Guter Dinge: Turnierdirektor Ralf Weber freut sich über die enorme Anziehungskraft des Rasentennisturniers in Halle. - © Wolfgang Rudolf
Guter Dinge: Turnierdirektor Ralf Weber freut sich über die enorme Anziehungskraft des Rasentennisturniers in Halle. | © Wolfgang Rudolf

GWO-Organisator Ralf Weber: "Mit Zverev entsteht etwas ganz Großes"

Jörg Fritz

Halle. Gerry-Weber-Open-Turnierdirektor Ralf Weber spricht über seine Beziehung zu Roger Federer, erklärt die strengen Sicherheitsregeln auf der Anlage und verrät ein sportliches Highlight im Frühjahr 2019.

Herr Weber, Roger Federer kann in diesem Jahr zum zehnten Mal in Halle gewinnen. Welche Bedeutung hat der Schweizer für das Turnier?
Ralf Weber:
Seine Bedeutung für uns ist in den letzten zwei Jahren durch seine Siege bei den Grand Slams noch einmal gestiegen. Er war immer unser Aushängeschild, auch wenn er aus Verletzungsgründen drei Mal absagen musste. Wir haben uns immer stark auf ihn konzentriert. Er ist auch in diesem Jahr wieder der Magnet im Tennissport. Alle wollen ihn spielen sehen. Deshalb ist Roger von außergewöhnlicher Wichtigkeit für uns.

Im Jahre 2000 hat Federer als 18-Jähriger erstmals in Halle aufgeschlagen. Wer gab Ihnen damals den Tipp, den jungen Schweizer zu verpflichten?
Weber:
Wir hatten damals schon Kontakte zu dem Schweizer Yves Allegro gehabt, der dem Gerry-Weber-Breakpoint-Team angehörte. Über diese Schweizer Connection, zu der auch Marco Chiudinelli gehörte, erhielt Roger von seinen beiden Freunden Insider-Informationen über die Gerry Weber Open. Seit dieser Zeit hat Roger eine enge Bindung zu Halle.

Hatten Sie ihm diese sagenhafte Karriere zugetraut?
Weber:
2003 hatten wir ein Gespräch, in dem ich ihm aufgrund seiner ausgezeichneten Form ein wenig spaßig prophezeite, zunächst die Gerry Weber Open und dann Wimbledon zu gewinnen, was letztlich auch eintrat. Es war sein Durchbruch. Im Laufe der Jahre hat er sich immer noch mehr entwickelt. Wir haben schon frühzeitig auf ihn gesetzt, als er noch nicht der Weltstar war. Vor dem Lifetime-Kontrakt mit ihm hatten wir schon einige mehrjährige Verträge mit ihm abgeschlossen.

Wann war für Sie erkennbar, dass die Beziehung Federers zu den Gerry Weber Open mehr als geschäftlicher Art ist?
Weber:
Seit vielen Jahren ist er ein Freund der Familie. Er ist beim privaten Dinner dabei, zu dem er sich immer viel Zeit nimmt. Er kommt nicht nur kurz vorbei. Es sind mindestens vier Stunden. Auch zu seiner Familie haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Zum Jahresende bekomme ich immer einen persönlich geschriebenen Brief von ihm. Es sind die Kleinigkeiten, die ihm wichtig sind.

Gibt es Überlegungen, Roger Federer nach Beendigung der Laufbahn in die Gerry Weber Open einzubinden?
Weber:
Er wird uns auf jeden Fall verbunden bleiben. Vielleicht gründen wir einen Turnierbeirat. Vielleicht wird er als Turnierbotschafter weltweit aktiv sein. Er ist auf jeden Fall gesprächsbereit. Vor einiger Zeit meinte er scherzhaft, dass er einen Lifetime-Kontrakt für die Champions-Trophy bekommen könnte. Wir werden einen gemeinsamen Weg finden, wenn es so weit ist.

Alexander Zverev ist nah dran, nicht nur in Halle Federers Nachfolge anzutreten. Wie sehen Sie die Chancen?
Weber:
Ich halte sehr große Stücke auf ihn. Deshalb haben wir sehr früh auf ihn gesetzt und mit ihm einen Dreijahresvertrag abgeschlossen. Er hat trotz seiner Jugend schon zwei Mal das Finale in Halle erreicht. Das ist eine außerordentliche Leistung, auch wenn er das Turnier noch nicht gewinnen konnte. Letztes Jahr war er vor den Gerry Weber Open erstmals in die Top Ten eingezogen. Er hat sich enorm weiterentwickelt, so dass er durchaus das Potenzial hat, im nächsten Jahr die Nummer eins zu werden. Ich sehe momentan kaum einen anderen Spieler, der in besserer Verfassung ist.

