Kommt "Breitbart" nach Deutschland? Zumindest vorerst wurden die Pläne verschoben. - © Schwarzer
Kommt "Breitbart" nach Deutschland? Zumindest vorerst wurden die Pläne verschoben. | © Schwarzer

Netzwelt Alternative Fakten: Kommt "Breitbart" nach Deutschland?

Das rechte News-Portal "Breitbart" liebäugelt mit der Expansion nach Deutschland. Schwierig gestaltet sich offenbar die Suche nach einem Chefredakteur.

Matthias Schwarzer

New York. Kommt es oder kommt es nicht? Schon seit Monaten liebäugelt das ultrarechte Nachrichtenportal "Breitbart" mit der Expansion nach Deutschland. Nun ist klar: Zumindest vor der Bundestagswahl wird es mit dem Start wohl nichts mehr. Wegen Komplikationen seien die Pläne bis auf weiteres verschoben, heißt es laut einem Medienbericht. Ganz auf Eis gelegt ist der Deutschland-Start aber wohl nicht. "Breitbart" war vor allem durch den US-Wahlkampf als Unterstützermedium von Donald Trump bekannt geworden. Dort hetzte das Online-Medium gegen Feministinnen, angeblich kriminelle Einwanderer, Muslime, vermeintlich lügende Medien und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. "Breitbart" sieht sich selbst als das Sprachrohr der "Alt-Right"-Bewegung - ein loser Zusammenschluss von Populisten, Rechtsextremisten und Rechtsradikalen in den USA. Doch auch Deutschland tauchte immer wieder in der Berichterstattung auf. Anfang Januar beispielsweise berichtete das Medium von einem "Mob" zur Silvesternacht in Dortmund. Etwa "1.000 Männer", so "Breitbart", hätten am Silvesterabend unter "Allahu Akbar"-Rufen die älteste Kirche Deutschlands in Brand gesetzt. Das Problem: Der Vorfall hat so nie stattgefunden. Und die älteste Kirche Deutschlands steht auch nicht in Dortmund. Breitbart Deutschland sucht noch den richtigen Chef Die Falschmeldung aber gibt einen Vorgeschmack auf das, was möglicherweise auf Deutschland zukommt: "Alternative Fakten", noch und nöcher. Die ersten Ankündigungen, Breitbart wolle nach Deutschland expandieren, wurden prompt von der AfD bejubelt. Im Februar wurden die Pläne konkreter: In den nächsten sechs bis acht Monaten wolle "Breitbart" Büros in Deutschland und Frankreich eröffnen, sagte der Rom-Korrespondent von "Breitbart", Thomas Williams, der Zeit. In London, Rom und Jerusalem ist das Portal bereits seit ein paar Monaten mit eigenen Niederlassungen vertreten. Jetzt die Rolle rückwärts: In naher Zukunft werde es wohl kein "Breitbart" in Deutschland geben. Komplikationen seien der Grund, so Williams gegenüber der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit. Details nennt er nicht. Probleme hatte es aber wohl vor allem bei der Suche nach einem geeigneten Deutschland-Chef gegeben. Das Satire-Magazin "Titanic" hatte sich jüngst einen Scherz erlaubt, und als vermeintlicher Headhunter bei einigen bekannten deutschen Medienmachern angerufen. Der ehemalige "Spiegel"- und "Welt"-Autor Matthias Matussek fiel dabei gleich zweimal auf das Satiremagazin herein und bekundete sein Interesse. "Schmalbart": Gegeninitiativen wollen über Breitbart aufklären Falls Breitbart doch noch mit einer deutschen Ausgabe erscheint, ist die Initiative "Schmalbart" bereits vorbereitet. Das Netzwerk hatte sich im Dezember als Reaktion auf die Breitbart-Ankündigungen gegründet. Die Gruppe will, so heißt es auf der Website, Medienangebote kritisch begleiten und über Unwahrheiten, Verdrehungen und Fälschungen aufklären. Dabei soll jedoch nicht nur das eigene Blog bespielt werden: Das Netzwerk will sich vielmehr in Diskussionen direkt einklinken - zum Beispiel auf Facebook. Nach einem Aufruf des Publizisten Christoph Kappes hatten knapp 200 Personen ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bekundet. Die "Initiative gegen Rechts-Schreibung" will einen möglichen "Breitbart"-Start mit ganz anderen Mitteln erschweren: Die Blogger sicherten sich die Internetadresse breitbartnews.de. Wer sie im Browser eingibt, landet auf der satirischen Seite der Initiative, die Hass-Kommentare im Netz aufs Korn nimmt. Die Aktivisten hatten sich zudem auf Facebook als offizielle deutsche "Breitbart"-Seite ausgegeben und deren Anhänger reingelegt - eine Lektion in Sachen Fake-News. In den USA war der Erfolg von "Breitbart" zuletzt nicht zu stoppen: Laut der Analysefirma Alexa gehört die Seite zu den weltweit 250 meistbesuchten Websites. In den USA liegt die Seite auf Platz 35 – noch vor der Washington Post. Die Anzahl seiner Mitarbeiter hatte das Portal nach der Präsidentschaftswahl von 40 auf knapp 100 aufgestockt.

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