Umstritten - © Foto: Arne Dedert
Der Mainzer Pablo De Blasis (M.) traf in der Halbzeit per Elfmeter zum 1:0. | © Foto: Arne Dedert

Niederlage in Mainz Unglaublich: Freiburger Frust über kuriosen Videobeweis

Mainz - Freiburgs Trainer Christian Streich verpasste sich nach dem Video-Wahnsinn von Mainz aus Selbstschutz einen Maulkorb, seine Spieler ließen ihrem Frust über einen der kuriosesten Elfmeter der Bundesliga-Historie beim 0:2 im Keller-Duell dagegen freien Lauf.

«Es war abgepfiffen! Ich habe so etwas noch nie erlebt, so etwas gab es noch nicht in der Geschichte des Fußballs. Bei so einem Spiel sowas zu machen, das ist reiner Wahnsinn», ereiferte sich SC-Verteidiger Manuel Gulde über den von Schiedsrichter Guido Winkmann in der Halbzeitpause verhängten Handelfmeter für die Mainzer.

Erst nach dem Pausenpfiff war Referee Winkmann von Video-Assistentin Bibiana Steinhaus darüber informiert worden, dass es beim letzten Mainzer Angriff im ersten Durchgang ein Handspiel von Freiburgs Abwehrspieler Marc-Oliver Kempf im eigenen Strafraum gegeben hatte. Nach Ansicht der Bilder entschied er auf Elfmeter und beorderte deshalb die Freiburger Spieler aus der Kabine zurück auf das Spielfeld. «Das Spiel war nur unterbrochen», begründete Winkmann seine Entscheidung.

«Natürlich ist das ungewöhnlich, das hat es wohl noch nie gegeben», räumte er ein. «Wenn ich der betroffene Verein bin, wäre ich natürlich auch nicht davon begeistert. Aber es gibt in der heutigen Zeit eben den Videoschiedsrichter, der auch diesmal wieder zu Gerechtigkeit geführt hat, weil ich im Spiel keine Chance hatte, dieses Handspiel zu erkennen.»

DFB-Schiedsrichter-Boss Lutz Michael Fröhlich war über das Novum nicht gerade begeistert. «Das sind Szenen, die eigentlich keiner haben will. Vom Ablauf her ist das keine Werbung, aber es war in diesem Fall tatsächlich nicht anders möglich», sagte Fröhlich dem TV-Sender Eurosport. «Damit muss man leben im Moment.»

Das sahen die Freiburger ganz anders. «Ich habe schon eine Banane gegessen und wollte gerade auf Toilette gehen, als es hieß, wir müssen wieder raus auf das Spielfeld», beschrieb Freiburgs konsternierter Torjäger Nils Petersen die bizarre Szene. Und Mittelfeldspieler Julian Schuster klagte: «Das war für den Kopf nicht einfach. Alle waren überrascht. Danach hat uns die Struktur gefehlt. Es ist verrückt, einfach unglaublich.» Ein Protest gegen die Wertung des Spiels war beim SC zunächst aber kein Thema.

Pablo De Blasis verwandelte den fälligen Strafstoß in der siebten Minute der Nachspielzeit eiskalt und legte gegen geschockte Freiburger elf Minuten vor Schluss nach einem katastrophalen Patzer von SC-Keeper Alexander Schwolow zum 2:0 nach. «Das konnten wir nicht umbiegen», stellte Freiburg-Coach Streich enttäuscht fest.

Zum Aufreger des Spiels verkniff sich der sonst sehr impulsive Fußball-Lehrer jegliche Bewertung. «Ich beschreibe meine Gefühle nicht. Ich habe mir vorgenommen, ich lasse diese Dinge jetzt einfach über mich ergehen und thematisiere das nicht. Sollen sie einfach machen, was sie wollen.»

Vier Spiele vor Saisonschluss stecken die Breisgauer nach der fünften Niederlage in Serie als Tabellen-16. mit 30 Zählern ganz tief im Abstiegskampf. «Jetzt heißt es Vollgas geben und schleunigst punkten», sagte Abwehrmann Gulde.

Am Samstag steht der nächste Abstiegskracher beim Vorletzten Hamburger SV an, dem bei acht Zählern Rückstand das Wasser bis zum Hals steht. «Uns helfen nur Siege, um uns noch eine Restchance zu erarbeiten», beschrieb HSV-Vorstand Frank Wettstein am Dienstag die verschärfte Konstellation für den Bundesliga-Dino.

Doch auch die Mainzer müssen weiter zittern, auch wenn sie mit 30 Zählern dank der besseren Tordifferenz an den punktgleichen Freiburgern auf Rang 15 vorbeizogen. «Wir haben nicht das Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Man kann jetzt nicht sagen, dass wir nichts mehr mit dem direkten Abstieg zu tun haben», mahnte FSV-Trainer Sandro Schwarz. «Es sind noch fünf Teams im Pott. Deshalb können wir nicht durchschnaufen.»

Neben Mainz, Freiburg und Hamburg stecken auch Schlusslicht 1. FC Köln (21) und der Tabellen-14. VfL Wolfsburg (30) noch im Bundesliga-Existenzkampf. «Unter dem Strich war es wichtig, dass wir gewonnen haben», stellte FSV-Sportdirektor Rouven Schröder daher erleichtert fest und verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: «Es war wirklich ein kurioses Spiel. Gut, dass man dabei war.»

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