Sprachnachrichten sind die Pest - WhatsApp-Gruppen aber auch. Unser Autor ist vom Smartphone-Messenger genervt.  - © picture alliance / dpa Themendienst
Sprachnachrichten sind die Pest - WhatsApp-Gruppen aber auch. Unser Autor ist vom Smartphone-Messenger genervt.  | © picture alliance / dpa Themendienst

Meinung 6 Gründe, warum WhatsApp eine Erfindung aus der Hölle ist

Nach ein paar Jahren Abstinenz hat sich unser Autor wieder bei WhatsApp angemeldet - und bereut es zutiefst. Der Datenschutz hat sich zwar verbessert, die WhatsApp-Nutzer sind aber immer noch dieselben.

Ich könnte jetzt behaupten, mich und WhatsApp verbinde eine Hassliebe. Stimmt aber nicht. Es ist einfach nur Hass. Abgrundtiefer Hass. Würde es keine Waffen, Atomkraftwerke und den Fiat Multipla geben, dann wäre WhatsApp sicherlich die schlimmste Erfindung aller Zeiten. Ich möchte einfach nichts damit zu tun haben - und trotzdem komme ich nicht davon los. Der Hass auf den grünen, nervigen Messengerdienst begann schon früh. 2011 tauchte WhatsApp zum ersten Mal auf den Smartphones meiner Freunde auf. Ein Chat-Dienst, der ziemlich genauso funktionierte wie die SMS - allerdings komplett kostenlos ist. Tolle Idee. Neu war sie aber nicht. ICQ ("Ah-Oh") hat schon zehn Jahre zuvor genau dasselbe gemacht. Mit einem Unterschied: ICQ hat sich nicht mit dem Telefon-Adressbuch synchronisiert und wollte auch sonst nichts von dir wissen. Und: Bei ICQ wusste man wenigstens, dass hinter dem Messenger ein russisches Softwareunternehmen steckt, das all deine Nachrichten lesen könnte. Bei WhatsApp war das Unternehmen jahrelang schlichtweg eine Briefkastenfirma. Kein Witz: Die offizielle Adresse des Unternehmens führte seinerzeit zu einem Sushi-Laden in Santa Clara. Niemand wusste genau, wer hinter WhatsApp steckt. Noch weniger wusste man über die Verschlüsselung der Daten Bescheid. Für viele meiner Freunde schien es dennoch eine super Idee zu sein, einfach mal das komplette Smartphone-Adressbuch (also auch meine Nummer - danke) mit einem völlig unbekannten Softwareentwickler zu teilen. Warum auch nicht - war ja kostenlos. Seit WhatsApp zu Facebook gehört (der Messengerdienst wurde 2014 aufgekauft), weiß man zumindest ungefähr, was mit seinen Daten passiert. Nichts Gutes, aber man weiß es immerhin. Auch die Verschlüsselung der Nachrichten hat sich seither enorm verbessert. Und da nw.de noch dazu einen hervorragenden WhatsApp-Newsletter anbietet, meldete ich mich nach einigen Jahren Boykott wieder bei WhatsApp an. Und natürlich bereue ich es. Denn obwohl die technischen Rahmenbedingungen heute deutlich besser sind als vor einigen Jahren, so sind die Nutzer von WhatsApp leider immer noch die gleichen. WhatsApp ist und bleibt eine Erfindung aus der Hölle. Und das sind die Gründe. 1. Leute, die Sprachnachrichten senden. Kurz und knapp: Hört auf damit! Ich nutze Messenger, weil ich keine Lust habe, zu reden. Und was macht WhatsApp? Es baut eine Funktion ein, mit der man reden kann. Es muss doch wirklich möglich sein, kurze Sätze ins Handy zu tippen! Wenn nicht, gibt es dafür bestimmt einen VHS-Kurs oder so etwas. Tu mir und anderen bitte den Gefallen, und verschwende unsere Zeit nicht mit Sprachnachrichten. Sprachnachrichten töten! 2. Leute, die einfach nur "hi" schreiben. Klingel mal an einer Haustür, sag "hi" und warte auf die Reaktion. Das Ergebnis ist vorhersehbar: Der Hausbesitzer wird dich vermutlich für einen Vollidioten halten. Bei WhatsApp ist diese Praktik aber nahezu an der Tagesordnung. Es gibt tatsächlich Leute, die einfach nur "hi" schreiben und dann auf eine Antwort warten - um dann irgendeine nervige Frage zu stellen. Wenn man nicht reagiert, schreiben sie noch mal "hi". Wenn man nicht reagiert, schreiben sie noch mal "hi". Wenn man nicht reagiert, schreiben sie noch mal "hi". Wenn man nicht reagiert, schreiben sie "Da?". Ich prognostiziere: An Nutzern wie diesen wird WhatsApp eines Tages zu Grunde gehen. 3. Leute, die für jedes Wort eine neue Nachricht schicken. Hi! Bist du da? Ich muss dich mal was fragen. Also Folgendes Kennst du einen guten Tierarzt? 