht. "Es gibt kaum Projekte an der Uni, die so ein Eigenleben entwickeln", sagt Jörg Müller-Lietzkow, Gründer des Spielelabors. Die Grundidee habe darin bestanden, einen "besonderen Ort außerhalb der klassischen Uni Struktur" zu schaffen. Die Eigenverantwortung der Studenten sollte gefördert werden. "In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr aus der Organisation zurückgezogen und die Studenten machen lassen. Inzwischen ist ein ganz eigenes Netzwerk entstanden." Die Organisation der Game-Projekte geht weit über normale Studienarbeiten hinaus. Studenten lernen neben der Entwicklung von Spielen vor allem auch Kommunikation und Projektmanagement. "Die Uni wirkt oft gefangen in ihren historischen Seminar- und Vorlesungs-Modellen", sagt Müller-Lietzkow. "Das Gameslab beweist durch die Kombination aus Bildung und Lebenspraxis, dass es auch anders geht." Offensichtlich kommt das gut an: oft sitzen abends noch viele Leute zusammen in der Schmiede und einige Studenten feierten sogar Silvester im Gameslab. Viele Studenten landen tatsächlich in der Gaming-Branche Christian Ritter, wissenschaftlicher Mitarbeiter und ehemaliger Student der Uni Paderborn, ist schon bei den ersten Projekten dabei gewesen. "Man hat ein Gefühl dafür vermittelt bekommen, wie es ist in großen Teams zu arbeiten. In einer Gruppe waren teilweise bis zu 80 Leute, das zu koordinieren ist eine echte Herausforderung", sagt Ritter. "Viele sind nach dem Studium tatsächlich in der Gaming-Branche gelandet. Das zeigt wie viel Einfluss das Gameslab auf die Studenten und ihre berufliche Laufbahn haben kann." Auch in Zukunft bleibt es im Gameslab spannend. Ein Antrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für ein neues Projekt wurde bereits gestellt. "Es geht um die Entwicklung einer Simulation, mit der medizinisches Personal geschult werden könnte. Falls der Antrag beim BMBF durch kommt, dann wird das etwas wirklich Großes", sagt Müller-Lietzkow dazu.

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