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E-Sport bedeutet mehr als nur Sport auf der Konsole zu spielen. - © picture alliance / augenklick/firo Sportphoto
E-Sport bedeutet mehr als nur Sport auf der Konsole zu spielen. | © picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Games/Politik Hessens Innenminister will Begriff E-Sport "ausradieren"

Björn Vahle
28.11.2018 | Stand 28.11.2018, 17:32 Uhr

Darmstadt. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat sich beim hessischen Turn- und Sportkongress überraschend und deutlich gegen E-Sports ausgesprochen. Obwohl das Thema laut Darmstädter Echo "in keinem Titel der mehr als 300 Workshops" vorkam, sagte Beuth: "E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren." Beuth, der als Innenminister auch für das Ressort Sport zuständig ist, denkt dabei vor allem an den Aspekt mangelnder Bewegung: "Mir ist noch nicht klar, wie Bewegen aus Daumen und Zeigefinger Sport sein soll, auch wenn sich auf Bildschirm was bewegt. Wenn uns die Frage der Bewegung beschäftigt, dann passt das nicht." Er wolle die Kinder in die Turnhalle und auf den Sportplatz bringen. Gaming habe seinen Wert, gehöre aber nicht in eine Sportorganisation hinein. Widerspruch gab es ausgerechnet vom Vizepräsidenten des hessischen Sportbundes, Ralf-Rainer Klatt. Man müsse E-Sport "als Teil des Digitalisierungsprozesses unserer Gesellschaft betrachten, der eben auch im Sport angekommen ist". Kritisch äußerte sich auch der eSport-Bund Deutschland: Hessens Innenminister @peterbeuth möchte den Begriff eSport „ausradieren". In Hessen sitzen eSport-Organisationen wie @skyliners1999 und @TGS_1891. 2016 fand die ESL One in Frankfurt vor 22.500 Besuchern und 7,3 Mio Zuschauern in der Live-Übertragung statt. https://t.co/5bYHaLCXE3 — ESBD - eSport-Bund Deutschland (@ESBD_Verband) 27. November 2018 In der Sache ist die Kritik nicht neu. Vorgebracht hat sie auch schon DFB-Boss Reinhard Grindel, E-Sport sei schlicht kein Sport, sagte er dem Weser-Kurier. Beim DFB benutzt man außerdem in Abgrenzung zu "Killerspielen", mit denen man nichts zu tun haben will, den Begriff "E-Soccer". Mit Killerspielen sind offenbar weltweit erfolgreiche E-Sport-Spiele wie "League of Legends" und "Counter Strike: Global Offensive" gemeint. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht das ähnlich. Fußballspiele wie Fifa 19 oder PES 19 hätten das Potenzial, Vereine und Verbände zu stärken, andere Titel aber seien mit dem eigenen Wertekanon nicht vereinbar. Ungeachtet davon verfolgt die Große Koalition aktuell Pläne, dem E-Sport langfristig das Vereins- und Verbandsrecht zu gewähren. Dann könnten sich E-Sportler in eingetragenen Vereinen organisieren, bisher geht das nicht. In Osnabrück wird außerdem an der "e-Sport Factory" gebaut, die 2019 eröffnet und das deutschlandweit größte Zentrum für E-Sport werden soll - mit integriertem Fitness-Studio. Das ganze soll ein Schritt in Richtung Vereinsleben sein. Auch dazu hat Beuth eine Meinung: "Diese Gemeinschaft im E-Sport ist ja nicht das, was Millionen von Kinder machen." Die säßen ja allein vor der Konsole. Und: "Ich möchte meinem Sohn nicht erlauben, dass er zu mir sagen kann: 'Ich betreibe Sport' wenn er vor der Fifa 19 sitzt und gerade Barcelona gegen Madrid spielt."

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