So sieht's Rocker Kolumne zum SC Paderborn: "Wenn Liebe zur Hassliebe wird"

Meinung zur aktuellen Situation des SC Paderborn

Karl Rocker

Hallo, liebe Fans des SC Paderborn 07. Das nächste Heimspiel unseres SCP 07 steht an. Am Samstag geht es gegen den VfR Aalen. Doch diesmal soll es nicht um dieses Spiel gehen. Heute dreht sich meine Kolumne nur um die aktuelle Situation bei unserem "Lieblingsverein". Warum in Anführungszeichen? Weil bei vielen von uns die einstige Liebe mittlerweile zu einer Art "Hassliebe" mutiert ist. Als SCP-Anhänger muss man inzwischen eine Art Sadomaso-Fan sein. Denn schöne Momente und tolle Ergebnisse sind in letzter Zeit eine Seltenheit geworden. Ich möchte nicht wieder von völlig überhöhten Eintrittspreisen, dilettantischen Verantwortlichen, von immer wieder den gleichen Floskeln und schon gar nicht vom bescheidenen Fußball, der dem Zuschauer mittlerweile wehtut, reden. Nein. Oder doch? Auch um all diese Dinge geht es heute. Denn der Verein, die Mannschaft, die Verantwortlichen und alles, was schief laufen konnte und läuft, führen nun dazu, dass die Treuesten der Treuen dem Verein nach und nach den Rücken kehren. Aber nicht nur die eigenen Fans sind unzufrieden. Vielmehr ist aus dem einstigen Mitgefühl für den Abstieg und dem anschließenden Spott für den Durchmarsch in Liga drei inzwischen pure Häme geworden. Ich arbeite in Düsseldorf. Ich kann Euch wirklich ein Lied davon singen. Und was passiert in der Führungsetage und im Trainerteam? Nichts! Woche für Woche gibt es auf den Pressekonferenzen die gleichen ausgenudelten Durchhalteparolen. Reaktion? Fehlanzeige! Maßnahmen? Fehlanzeige! Verbesserung? Fehlanzeige! Fans ziehen Reißleine Und so sind es mal wieder die Fans, die nun die Reißleine ziehen. Am morgigen Spieltag soll es Protestaktionen geben. Die "aktive Fanszene" hat unter dem Motto "Kurz vor 12!" dazu aufgerufen, erst nach zwölf Spielminuten die Blöcke zu betreten. Allerdings muss ich mich fragen, wer denn tatsächlich den Namen "aktive Fanszene" für sich beansprucht. Denn eine andere Gruppe der aktiven Fanklubs hat ebenfalls zu einem Boykott aufgerufen. Und so sammeln sich am Spieltag diverse Fanklubs auf Initiative von Jürgen Patzer am Hofladen in der Nähe der Benteler-Arena, um dem Spiel gänzlich fernzubleiben. Ich persönlich kann mit beiden Aktionen leben. Wobei ich einen "Zwölf-Minuten-Boykott" bei der prekären Lage des Vereins etwas zu wenig finde. Sei's drum. Spätestens mit diesem Boykott zeigen die SCP-Fans, dass das Wirken der Verantwortlichen so nicht weitergehen kann. Es muss eine Lösung für die momentane Misere her. Wie auch immer diese aussehen mag. Mit Versprechungen, die nicht eingehalten werden, mit Floskeln und mit einem Umbruch, der nie stattgefunden hat, wird man keine Ruhe in die Reihen der Fans bekommen. Gerade der ausgebliebene Umbruch ist symptomatisch für die gefühlte Gleichgültigkeit in den Reihen der SCP-Verantwortlichen. Nach dem Rücktritt von Wilfried Finke gab es keinen Neuanfang. Stattdessen stolperte irgendwie jeder der Verantwortlichen eine Stufe hinauf. Kein frisches Blut, keine neuen Impulse, keine neuen Gesichter. Alles beim Alten. Das ist nicht der richtige Weg, Herr Hornberger! Böse Zungen würden solches Vorgehen als Vetternwirtschaft bezeichnen. Nun hoffe ich inständig, dass die aktuellen Aktionen ein Umdenken bewirken können. Das müssen sie. Denn der Weg, der momentan beschritten wird, führt geradewegs zum Ende des Vereins. Und das wäre für alle Beteiligten eine Katastrophe. Wir sind die wahren Paderborner Jungs. Und es geht nichts ohne uns!

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