Die Einwohner in Amsterdam haben keine Lust mehr auf lustige Sauf-Touristen in Kostümen. - © picture alliance / ANP
Die Einwohner in Amsterdam haben keine Lust mehr auf lustige Sauf-Touristen in Kostümen. | © picture alliance / ANP

Reisen Schluss mit lustig: Amsterdam will Touristen-Horden aus der Stadt vergraulen

Schon seit dem Herbst sind keine "Bier-Bikes" mehr erlaubt. Jetzt spüren auch private Airbnb-Vermieter die Konsequenzen.

Amsterdam. Keine neuen Touri-Geschäfte, keine Buchungen mehr über Airbnb: Das Stadtparlament der holländischen Metropole Amsterdam macht ernst - und will Touristen aus der Stadt vertreiben. Der Grund: Unter dem Touri-Ansturm leidet die Lebensqualität der Einheimischen massiv, so die Politiker. Erste Maßnahmen gegen Touristen hatten sich bereits im Oktober angekündigt. Da beschloss die Stadtverwaltung, keine neuen Geschäfte mehr zu genehmigen, die sich ausschließlich an Touristen richten. Die Situation im Zentrum mache diese "harten Maßnahmen nötig", sagte seinerzeit die amtierende Bürgermeisterin Kajsa Ollongren. Wenn es nur noch Geschäfte mit einseitigem Angebot für Touristen gebe, verarme die Innenstadt. Nun plant das Stadtparlament ein weitaus umfassendes Maßnahmenpaket, um Besucher aus der Innenstadt fernzuhalten:  Private Buchungen über das Portal Airbnb sollen verboten werden - neue Hotels soll es nicht mehr geben. Schon seit Oktober ist jede Vermietung an Touristen meldepflichtig – bei Strafen bis zu 20.500 Euro. Amsterdam hat nach London und Paris die meisten Airbnb-Betten Europas, und die höchsten Preise. Das Ende der Bier-Bikes Reisebusse dürfen künftig nicht mehr in der Innenstadt halten, Kreuzfahrtschiffe werden nicht mehr im Hafen anlegen - und selbst der Auto- und Fahrradverleih für Touristen soll beschränkt werden. Der Verkauf von "Bier-Bikes" für Sauftouren ist bereits seit November vergangenen Jahres verboten. Die "Insassen" der selbstfahrenden Theken waren immer wieder wegen Lärmbelästigung, öffentlicher Trunkenheit und durch wildes Urinieren aufgefallen. Zudem störten sie massiv den Straßenverkehr. Auch die Fluggesellschaft KLM will den Touristen-Boom stoppen und Gäste aus den Hot-Spots der City weglocken. Am Flughafen Amsterdam-Shiphol sollen intelligente Gepäcksticker mit GPS an die Fluggäste verteilt werden. Diese schlagen immer dann aus, wenn sie sich dem überfüllten Zentrum nähert. "Dies ist die touristischste Straße, die es gibt. Wir empfehlen Ihnen, woanders hin zu gehen und das echte Amsterdam zu entdecken", warnt der Sticker. Klagen gegen die Stadtverwaltung Auch bereits bestehende Touristengeschäfte müssen offenbar um ihre Existenz bangen. Sogar ein Fischladen, der seit 35 Jahren existiert, bekam Post von der Stadt, heißt es in einem Bericht der WAZ. Der Betreiber solle sein Geschäft schließen, da es sich ausschließlich an Touristen richte. Ob die Maßnahmen tatsächlich alle so eintreten, ist noch ungewiss - schließlich herrscht auch in den Niederlanden Gewerbefreiheit. Erste Gerichtsurteile gibt es aber bereits: Im Dezember war der Unternehmer Quirijn Kolff gegen die Stadt vor Gericht gezogen, weil diese ihm die neue Filiale seiner "Cheese Factory" dichtmachen wollte. Er verlor. Der Laden richte sich mit seinem einseitigen Angebot, der Werbung und Englisch als Geschäftssprache ganz offensichtlich nur an Touristen, hieß es als Begründung. Absurde Mietpreise Amsterdam ächzt bereits seit Jahren unter der Touristen-Flut. Von elf Millionen Besuchern 2005 stieg die Zahl bis 2016 auf 18 Millionen, die Zahl der Hotelzimmer um 60 Prozent auf 30.000. Das spült zwar ordentlich Kohle in die Kassen - die Einwohner jedoch klagen über die Besucherhorden, die sich täglich durch die schönen Gassen quetschen. Umfragen belegten, dass in der Stadt wegen der Touri-Horden große Unzufriedenheit herrscht. Die Politik sorgt sich um den sozialen Zusammenhalt in der Metropole. Das neue Konzept, das unter Kritikern auch als "einzigartige Touristen-Vergraulaktion" bezeichnet wird, schließt übrigens auch Pläne zum Wohnraum mit ein. Mietpreise waren zuletzt in völlig utopische Höhen geschossen. Um dem entgegenzuwirken, sollen nun jährlich 7.500 Wohnungen gebaut werden.

realisiert durch evolver group