Die Leichtigkeit des Elias Sansar

Debütant läuft Konkurrenz in Grund und Boden / Biehl Zweiter / Lundström steigt bei Kilometer 21 aus / Mit Ergebnissen, vielen Fotos und einem Video zum Thema

VON JÖRG FRITZ

Bielefeld. Als Elias Sansar das Ziel an der Bielefelder Sparrenburg erreichte, zeigte sich sogar die Sonne und ließ den Gewinner des 35. Hermannslaufes über 31,1 Kilometer zwischen dem Hermannsdenkmal in Detmold-Hiddesen und dem Bielefelder Wahrzeichen noch strahlender erscheinen.

Der mit einem deutschen Pass in Detmold lebende Kurde war derart gut drauf, dass er auf der Promenade noch einen fulminanten Spurt hinlegte und ohne große Erschöpfung den Siegerkranz in Empfang nehmen durfte. Tausende Besucher rund um die Sparrenburg feierten den Hermannslauf-Debütanten frenetisch. Und mit 1:45:50 Stunde legte der 26-Jährige, der für TuS Eintracht Bielefeld läuft, auch eine famose Zeit hin.

Platz zwei belegte Marcus Biehl (Laufladen Endspurt), der wie im Vorjahr Zweiter wurde und mit seiner Zeit von 1:47:21 Stunde ebenfalls zufrieden war. "Ich war schneller als Ingo Horst bei seinem Triumph vor zwölf Monaten", sagte Biehl, der bereits zum 14. Mal am Hermann teilnahm. Mit Thomas Böckenholt (ESV Münster) lief ein weiterer Favorit auf Rang drei (1:48:09 Stunde).

Der hoch gehandelte Ingmar Lundström, Sieger des Jahres 1999, konnte den großen Erwartungen nicht gerecht werden und stieg bei Kilometer 21 aus. "Das Tempo war zu hoch. Ich habe gemerkt, es geht nicht mehr", begründete der Gütersloher den Abbruch.

Die Entscheidung über den Ausgang des 35. Hermannslaufes fiel in Lämershagen. "Dort habe ich gemerkt, dass ich noch viel Kraft habe und bin dann weg gezogen", schilderte Sieger Sansar seine Strategie. Der Detmolder hatte sich erst vor knapp drei Wochen für einen Start entschieden. Vereinskollege Volkmar Rolfes, der einen hervorragenden vierten Platz erkämpfte, hatte ihn umgestimmt.

Sansar: "Habe es mir schwerer vorgestellt"
Sansar ist ein exzellenter Bahnläufer, der bei den deutschen Meisterschaften 2005 über 5.000 Meter immerhin als Sechster ins Ziel kam. Nach seiner Premiere über die lange Hermann-Distanz hat Sansar, der noch neun Geschwister hat und 1989 nach Deutschland kam, ein bis zwei Marathonläufe in diesem Jahr noch auf seinem Programm.

Die Leichtigkeit, mit der der 26-Jährige die anspruchsvolle Strecke meisterte, überraschte nicht nur die Konkurrenz, sondern auch ihn. "Ich habe es mir schwerer vorgestellt", erzählte Sansar, der bis September 2005 noch den Vornamen Ahmed trug, ehe er ihn dann "aus persönlichen Gründen" in Elias ändern ließ. "Ich hätte sogar noch zwei Minuten schneller laufen können, wenn ich bessere Streckenkenntnisse gehabt hätte."

Marcus Biehl, Sieger der Jahre 2000 und 2004, gestand seine Niederlage ein und fand nur anerkennende Worte für den neuen Champion. "Elias ist deutsche Spitzenklasse. Ich bin nur ein Volksläufer", lautete das Fazit des 36-Jährigen, der zu Beginn des Rennens ein hohes Tempo wählte, Elias Sansar aber niemals abschütteln konnte. Bei Kilometer 24 ist es dann passiert. "Elias hatte mehr Strom in den Beinen und ließ mich einfach stehen", erläuterte Biehl.

Der Bielefelder wird 2007 eine Hermann-Pause einlegen und erst in 24 Monaten wieder an den Start gehen. "Mein Frau Birgit und meine kleine Tochter Najeli haben mich in den vergangenen Wochen selten gesehen. Ich habe einiges gut zu machen und muss mich mehr um meine Famlie kümmern", nannte Biehl seine Ziele. Und was plant Elias Sansar? Er träumt von einer Ausbildung als Physiotherapeut. Bisher hat es mit einer Lehrstelle nicht geklappt. Als Hermannslauf-Sieger hat er vielleicht bessere Karten.

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