😱 Nein, kenne ich leider nicht. Aber ich weiß, wie man die Return-Taste richtig benutzt. Schreib mir bitte nie wieder. 4. Leute, die WhatsApp-Gruppen benutzen. Schon beim Wort "WhatsApp-Gruppe" wird mir ganz anders. WhatsApp-Gruppen sind wirklich die widerlichste Form, Geburtstage, Partys, Treffen, Einkäufe oder was auch immer zu organisieren. Es gäbe ungefähr 100 Möglichkeiten, einfacher und zielführender, Dinge zu besprechen. Und trotzdem wird man immer wieder in irgendwelche Deppen-Gruppen eingeladen. Das Problem: Alle reden durcheinander. Alle schreiben viel zu viel. Alle schreiben viel zu viel belangloses Zeug. Nach 2 Minuten ist schon Off-Topic. Es schreiben Leute, die nicht richtig schreiben können. Es schreiben Leute, die richtig schreiben können und die Leute, die nicht richtig schreiben können, auf die fehlende Interpunktion hinweisen. Es wird angemerkt, dass das Thema Interpunktion doch jetzt wohl egal ist. Es wird angemerkt, dass die Interpunktion sehr wichtig ist, weil man das alles hier sonst gar nicht lesen kann. Es wird eine halbe Stunde darüber diskutiert, dass das Thema Interpunktion jetzt wirklich nicht zum Thema gehört. Irgendjemand schreibt, dass das geplante Geschenk viel zu teuer ist. Ein anderer stimmt dem zu. Irgendjemand fragt: "Ja, toll habt ihr einen besseren Vorschlag?". Irgendjemand schreibt: "Darum ging es ja jetzt nicht, war ja auch keine Kritik." Irgendeiner kritisiert, dass er das Geschenk wirklich jedes Jahr besorgt und jetzt definitiv mal jemand anderes dran ist. Irgendeiner postet ein lustiges Foto, was überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat. 12 Leute schreiben dazwischen, dass sie "an dem WE" sowieso nicht können. Am Ende einigt sich die Gruppe auf einen Gutschein. Zwei Stunden später schreibt einer: "Sorry, ich habe es jetzt gerade erst gelesen. Ich hätte folgende Idee ..." 5. Leute, die WhatsApp nur draußen nutzen. WhatsApp hat ein Problem: Es ist nur auf einem Gerät, nur mit einer Handynummer nutzbar. Man kann es zwar über Umwege auf dem iPad verwenden, aber einen wirklich komfortablen Weg für die Nutzung am Computer gibt es nicht (nur einen unkomfortablen). Bei allen anderen Messengern auf dieser Welt ist das hingegen problemlos möglich. Die logische Konsequenz wäre, WhatsApp vollständig zu boykottieren. Bei meinen Kontakten macht sich stattdessen ein anderes kurioses Phänomen bemerkbar: Sie wechseln wie die Irren zwischen verschiedenen Messengern hin und her. Beispielsweise nutzen sie im Büro oder Zuhause am PC den Facebook-Messenger - und sobald sie das Haus verlassen, switchen sie ohne Vorankündigung auf den WhatsApp-Messenger. Als wäre Facebook draußen nicht mehr benutzbar. Die Folge: Völlig wirre Chatverläufe, in denen man garantiert nie wieder etwas Wichtiges findet. Ist aber vielleicht auch besser so. 6. Leute, die wegen der Lesebestätigung völlig durchdrehen. Bei WhatsApp gibt es diese blauen Haken im Chatverlauf, die als Lesebestätigung dienen. Vorausgesetzt, man hat die Funktion nicht deaktiviert. Diese Lesebestätigung scheint einige Nutzer völlig aus dem Leben zu werfen. Vor allem dann, wenn jemand eine Nachricht (laut WhatsApp-Haken) zwar gelesen hat - aber nicht darauf antwortet. Und so kommt es schnell zu Situationen wie folgender: "Komisch. Er hat meine Nachricht gelesen, aber seit 2 Stunden nicht geantwortet. Ist er vielleicht sauer? Soll ich noch mal schreiben? Vielleicht muss er arbeiten. Vielleicht geht er fremd? Vielleicht liebt er mich nicht mehr? Er ist in letzter Zeit sowieso komisch drauf. Okay, ich werde mich von ihm trennen." Wohl aus demselben Grund sorgt der "blaue Haken" sofort für panische Reaktionen bei Freunden, die im Café/im Restaurant/auf Partys/am Strand "nur mal kurz eine Nachricht lesen wollen" - und dann eine halbe Stunde unbedingt sofort die entsprechende Antwort tippen müssen. Leg dein Handy weg, verdammt - es nervt! Und mach mal 'ne WhatsApp-Pause. Es ist besser für dich - und für uns alle.

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