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„Unsere Händler jetzt nicht vergessen“

Obwohl die meisten Läden geschlossen sind, können Kunden weiter im heimischen Handel einkaufen. Thomas Kunz vom Handelsverband OWL erklärt, wie das geht und warum Loyalität sich auch für Kunden lohnt.

Monika Dütmeyer
26.03.2020 | Stand 25.03.2020, 19:50 Uhr
Engagiert für die heimischen Händler: Thomas Kunz vom Handelsverband OWL. :  - © Julia Fahl
Engagiert für die heimischen Händler: Thomas Kunz vom Handelsverband OWL. :  | © Julia Fahl

Die Stimmung ist schon beinahe gespenstisch, wenn man in diesen Tagen durch die Innenstädte läuft. Bis auf wenige Geschäfte – wie denen des Lebensmittelhandels – sind die Läden geschlossen und werden es aufgrund der Corona-Krise auch bis auf Weiteres bleiben. „Die Händler haben Verständnis für die Schließungen", sagt Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL. Doch für viele Kaufleute gehen die Schließungen mit existenzbedrohenden wirtschaftlichen Herausforderungen einher – und viele Kunden vermissen ihre gewohnten Händler mit dem bewährten Service, denen sie oftmals schon viele Jahre die Treue halten.

Händler sind in sozialen Netzwerken und im Internet vertreten

Hilfe und Unterstützung von Seiten der Politik ist das eine, worauf die betroffenen Händler und der Verband hoffen, doch auch die Verbraucher können einen Beitrag dazu leisten, „ihre" regionalen Kaufleute in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.

„Trotz der Schließungen sind viele Händler für ihre Kunden da. In den Sozialen Medien oder auf den Internetseiten finden Kunden Informationen darüber, wie sie in diesen Tagen erreichbar sind, welche Zahlungsmöglichkeiten es gibt und wie die Waren ausgeliefert werden." Beratungen seien oftmals auch per Telefon oder Internet möglich und viele Händler lieferten die bestellten Waren selbst aus. Kunz’ Appell: „Es geht darum, Solidarität zu zeigen und die heimischen Händler zu unterstützen, bevor man einfach irgendwo auf der Welt etwas im Internet bestellt."

Wer die Kaufleute jetzt nicht vergesse, profitiere auch von der erhalten bleibenden Einzelhandelsvielfalt nach der Corona-Krise. Der Verband arbeitet deshalb gemeinsam mit der NW an der Plattform #owlhaeltzusammen, auf der Händler aus der Region mit ihren Angeboten zu finden sind. Eine Hilfe für Kaufleute und eine Orientierung für Kunden in Zeiten, in denen wirtschaftliche Unterstützung von politischer Seite zwar in Aussicht gestellt, aber noch nicht bei den Betroffenen angekommen ist. „Das muss schnell und unbürokratisch erfolgen", fordert Kunz. Während Kosten für Miete, Gehälter und Waren weiter anfallen, fehle auf der anderen Seite ein Großteil der Geschäftseinnahmen. „Niemand weiß, wann wieder Einnahmen zu erwarten sind, und ob man etwaige Kredite dann überhaupt zurückzahlen könnte."

Die Situation bei Saisonwaren wie Frühjahrsmode ist besonders schwierig

Besonders litten Kaufleute unter der Situation, die Saisonware wie Frühjahrsmode anbieten, und kaum eine Chance hätten, die bestellte Ware zurückzugeben und ihre erwarteten Umsätze zu erreichen. Wann im Handel wieder Normalität einkehrt, ist derzeit nicht absehbar. „Deshalb hoffen wir auf das Verständnis der Kunden und appellieren an ihre Loyalität", sagt Kunz. Neben den Textilhändlern seien auch Fahrradhändler „ganz arg" betroffen. „Da ist jetzt im Frühjahr die Hauptsaison, und die kann nicht einfach nachgeholt werden."

Auch der Service wird in diesen Zeiten von den Händlern weitergeführt

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL betont, dass neben dem Verkauf von Waren auch die Serviceangebote der Händler weiter verfügbar seien. Sichergestellt sei auch der Nachschub im Lebensmittelhandel. Viele Menschen dürften das erste Mal in ihrem Leben vor leeren Regalen gestanden haben, in denen Mehl, Nudeln oder Toilettenpapier restlos ausverkauft waren, und mancher Einkaufszettel unverrichteter Dinge wieder mit nach Hause genommen werden musste.

„Die Hamsterkäufe sind so unnötig wie nur was. Es gilt, bedarfsgerecht einzukaufen", sagt Kunz. Und mit einem Herz für die heimischen Kaufleute. „Wir dürfen unsere Händler jetzt nicht vergessen", fasst er zusammen.

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