So sieht's Rocker "Schluss mit dem Kuschel-Kurs!"

Karl Rocker über die aktuelle Lage beim SC Paderborn

Karl Rocker

Lange habe ich überlegt, wie ich meine heutige Kolumne gestalten soll. Soll ich versuchen, die positiven Aspekte in der momentanen Misere des SC Paderborn zu finden? Oder doch eher wieder auf Gott und die Welt einprügeln, weil mein Lieblingsverein so gut wie am Ende ist? Keine Ahnung. Ich weiß aber, dass ich mich seit der Jahreshauptversammlung am Montag und dem dort verkündeten finanziellen Offenbarungseid leer fühle. Leer und teilweise betrogen. In dieser Kolumne wird nichts zu den bescheidenen Leistungen unserer Mannschaft in den letzten Spielen stehen. Es geht auch nicht ums morgige Heimspiel gegen Erfurt. Ich möchte einfach mal all das, was mich die letzten Tage beschäftigte und störte, hier preisgeben. Einfache Gedanken. Von einem Fan für andere Fans. Zweifelsohne war die Jahreshauptversammlung ein Schock. Dass die Lage nicht rosig ist, war klar. Massive Einbußen bei den Zuschauereinnahmen aufgrund von beschissenen sportlichen Leistungen, unnötige Trainerwechsel und eine absolut dilettantische Einkaufspolitik (Proschwitz, Ndjeng, Kirch) haben aber ein Ergebnis verursacht, womit zumindest ich nicht gerechnet habe. Wie kann es am Ende dieser Saison eine Etatlücke von drei Millionen Euro geben? Und wie führt der DFB eigentlich ein Lizenzierungsverfahren durch, das solch fehlerhafte Kalkulationen ermöglicht? Wer hat sich dermaßen verrechnet? Und warum zieht der Verein keine Konsequenzen? Wer ist beim SC Paderborn verantwortlich für das "Verbrennen" von Geld? Wo sind die Millionen aus der Bundesliga geblieben? Warum wird auch an dieser Stelle niemand zur Verantwortung gezogen? Wo bleiben personelle Konsequenzen im und um den Vorstand? Weiterhin nervt mich die Diskussion um die Hilfe für den Verein. Sicherlich brauchen wir jetzt "Helden", die unserem klammen Klub unter die Arme greifen. Aber die Verantwortung einfach auf die Stadt abzuschieben, ist mir ehrlich gesagt zu einfach. Sicherlich hat Paderborn vom Aufstieg des SCP in die 1. Bundesliga profitiert. Und es ist ein falsches Zeichen vom Bürgermeister, sofort jegliche Hilfe auszuschließen. Verstehen kann ich ihn dennoch. Nachdem der SCP Hilfe beim Bau der Arena und des Trainings- und Nachwuchsleistungszentrums bekommen hat, muss die Stadt auch mal Nein sagen können. Dennoch: Die Stadt Erfurt wird unserem kommenden Gegner wohl mit einer kommunalen Finanzspritze das Überleben sichern. Jedoch unter bestimmten Bedingungen: Die Hauptverantwortlichen der finanziellen Misere sollen bei Rot-Weiß Erfurt ihren Hut nehmen. Für mich wäre dies auch beim SCP eine Option. Finanziell und sportlich sind wird am Ende - und zerstritten in vielerlei Hinsicht. Was mich angeht, werde ich schauen, wie ich im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen kann. Es gibt viele Möglichkeiten. Doch ich möchte mein Geld nicht zum Fenster hinauswerfen. Auch ich fordere personelle Konsequenzen. Zudem sollten Regressansprüche geprüft werden. Schluss mit dem Kuschel-Kurs! Es geht ums nackte Überleben. Heute gibt's am Ende keinen Spruch. Nur eine Aufforderung: Rettet den SC Paderborn und den Profifußball in der Domstadt!

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