Björn Höcke (vorne, r), Uwe Junge (vorne, l), Fraktionsvorsitzender AfD Rheinland-Pfalz,Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag und Andreas Kalbitz (l), Mitglied des Bundesvorstandes der AfD. An der Spitze des "Trauerzuges" am Samstag in Chemnitz. - © picture alliance/dpa
Björn Höcke (vorne, r), Uwe Junge (vorne, l), Fraktionsvorsitzender AfD Rheinland-Pfalz,Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag und Andreas Kalbitz (l), Mitglied des Bundesvorstandes der AfD. An der Spitze des "Trauerzuges" am Samstag in Chemnitz. | © picture alliance/dpa

Bielefeld Die AfD und die Nazis: Das sagen unsere Leser zum Vorfall in Chemnitz

Die AfD hat in Chemnitz zusammen mit Rechtextremen demonstriert. Nicht nur unser Redakteur, auch unsere Leser haben eine Meinung zum Fall. Eine Auswahl der Stimmen.

Marc Schröder

Bielefeld. Tagelang ist Chemnitz im Ausnahmezustand. Demonstrationen in der sächsischen Großstadt werden von Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und rechten Parolen überschattet. Auslöser ist der Tod von Daniel H. nach einer Messerstecherei. Die mutmaßlichen Täter stammen aus dem Irak und Syrien. Am Samstag gehen verschiedene rechte Gruppen erneut auf die Straße. Dabei schließen sich AfD, die fremdenfeindliche Pegida und die rechte Bewegung "Pro Chemnitz" zu einem selbsternannten "Trauermarsch" zusammen. "Diese Vorgänge hat unser Redakteur Matthias Schwarzer unter dem Titel "AfD marschiert mit Nazis: Wer jetzt noch wegschaut, macht sich mitschuldig" kommentiert. Im Mittelpunkt des Meinungsbeitrags steht der offensichtliche Schulterschluss von AfD-Politikern mit rechtsextremen Bewegungen. Angesprochen werden auch die Tendenzen der AfD zur Relativierung der rechten Ausschreitungen und Übergriffe sowie provokative Drohungen von Parteiseite gegenüber Journalisten. Auf den Meinungsbeitrag hat die NW Leserzuschriften per E-Mail, soziale Netzwerke und über die Kommentarfunktion des Artikels erhalten. Hier einige Standpunkte unserer Leser: NW.de-Nutzer Zorro65: "Was ist an Chemnitz überraschend? Nichts! Zumindest nicht für alle, die denken können. Aber da das gar nicht so viele sind, sollte man sehr vorsichtig sein. Der Zulauf für die AFD ist jetzt schon bedenklich groß und kann durchaus noch größer werden. Es ist erschreckend, wie vielen Menschen ich tagtäglich begegne, die ausländerfeindliche Gedanken äußern. Von denen wählen sehr viele die CDU, weil sie ja nach eigener Aussage nicht rechts sind und die AFD nie wählen würden. Noch!" Zustimmung steht gegen Relativierer NW.de-Nutzer Malocher: "Wer mit Nazis marschiert, mag vielleicht keiner sein, ist aber so dämlich, sich von ihnen instrumentalisieren zu lassen. Somit sind es Mitläufer, die es gut heißen, dass der Hitlergruß gezeigt wird und Menschenjagden veranstaltet werden. Und niemand, wirklich niemand von denen kann behaupten, sie hätten es nicht gewusst." NW.de-Nutzer MartiinDSC: "Ich mag die Kommentare von Herrn Schwarzer eigentlich nicht, aber diesmal hat er nicht ganz unrecht. Wenn man sieht, wie Nazis und Hooligans in erster Reihe marschieren, und "Wir sind das Volk" skandieren, kann einem nur schlecht werden! Nein, diese Leute sind zum Glück nicht das Volk! Wenn das so wäre, dann gute Nacht Deutschland! Wo waren deren Proteste, als an die Öffentlichkeit kam, dass der NSU 9 unschuldige Menschen eiskalt getötet hat? Niemand von denen ging auf die Straße, kein Beileid oder Trauerbekundungen!" NW.de-Nutzer John.Wayne:  "Zitat : "Wer