Bei Troisdorf wachsen Melonen am Rande des Rheins. - © picture alliance/dpa
Bei Troisdorf wachsen Melonen am Rande des Rheins. | © picture alliance/dpa

Köln/Bonn Kurioser Fund: Wieso wachsen Wassermelonen am Ufer des Rheins?

Eigentlich wachsen Melonen in subtropischen Gebieten. Jetzt gedeihen die exotischen Pflanzen auch am Flussufer

Lena Henning

Köln/Bonn. Erstaunlich, was dieser außergewöhnlich warme Sommer so alles möglich macht: Am Ufer von Rhein und Sieg wachsen derzeit Wassermelonen. Rund 20 Exemplare sollen es sein. Wie die Samen dahin gekommen sind, dazu gibt es verschiedene Theorien. Grundsätzlich sind Melonen anspruchsvoll, was den Standort betrifft. Sie brauchen viel Wärme und Licht. Deswegen kommen die Exemplare, die es bei uns im Supermarkt zu kaufen gibt, meistens aus Italien, Spanien oder der Türkei. In unseren Breitengraden wachsen sie oft im Gewächshaus. Nun aber auch am Rheinufer. "Das ist der besonderen Situation in diesem Sommer geschuldet", erklärt Christoph Schwarz, Umweltdezernent beim Rhein-Sieg-Kreis, auf Anfrage von nw.de. Eine Kombination aus zwei Bedingungen habe das Wachstum ermöglicht: Der niedrige Wasserstand des Rheins und die warmen Temperaturen. Der Schlick ist besonders nährstoffreich Wegen der Trockenheit der vergangenen Monate haben sich am Ufer von Rhein und Sieg große Sand- und Kiesbänke aufgetan. Der Schlick zwischen den Steinen ist besonders nährstoffreich und bietet gute Wachstumsbedingungen für viele Pflanzen. Zum anderen sei es den Sommer über konstant warm gewesen. "Das waren quasi Temperaturen wie im Gewächshaus", sagt Markus Radscheit, Technischer Leiter der Botanischen Gärten der Universität Bonn. Seine Theorie, wie die Melonensamen ins Flussbett gelangt sind: Anfang des Jahres hatte der Rhein Hochwasser. "Da stand das Wasser auch in den Vorgärten", sagt Radscheit. Als der Wasserstand zurück ging, habe der Fluss alles mögliche mit zurück geschwemmt – vermutlich auch die Melonensamen. Die könnten sich dann im Sediment des Flussbettes niedergelassen haben. Als das Wasser im Laufe des Frühjahrs und Sommers immer weiter zurück ging, fingen sie an zu keimen und zu wachsen. "Bei dem Wetter wundert mich das gar nicht" So sei das auch regelmäßig bei den Tomaten, die rund um Bonn im Rheinbett prächtig gedeihen würden. Wassermelonen habe Radscheit in den vorherigen Jahren zwar noch nicht wachsen sehen. "Das ist neu und ulkig – aber bei dem Wetter wundert mich das gar nicht", so der Experte. Schwarz hat noch eine weitere Theorie, wie die Melonensamen ans Flussufer gelangt sein könnten: "Es könnten Menschen gewesen sein, die am Rhein gepicknickt und die Melonenkerne ins Wasser gespuckt haben." Als das Wasser zurück ging, fingen sie an zu keimen. Auch wenn sich der Ursprung der Melonen wohl nicht eindeutig klären lässt – kurios ist ihr Anblick allemal. Ob die Früchte noch geerntet werden könnten, ist allerdings ungewiss. Reif sollen sie noch nicht sein und der Rheinpegel könnte in den nächsten Tagen wieder steigen.

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