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Der Rasta-Mann folgt seinem Instinkt

Deutsch-Jamaikaner Brown gibt an der Seite von Monfils einen Vorgeschmack seiner verrückten Tenniskunst

VON STEFANIE FUST
07.06.2011 | Stand 07.06.2011, 14:16 Uhr
Dustin Brown erzählt seine Geschichte. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Dustin Brown erzählt seine Geschichte. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Halle. Er sieht aus wie Bob Marley, spielt Tennis wie Yannik Noah und kommt aus Niedersachsen. Die in den Medien gern verwendete Kurzbeschreibung von Dustin Brown lässt nur erahnen, welch bunte Vita sich hinter dem Mann mit den Rastazöpfen verbirgt. Zum Gespräch im Haller Sportparkhotel erscheint er in kurzen Hosen, blauem T-Shirt, die langen Haare unter einer Strickmütze gebändigt. Es scheint ihm Freude zu bereiten, über sein Leben zwischen zwei Welten und seinen mühsamen Aufstieg im Profitennis zu erzählen.

Brown wurde in Celle geboren, er lebte bis zum Alter von zwölf Jahren in Deutschland, dann zog die Familie nach Jamaika. Vater Leroy stammt von dort. Daher die Hautfarbe, die Bob-Marley-Dreadlocks, Dreddy ist sein Spitzname. Mutter Inge ist Deutsche, weshalb die Familie 2004 wieder nach Niedersachsen umgesiedelt ist. Seitdem ist Winsen an der Aller seine deutsche Heimat, Montego Bay die jamaikanische. Dort machte er auch seinen College-Abschluss. Der Wechsel zwischen den Kulturen bereite im keine Probleme, sagt er. "Ich komme in Jamaika ebenso gut klar wie in Deutschland." Nur mit dem jamaikanischen Tennisverband hat er sich überworfen, weshalb er jetzt für Deutschland spielt.

Der 26-Jährige ist zurzeit der wohl spektakulärste deutsche Tennisprofi, auch wenn er nicht der beste ist. Der heißt Florian Mayer und muss sich heute bei seinem Auftakt-Match warm anziehen. Nicht etwa, weil es in Halle so kalt ist, sondern weil sein Gegenüber eben jener Dustin Brown ist. Noch rangiert der 1,96 Meter große Hüne auf Platz 106 der Weltrangliste, aber er ist auf dem Weg, in höhere Dimensionen des Profibereichs vorzustoßen. Zuletzt bezwang er bei den BMW Open in München die Nummer 14 der Welt, Stanislas Wawrinka aus der Schweiz. Das verschaffte ihm Respekt bei der Konkurrenz und Selbstvertrauen. So ist Brown vor dem Match gegen seinen in der Weltrangliste um 87 Plätze höher platzierten Landsmann zuversichtlich, obwohl er gegen Mayer bisher zweimal verloren hat. "Aber auf Rasen habe ich noch nie gegen ihn gespielt. Und Rasen ist mein Lieblingsbelag", sagt Brown und grinst.

Nach Zusage sofort in den Flieger

Wohl auch deshalb hat ihm Turnierdirektor Ralf Weber kurzfristig eine Wild Card gegeben. Er sei gerade in Nottingham gewesen, um dort ein Challenger zu spielen, als der Anruf kam, erzählt Brown. "Ich habe natürlich sofort zugesagt, und bin in den Flieger gestiegen."

Diesen Luxus konnte sich der Paradiesvogel, der schon für ein Hip-Hop-Modelabel gemodelt hat, lange nicht leisten. Drei Jahre lang tingelte er aus Kostengründen wie ein Vagabund im Wohnmobil von Future-Turnier zu Future-Turnier, der untersten Ebene der Tennis-Tour. Peu á peu arbeitete er sich in der Weltrangliste nach oben. "Diese Zeit war nicht immer leicht. Ich hatte keinen Trainer, war oft allein. Aber ich habe mich durchgebissen und immer an mich geglaubt." Den Bus hat er immer noch, "er steht bei meiner Mum in der Garage."

Es klingt nach einem modernen Märchen, aber Brown schaffte es tatsächlich im vergangenen Jahr ins Hauptfeld von Wimbledon, wo er dann in vier Sätzen dem späteren Sieger im Doppel, Jürgen Melzer, unterlag. Seine unorthodoxe Art zu spielen ist auf Rasen sehr effektiv. Er spielt Vor- und Rückhand häufig mit Unterschnitt und stürmt, so oft es geht, ans Netz. Gefährlich sind seine überraschenden Stopps. Er nennt sich selbst einen "Instinktspieler", einer der ohne Plan spielt und intuitiv agiert. "Man muss die Gabe, die einem in die Wiege gelegt wurde, möglichst gut nutzen", sagt er.

Dominanz mit zweimal 6:0

Manchmal muss man aber auch sein Schicksal in die Hand nehmen. Und so fragte er seinen alten Kumpel Gael Monfils (ATP 9), französischer Daviscupspieler, ob der in Halle mit ihm Doppel spiele. "Das wird bestimmt lustig", sagte er vor der Partie gegen die Spanier Pablo Andujar/David Marrero. Es wurde lustig - und erfolgreich. Brown/Monfils dominierten den Gegner beim 6:0, 6:4.
 

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