jetzt noch AFD wählt macht sich mitschuldig." Wie lächerlich! Ich würde eher sagen, dass diejenigen sich mitschuldig machen, die blind dem Realitätsfremden "Wir schaffen das" der Altparteien Folgen. Dem Problem der größtenteils illegalen und mit gefälschten Papieren nach Deutschland eingereisten jungen Männer wird nur herzhaft angegangen. Achja: Stichwort Dublin-Abkommen. Tägliche Berichte über Messerstechereien und Vergewaltigungen. Dunkelziffer ist bestimmt auch sehr hoch. Weil nicht jede Frau eine Anzeige erstattet. Das ist das eigentliche Problem in Deutschland. Gäbe es diese Massiven Missstände nicht, hätte die AfD auch niemals 15% und mehr in den Umfragen." Der Kommentar von Nutzer John.Wayne und weitere, die in eine ähnliche Richtung abzielten, erhielten in der moderierten NW-Kommentarfunktion sachliche Gegenrede von anderen Nutzern. Lesern fehlen Antworten auf komplexe Fragen Per E-Mail haben sich Leser auch direkt an die Redaktion gewandt. So schreibt Norbert Peters, er habe mit der AfD und rechten Gruppierungen nichts am Hut. Er könne "in einigen Punkten Ihres Kommentars daher durchaus zustimmen. Aber in einigen auch nicht. So versuchen Sie z.B. den Eindruck zu erwecken, als hätte Frau Merkel mit der Flüchtlings- und Migrantenwelle, die unser Land überrollte (ich formuliere dies einmal bewusst so "politisch unkorrekt") eigentlich nichts zu tun." Dazu führt er aus, wie sich die Wahrnehmung der Situation um die AfD in seinem Familien- und Freundeskreis entwickelt hat, manche "wollen das nächste Mal AfD wählen (trotz Chemnitz) !!! Für die anderen war 'Wen kann man denn noch wählen" die Frage des Tages.'" Als Problematisch betrachtet Peters eine "Alternativlosigkeit" in der derzeitigen politischen Landschaft des Landes, insbesondere für jene, die sich kritisch mit dem Zuzug von Migranten auseinandersetzen würden. Gert Grottensiek verweist in einer E-Mail auf eine differenziertere Darstellung, wie sie etwa ausländische Medien wie die Neue Züricher Zeitung betrieben werde. Von daher sei er "sehr amüsiert über Ihre rigide Meinung, die ich so natürlich mit Ihnen gar nicht teilen kann. Ein anspruchsvoller Weg wäre auch für Sie, sich dahingegen zu vergewissern, dass eine Meinungspluralität zur Stabilität unseres Gemeinwesens beiträgt, d. h. nicht alles, was von Ihrem Standort rechts ist, ist noch lange nicht stringend rechts. Dazwischen liegt noch die Mitte. Appropos: Stellen Sie sich doch einmal die Frage, w a r u m die etablierten (Alt)-Parteien in der BR Deutschland seit Jahrzehnten massiv an Stimmen-Einfluß verlieren??" In Stichworten wirft Grottensiek dann einige Themen in den Raum, die ihn zum Schluss kommen lassen: "Die etablierten (Alt)-Parteien haben den Kontakt zur "Zivilbevölkerung" abgebrochen, da politische Eigen(Macht)-Interessen Vorrang genießen." Hans-Martin Sorge stimmt unserem Kommentator grundsätzlich zu, stellt sich jedoch grundsätzlich die Frage: "Warum sind diese Bürger zur AfD abgewandert?" Für Sorge liegen die Ursachen vor allem in der Flüchtlingssituation von vor drei Jahren. "Wer 2015/16 seine Befürchtungen artikuliert hat, mit dem nicht kontrollierten Zustrom kommen auch Islamisten und hunderttausende junge Männer haben nun einmal Bedürfnisse, wurde in die rechte Ecke gestellt. Und jene, die gewarnt haben, wurden bestätigt. Breitscheid, Wiesbaden und Chemnitz, um nur einige Beispiele zu nennen, erzeugten folgerichtig eine Unsicherheit..."

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