Eine ZDF-Journalistin erlebt nach einem Tweet einen Shitstorm von rechts. Jetzt erlebt sie eine Welle der Solidarität. - © picture alliance/Andreas Arnold/dpa
Eine ZDF-Journalistin erlebt nach einem Tweet einen Shitstorm von rechts. Jetzt erlebt sie eine Welle der Solidarität. | © picture alliance/Andreas Arnold/dpa

Netzwelt Nach Nazi-Shitstorm: ZDF-Journalistin erlebt Welle der Solidarität

Wegen eines Tweets gegen Nazis wird Nicole Diekmann tagelang beleidigt und bedroht. Politiker, Journalisten, ja sogar ganze Fernsehsender solidarisieren sich nun mit der ZDF-Journalistin.

Mainz. Ein einfacher Tweet mit dem Inhalt "Nazis raus" hat für die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann heftige Auswirkungen: Tausendfach wird ihr Post kommentiert und zitiert - dann macht er die Runde in rechten Netzwerken. Die Folge: Tagelange Beleidigungen, Morddrohungen, Vergewaltigungswünsche. Nazis raus. — Nicole Diekmann (@nicolediekmann) 1. Januar 2019 Aus dem einfachen Statement entwickelt sich zudem eine Grundsatzdebatte auf Twitter: Wie politisch dürfen oder sollten sich Journalisten im Netz äußern? Auch außerhalb von rechten Kreisen steht die Korrespondentin des ZDF-Hauptstadtstudios plötzlich in der Kritik. Worum geht's? Den Post "Nazis raus" twittert Diekmann am 1. Januar. Auf Kritik kontert sie mit Ironie. Auf die Frage "Wer ist denn für Sie ein Nazi?", antwortet sie beispielsweise: "Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt." Doch der Satz wird absichtlich missverstanden. Eine Welle des Hasses bricht über Diekmann herein. Die Journalistin dokumentiert die Beleidigungen auf Twitter: "Dreieckig". Wenn einen sogar die Tastatur im Stich lässt. Mhm. pic.twitter.com/DGxMMV8PkV — Nicole Diekmann (@nicolediekmann) 4. Januar 2019 Doch der Shitstorm von rechts ebbt nicht ab. Am Sonntag äußert sich die Journalistin erneut: "Nochmal: Ich halte natürlich NICHT alle diejenigen, die nicht Grüne wählen, für Nazis. Mein Tweet war die Reaktion auf eine Fangfrage. Dass meine Ironie nicht kenntlich war – mein Fehler. Dass er ausgeschlachtet wird – fies. Dass sich Menschen diffamiert fühlen: Entschuldigung!" Welle der Solidarität Seit Montag nimmt der Fall jedoch eine neue Wendung an. Twitter-Nutzer, Journalisten, Politiker, sogar ganze Fernsehsender bekunden unter dem Hashtag #nazisraus ihre Solidarität mit der Journalistin. Der Generalsekretär der FDP in NRW Johannes Vogel schreibt beispielsweise. "Nazis raus. Online wie offline". Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckhardt twittert: "Das, was Nicole Diekmann gerade erlebt, als Frau, als Journalistin, als Demokratin, betrifft uns alle. Deswegen großen Respekt für die Haltung sowieso, aber auch für das Standhalten #Nazisraus". Weitere Reaktionen: Ich frage mich immer wieder, wer an einer Aussage wie „Nazis raus" etwas auszusetzen haben kann? Eigentlich doch ausschließlich Nazis. https://t.co/0SXmSHrf6G — Ralph Ruthe (@ralphruthe) 7. Januar 2019 Nazis raus. — VOX (@VOXde) 7. Januar 2019 Nazis raus. #nazisrauspic.twitter.com/9sRdYpBJ1x — extra3 (@extra3) 7. Januar 2019 Nazis raus. — Jan Böhmermann 🤨🇪🇺 (@janboehm) 7. Januar 2019 Ein Tweet für alle Trolle und Rechten. #NazisRauspic.twitter.com/piulDroRUk — Deutschlandfunk Kultur (@dlfkultur) 7. Januar 2019 Diekmann selbst meldete sich am Montagabend mit einer letzten Botschaft zum Fall - und kündigte eine Twitter-Pause an. "Leute, das ist ja WAHNSINN! Ich bin unheimlich gerührt und freue mich total. So vielen Dank für soviel Solidarität. Überwältigend! Ich verabschiede mich für ein paar Tage. Es war doch etwas unruhig." Leute, das ist ja WAHNSINN! Ich bin unheimlich gerührt und freue mich total. So vielen Dank für soviel Solidarität. Überwältigend! Ich verabschiede mich für ein paar Tage. Es war doch etwas unruhig. (Mit sehr warmem Herzen ab.) — Nicole Diekmann (@nicolediekmann) 7. Januar 2019

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