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NW Baby April 2015

4 NW Baby INTERVIEW: Rettungsassistentin Angelique Schlabeck spricht über Erste-Hilfe-Partys bei jungen Eltern zu Hause ¥ Was tun, wenn das Kind vom Wickeltisch stürzt, Spielzeug verschluckt oder plötzlich die Atmung aussetzt? Mit der Rettungsassistentin Angelique Schlabeck aus Kirchlengern im Kreis Herford sprach Christina Nahrwold. Angelique Schlabeck veranstaltet sogenannte Erste Hilfe-Partys, bei denen Eltern und Familienangehörige lernen, wie sie auch im Notfall einen kühlen Kopf bewahren, um das Kind bestmöglich zu versorgen. Im Interview spricht sie über ihr junges Konzept, sekundenschnelle Entscheidungen und Aha-Erlebnisse. Wie gut sind Eltern im Notfall durch ihre Intuition beraten? ANGELIQUE SCHLABECK: Ich glaube, dass vieles intuitiv funktioniert. In solchen Momenten überlegt man nicht zuerst, was man gelernt hat. Erst übernehmen die Instinkte. Das kann man sich gut am Beispiel des Verschluckens klar machen, wo es um Tausendstel von Sekunden geht. Wenn man ein Kind vor sich hat, das keine Luft mehr bekommt, dann dreht man es auf den Kopf und klopft auf den Rücken. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Erste-Hilfe-Partys zu organisieren? SCHLABECK: Das Angebot ist in der Krabbelgruppe meines Sohnes entstanden. Einige Eltern hatten gehört, dass ich Rettungsassistentin bin und so kamen sie immer wieder mit Fragen zu mir. Manche hatten auch vorgeschlagen, dass wir uns abends treffen und ich erzähle. Wenn ein Kind Spülmittel getrunken hat, sollte es auf gar keinen Fall Wasser zur Verdünnung trinken. Das lernen Eltern bei Erste-Hilfe-Partys. FOTO: DPA Irgendwann kam mir der Gedanke: ’Erste Hilfe bei Eltern zu Hause gibt es noch nicht.’ Ich habe dann mit vielen Müttern und Vätern und auch Kinderärzten gesprochen und überlegt, wie man das Angebot inhaltlich aufbauen kann. Das war im Sommer 2013. Nach wenigen Monaten ging es rasant bergauf und ich habe eine Mitarbeiterin eingestellt. Was erwartet Eltern, Tanten oder Großväter bei einer Erste-Hilfe- Party? SCHLABECK: Ich zeige Gefahren auf, die man erkennen sollte. Gleichzeitig versuche ich, Ängste zu nehmen. Das ist ein recht schmaler Grad. Ich macheEltern klar, dass es sich lohnt, in sich reinzuhören und nicht die Angst gewinnen zu lassen. Mankann lernen, sein Kind und die jeweilige Situation zu beurteilen. Manche Mütter und Väter sind schon bei einem einfachen Fieber verängstigt. Denen erkläre ich, dass Fieber an sich etwas Gutes ist. Bei einem Sturz vom Wickeltisch hingegen rate ich, im Zweifel lieber das Krankenhaus aufzusuchen. Gibt es regelrechte Aha-Erlebnisse, wenn Sie über Erste Hilfe sprechen? SCHLABECK: Ja, regelmäßig. Bei Verbrennungen etwa steckt immer noch in den Köpfen, dass man sofort kühlen sollte. Das ist aber nicht mehr aktuell. Man weiß nämlich, dass Unterkühlen mehr Schäden anrichten kann, als dass es hilft. Das wissen die meisten Eltern nicht.Nur bei kleinen verbrühten Hautflächen macht Kühlen überhaupt Sinn. Großflächige Verbrühung sollten immer im Krankenhaus abgeklärt werden, denn schon zehn Prozent verbrannte Körperoberfläche können lebensbedrohlich sein. Wann ist eine falsche Reaktion besonders tragisch? SCHLABECK: Definitiv bei einer Verbrühung, auch bei Vergiftungen. Wenn Kinder Spülmittel getrunken haben, denken manche Eltern im Sinne von „Gift verdünnen“ und lassen ihr Kind viel trinken. In diesem Fall wäre das aber tragisch, denn so schäumt das Mittel im Bauch auf. Der aufsteigende Schaum kann zur Erstickung führen. Wenn man in solchen Fällen die richtige Reaktion aufzeigt, ist vielen Eltern schon geholfen – und sie sind beruhigter. Weitere Infos und Kontakt unter www.erstehilfeparty-owl.de „ Man darf die Angst nicht gewinnen lassen.“ Angelique Schlabeck, Rettungsassistentin Rettungsassistentin Angelique Schlabeck gibt spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Eltern von Babys. FOTO: CHRISTINA NAHRWOLD Zu den Themen offene Wunden, Verbrennungen, Vergiftungen, die Notfallapotheke und Grundlagen der Reanimation informieren auch die Kinderärzte im Familienarztzentrum Kirchlengern. Der nächste Infoabend ist am Mittwoch, 13. Mai, ab 19 Uhr. „Wir erläutern außerdem, in welchem Fall der Weg zum Kinderarzt der richtige ist, wann ein Rettungswagen gerufen werden sollte und was Eltern zu Hause tun können“, so Kinderarzt Marcel Roßkamp. Er weiß aus Erfahrung, dass die Angst, etwas falsch zu machen, bei Erwachsenen am größten ist, wenn es um Kinder geht. Weitere Infos: www.fazkirchlengern. de. Übrigens: Bei Vergiftungen beraten auch die Ärzte der Giftnotrufzentrale unter Tel. (02 28) 1 92 40. 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