Bielefeld Auch für den Wein wird die Hitze Folgen haben

Die Weinlese beginnt so früh wie selten zuvor. Trauben wachsen schneller und haben einen höheren Zuckergehalt. Bei anhaltender Dürre können jedoch Probleme entstehen

Fabian Herbst

Bielefeld. Die aktuelle Hitzeperiode mit Temperaturen über 30 Grad macht vielen Bauern zu schaffen und beeinträchtigt die Ernten. Jedoch nicht den Weinanbau. Seit einigen Tagen wird bereits Federweißer gelesen. „Zwei bis drei Wochen früher als sonst", sagt Michael Rindermann, Inhaber des Corveyer Weinhaus in Höxter. „Die Hitze begünstigt das Weinwachstum", sagt Rindermann. Auch die Weinqualität steigt. Durch die Trockenheit nehme der Zuckergehalt in den Trauben zu. „Je höher der Zuckergehalt, desto höher der Alkoholgehalt des Weins", erklärt Rindermann. Gut für Roten, schlecht für Weißen Sprich: Je höher der Zuckergehalt, desto höher auch die Qualität des Weines. Laut Klaus Anton, Inhaber der Weinhandlung Anton in Bielefeld, sei das Wetter für kräftige Rotweine besonders gut geeignet. „Rotweintrauben werden erst später gelesen. Deren Weine haben generell einen höheren Alkoholgehalt zwischen 13 und 14 Prozent", sagt Anton. Für Weißweine sei das zum Nachteil. „Weißweine sollen leicht und spritzig sein", erklärt der Weinexperte. Der Alkoholgehalt liege zwischen elf und zwölf Prozent. Durch das heiße Wetter müssten Winzer in diesem Jahr mit einem Alkoholgehalt bei Weißweinen ebenfalls zwischen 13 und 14 Prozent rechnen. Experten sind skeptisch „Das Besondere an diesem Jahrgang wird sein, dass er einen hohen Alkoholgehalt haben wird", sagt Thorsten Reim, Mitarbeiter bei der Weinhandlung Hess in Bielefeld. Das widerspreche allerdings dem Trend der Weintrinker. „Weinliebhaber bevorzugen momentan lieber leichtere, fruchtigere und alkoholarmere Weine", sagt Rindermann. Der heiße Sommer sorgt bei den Weinhändlern auf jeden Fall für großen Andrang. „Wir haben bislang die doppelte Menge an Sommerweinen verkauft wie 2017", erklärt der Hobbywinzer, der selbst Rot- und Weißwein in Höxter anbaut. Die Weinlese profitiert demnach von der Hitze – noch. Denn für Anton haben die heißen Temperaturen nicht nur Vorteile. „Für die Qualität ist die Hitze gut, aber die Menge wird weniger", sagt Anton. Junge Reben, deren Wurzeln noch nicht tief ins Erdreich reichen und an das Grundwasser stoßen, trocknen mit der Zeit aus. Bei weiter anhaltender Dürre könne das zum Problem werden. In diesen Fällen helfe nur eine künstliche Bewässerung. „Viele Winzer können sich das aber nicht leisten", sagt Rindermann. „Bei Winzern ohne künstliche Bewässerung könnte das einen Ernteverlust von bis zu 20 Prozent verursachen", betont Anton. Sollte es in den kommenden Tagen oder Wochen zu heftige Niederschläge geben, könnte das ebenfalls Einfluss auf die Weinernte haben. „Schädlinge und Schimmel können die Reben befallen", sagt Anton. Die erhöhte Luftfeuchtigkeit erhöhe die Gefahr, dass sich Pilze an den Reben festsetzen und die Trauben verderben können. Den Jahrgang 2018 sollten Weintrinker vorsichtig genießen, empfehlen die Experten. Das gilt zumindest für die Weißweine. Laut Reim wird die Qualität gut sein. „Nur geschmacklich wird es eben etwas anders sein, als gewohnt". Leichtere, spritzige Weißweine werden eventuell fehlen, so Reim. Dafür werde es alkoholhaltigere Weine geben. Etwas skeptischer ist Anton: „Von Riesling und Silvaner sollte man Abstand halten".

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