Infos zur 26. Ausgabe: Turnierdirektor Ralf Weber (r.) spricht mit Jörg Fritz (M.) und Pressesprecher Sascha Detlefsen. - © Wolfgang Rudolf
Infos zur 26. Ausgabe: Turnierdirektor Ralf Weber (r.) spricht mit Jörg Fritz (M.) und Pressesprecher Sascha Detlefsen. | © Wolfgang Rudolf

Wird er das neue GWO-Aushängeschild?
Weber:
Mit ihm entsteht derzeit etwas ganz Großes mit Nachhaltigkeit. Ich bin sicher, dass es sich bei ihm nicht um eine Eintagsfliege handelt. Sein gesamtes Umfeld ist professionalisiert worden. Er bekommt eine perfekte Unterstützung. Ich hoffe, dass er einige Jahre ganz oben im Tenniszirkus mitspielen kann.

Mit Dominic Thiem und Hyeon Chung haben Sie zwei weitere Top-5-Kandidaten für die Weltrangliste durch Mehrjahresverträge an Halle gebunden.
Weber:
Seit Jahren ist es unsere Strategie, kommende Stars frühzeitig zu verpflichten. Neben diesen beiden haben wir mit den Russen Andrey Rublev und Karen Khachanov, dem Griechen Stefanos Tsitsipas und dem Kroaten Borna Coric vier weitere hochtalentierte Youngster im Hauptfeld vertreten.

Welchen Eindruck haben Sie von den deutschen Männern?
Weber:
Momentan, so mein Eindruck, entsteht etwas. Hinter den Zverev-Brüdern kann Deutschland noch auf Philipp Kohlschreiber und Jan-Lennard Struff verweisen. Maximilian Marterer ist nicht zu vergessen, der sich enorm verbessert hat und daher neben Florian Mayer und Jan-Lennard Struff eine Wild Card bekommt. Auch haben wir uns Gedanken gemacht, welche deutschen Spieler eine Wild Card für das Qualifikationsfeld erhalten. Letztendlich haben wir uns entschieden, diese an Dustin Brown und Rudi Molleker zu vergeben. Letztgenannter ist erst 17 Jahre alt und hat schon ein Challenger gewonnen.

Das Thema Sicherheit wird immer wichtiger. Wie haben Sie sich gewappnet?
Weber:
Diesem Thema haben wir uns bereits im letzten Jahr sehr stark angenommen. Seit vier Jahren gibt es strenge Sicherheitsregeln der ATP, die es zu beachten gilt. Das Zusammenspiel mit den Behörden des Kreises Gütersloh funktioniert gut. Die Eingangskontrollen werden per Scanner vorgenommen. Das Spielerhotel ist durch die Security komplett abgeschottet. Wir haben Personenschutz für die Spieler, wenn sie sich zu den Spielen oder den Trainingsplätzen bewegen. In die Roger-Federer-Allee, die von der Weststraße zur Multifunktionsarena und zum Sportpark Hotel führt, haben wir kürzlich ein automatisches Zufahrtskontrollsystem eingebaut. Mit diesem Bollwerk soll verhindert werden, dass Fahrzeuge in Menschenmengen gesteuert werden können, die vom Parkplatz zum Stadion unterwegs sind, oder die Arena verlassen.

Wirtschaftlich hat die Gerry Weber International AG mit Umstrukturierungsproblemen zu kämpfen. Stand die Aufgabe der Sponsorschaft des Turniers jemals zur Debatte?
Weber:
Darüber haben wir niemals nachgedacht. Das Turnier hat weltweit dazu beigetragen, dass der Bekanntheitsgrad des Unternehmens gestiegen ist. Unser Image ist positiv besetzt. Je erfolgreicher das Turnier ist, um so mehr profitiert der Modekonzern davon.

Sind in der Zukunft weitere sportliche Großereignisse außer Tennis im Gerry-Weber-Stadion geplant?
Weber:
Im Handball sind wir eine feste Größe geworden. Wir sind in sehr guten Gesprächen mit dem Deutschen Handball-Bund, im nächsten Frühjahr ein Spiel im Rahmen der WM-Qualifikation auszurichten. Beim Thema Boxen sind wir ebenfalls im Gespräch. Die Kontakte sind vorhanden.

Information

Ralf Weber

Seit dem Start der Gerry Weber Open in Halle im Jahre 1993 ist der am 22. Februar 1964 in Halle geborene Ralf Weber Turnierdirektor des Rasentennisturniers. Im Februar 2015 wurde Ralf Weber zum Vorstandsvorsitzenden der Gerry Weber International AG ernannt. In die Geschäftsführung des Modekonzerns trat der dreifache Familienvater 2008 als Leiter Controlling ein, 2009 wurde er Geschäftsführer der Gerry Weber Retail GmbH. Dem Vorstand der Gerry Weber International AG gehört der Diplom-Kaufmann seit August 2013 an. Ralf Weber war Ideengeber des Rasentennisturniers.

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