Die Dürre macht nicht nur der Landschaft zu schaffen. Auch immer mehr Hausbrunnen vertrocknen. - © picture alliance / dpa Themendienst
Die Dürre macht nicht nur der Landschaft zu schaffen. Auch immer mehr Hausbrunnen vertrocknen. | © picture alliance / dpa Themendienst

Bielefeld 33 Grad und kein Tropfen Wasser in der Leitung: Eine Betroffene berichtet

Friderieke Schulz

Bielefeld. Die ländliche Lage, in der ich wohne, hatte bis zur vergangenen Woche nur Vorteile für mich. Viel Natur, kaum Nachbarn, herrliche Stille. Seitdem hat sie für mich auch Nachteile: Die Abhängigkeit von einem Hausbrunnen. Denn aus dem kann seit vier Tagen kein Tropfen Wasser mehr gefördert werden. Egal wo ich den Hahn aufdrehte, kein einziger Tropfen Wasser. Und plötzlich fühlte ich mich, als würde ich im Mittelalter leben. Einen Anschluss zum städtischen Wasser gibt es an dem Haus bislang nicht.  Da fällt einem erst mal ein, wofür man alles Wasser braucht und vor allem wie viel. Toilettenspülung, Geschirrspüler, Waschmaschine, Blumen, Zähne putzen, Duschen, und so weiter. Zugegeben: Ich bin im ersten Moment komplett durchgedreht. Suche nach Wasserreserven Nachdem ich tief durchgeatmet hatte, suchte ich die wenigen Flaschen Wasser zusammen, die ich im Haus hatte. Leider waren alle davon mit reichlich Kohlensäure versetzt. Das war beim waschen des Gesichts noch recht erfrischend, aber beim Zähneputzen war es ehrlich gesagt eher unangenehm. Dank des Flusses hinter unserem Haus mangelte es weder an Wasser für Hund und Katze, noch an einem gefüllten Eimer, der die Toilettenspülung ersetze. Weder damit, noch mit dem wenigen Sprudelwasser wollte ich allerdings mein Geschirr, meine Wäsche, mich selbst waschen. Für eine kurze Abkühlung und als Badespaß ist der Fluss toll, keine Frage. Aber, das schwor ich mir nach Tag eins mit ausschließlichem Kontakt meiner Haut mit dem Flusswasser und ohne Seife, so kann es nicht bleiben. Duschen bei der Schwiegermutter Doch eine zeitnahe Lösung des Problems war nicht in Sicht und so beantragte ich "Dusch-Asyl" bei meiner Schwiegermutter und begann zu recherchieren. Die meisten Menschen in NRW, die noch einen Hausbrunnen haben, haben tatsächlich neben diesem auch einen Anschluss ans städtische Wasser. Damit schützen sie sich vor dem Austrocknen des Brunnens oder der Belastung des Wassers mit Chemikalien. Ersteres ist keine Seltenheit bei Temperaturen wie diesen. "Wir sprechen im Moment wirklich von Dürre. In der Natur kann man die Auswirkungen deutlich sehen. Das bedeutet, dass der Grundwasserstand sinkt, sofern es nicht regnet", sagt Bernd Schulz von der Wasserkooperation Höxter. Flache Brunnen trocknen schnell aus Flache Brunnen trocknen dann recht schnell aus. Das trifft derzeit auf Brunnen von einer Tiefe von etwa viereinhalb Metern zu. "Aber Brunnen zur Wassergewinnung, wie es sie etwa bei Wasserwerken gibt, liegen deutlich tiefer", erklärt der Experte. Hausbrunnen haben eine Tiefe von 10 bis zu 100 Metern. Zudem sind sie häufig an Sammelbehälter gekoppelt. Doch auch der steigende Verbrauch bei der Hitze spielt eine Rolle. Bei einer Stadt im Kreis Höxter liegt der durchschnittliche Tagesverbrauch bei normalem Wetter bei etwa 1.800 Kubikmetern, während der derzeitigen Dürre bei 2.500. Eine Steigerung des Wasserverbrauches bestätigen auch die Stadtwerke in Ostwestfalen. Bielefeld verzeichnete den höchsten Wasserabgabewert seit sieben Jahren, in Löhne stieg er von 4.600 Kubikmetern auf 6.245.  Damit sind in Löhne, Bad Oeynhausen, Hille und Hüllhorst die Wasservorräte bereits ausgeschöpft. Ohne Hilfe aus dem wasserreichen Herford wäre es dort auch in den städtischen Leitungen trocken geworden. In Teilen vom Löhne kam es sogar dazu - Grund war aber ein Wasserrohrbruch. Auch Paderborn musste Büren und Bad Wünnenberg bereits mitversorgen. Das Wasser wird also zumindest stellenweise knapp in OWL. Kein Wasser hat auch etwas Positives Am dritten Tag hatte ich mich inzwischen erstaunlich gut mit der Situation arrangiert. Dank eines reich gefüllten Kleiderschrankes hatte ich kaum Not mit der Wäsche. Falls doch, stand mir die Maschine meiner Freundin zur Verfügung. Mein Geschirr räumte ich nicht in die Maschine, sondern in eine Wanne und schleppte sie ebenfalls zu meiner Schwiegermutter. Im Baumarkt hatte ich bereits an Tag eins große Kanister erworben, die ich bei Freunden und der Familie befüllen konnte. An Tag vier ohne Wasser ist zumindest eine Zwischenlösung gefunden worden. Bis zum Ende der Dürre wird die Pumpe tiefer gesetzt. Und auch ein Stadtwasseranschluss ist im Gespräch. Doch vor allem hat mich die Misere eines gelehrt: Ich weiß nun, wie viel Wasser ich zum Waschen meiner Hände brauche, mit wie wenig sich Nudeln kochen lassen. Ich weiß wie unersetzlich Wasser nicht nur zum Trinken ist und dass es auch in Deutschland nicht selbstverständlich ist, es fließend aus dem Wasserhahn zu bekommen.

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