Daniel Brückner ist "einer von uns". - © Marc Köppelmann
Daniel Brückner ist "einer von uns". | © Marc Köppelmann

Andreas Allesfahrerblog Emotionale Momente im Fußball lassen uns den Sport so lieben

Darmstadts emotionale Parole "Du musst kämpfen" gilt auch für den SC Paderborn

Andrea Sahlmen

Hallo Fans, sicherlich waren viele von euch ebenfalls so gerührt von Bohnes Abschied wie ich. Es war der Höhepunkt des Tages, an das schwache Spiel der Paderborner Mannschaft möchte man gar nicht lange denken. Aber Mittwoch geht es schon weiter. Keiner darf aufgeben! Bis dann, Andrea „Daniel Brückner-Fußballgott", schallte es am Samstag von der Südtribüne auf den Platz. Tosender Applaus."Bohne einer von uns", stand auf einem Plakat. „Willkommen zu Hause, Bohne" auf einem anderen. Nach dem Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt verharrten die Paderborner Fans noch lange im Block. Nicht, um ihre eigene Mannschaft zu feiern, sondern um ihrem Liebling einen gebührenden Abschied zu bescheren. Einen, den er verdient hatte und der ehrlicher nicht konnte. Es war der Moment, wofür sich der Stadionbesuch gelohnt hatte. Sportlich dagegen hätte man auch die Sonne in der Innenstadt mit einem Eis genießen können. Es sind diese besonderen, emotionalen Momente, die mich den Fußball so lieben lassen. Da geht es nicht um den Kommerz im Fußball, Fernsehgelder oder Transfererlöse, die perverse Summen erreichen. Es geht nicht um den oft hässlichen Konkurrenzkampf, um Punkte und Ansehen. Viel mehr geht um Menschlichkeit und Emotionen, die im Fußball so oft vergessen werden. Aber was eigentlich das Salz in der Suppe ist, weshalb Fußball uns allen so viel Spaß macht. Marco Russ und die Darmstädter sorgen für Gänsehautmomente Ich denke da besonders an Marco Russ, der nach seiner Krebserkrankung das Bundesliga-Debüt feierte. Wer Freunde oder Familienangehörige hat, die solch eine Chemotherapie durchgemacht haben, kann vor dem Fußballer nur den Hut ziehen, wie er sich zurück auf den Platz gekämpft hat. Auf der anderen Seite sorgten die Spieler von Darmstadt 98 für einen emotionalen Höhepunkt, indem sie in Trikots mit dem Spruch „Du musst kämpfen" aufliefen und den Sieg anschließend dem vor einem Jahr gestorbenen Fan Johnny widmeten. Jonathan Heimes war vor einem Jahr an Krebs gestorben und war in den Vorjahren maßgeblicher Unterstützer während der Darmstädter Aufstiege bis in die Bundesliga. „Du musst kämpfen" sollte sich auch der SC Paderborn auf die Fahnen schreiben. Denn neben dem finanziellen Kollaps droht auch immer mehr der sportliche Niedergang in die Regionalliga. Gegen welchen Verein will die Mannschaft noch gewinnen, wenn selbst die Heimspiele gegen direkten Konkurrenten nicht gewonnen werden? Da hilft auch kein Nörgeln, dass der Schiedsrichter mit einigen Entscheidungen nicht ganz richtig gelegen hatte. Denn was wäre gewesen, wenn der SCP den Elfmeter hätte zugesprochen bekommen? Gegen Bremen und Kiel gab es immerhin zwei Elfmeter, die beide verschossen wurden. Eine Garantie, dass das Spiel besser gelaufen wäre, gibt es schlichtweg nicht. Bohne ist "einer von uns" "Wer jetzt nicht an den Klassenerhalt glaubt, der wird absteigen", sagte Stefan Emmerling nach dem Spiel gegen Erfurt. Deshalb müssen wir Fans weiterhin an den Klassenerhalt glauben, ob wir wollen oder nicht. Alle müssen weiterhin ins Stadion gehen, ein Boykott ist völlig absurd, wir müssen die Mannschaft mit aller Kraft unterstützen. Die Spieler scheinen vollkommen verunsichert zu sein, zumindest macht es auf dem Platz den Eindruck. Und wenn wir Fans dafür sorgen müssen, dass die Jungs weiter daran glauben, dann werden wir das tun. Im Gegensatz dazu war Rot-Weiß Erfurt, mit Daniel Brückner an der Spitze, ein Beispiel für bedingungslosen Kampf bis zum Schlusspfiff. Schöner Fußball sieht anders aus, aber das zählt im Abstiegskampf der 3. Liga nicht. Im Abstiegskampf wird auch die Menschlichkeit oft vergessen,  Daniel Brückner und Johnny waren eine schöne Ausnahme vom oft unmenschlichen Profifußballs. Der Vertrag des Paderborner Fußballgottes läuft am Ende der Saison in Erfurt übrigens aus, Bohne kämpft auch um seine persönliche sportliche Zukunft. Wie und wo die sein wird, steht in den Sternen. Fakt ist aber, dass er in den Paderborner Herzen immer einen Platz haben wird. Bohne ist immerhin „einer von uns".

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