Paderborn SCP-Fans kritisieren Stadionsicherheitskonzept

Vertreter des Fan-Dachverbands: "Völlig überzogen und inakzeptabel"

Bundesweit bleiben die Fankurven am nächsten Spieltag im Profi-Fußball erneut die ersten zwölf Minuten still. Auch die Anhänger des SC Paderborn wollen damit ein Zeichen gegen die ihrer Meinung nach massive Gängelei durch das angedachte Stadionsicherheitskonzept setzen. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Bundesweit bleiben die Fankurven am nächsten Spieltag im Profi-Fußball erneut die ersten zwölf Minuten still. Auch die Anhänger des SC Paderborn wollen damit ein Zeichen gegen die ihrer Meinung nach massive Gängelei durch das angedachte Stadionsicherheitskonzept setzen. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn. Von Ganzkörperkontrollen bis zur grenzenlosen Video-Überwachung: Das Konzeptpapier "Sicheres Stadionerlebnis" bewegt Fußball-Deutschland. Befürworter sprechen von notwendigen Maßnahmen gegen ausufernde Gewalt, "aber für uns ist das reine Schikane", sagen Sprecher des Paderborner Fan-Dachverbands "Fontes Baderae" – und kündigen weiteren Protest an.

Am 8. Dezember findet vor dem Heimspiel des SC Paderborn gegen Hertha BSC ein Fan-Marsch statt. "Treffpunkt ist der Hauptbahnhof", sagen die Sprecher, die mit ihren Namen nicht genannt werden wollten. Unter dem Motto "Ohne Stimme keine Stimmung" soll ein letztes Mal der Widerstand gegen die geplanten Paragraphen gezeigt werden – vereinsbrillenübergreifend: "Berliner Fans werden mit dabei sein."

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Ohnehin habe das Konzeptpapier die Fanszene in Deutschland zusammengeschweißt. In allen Bundesliga-Stadien hielten sich die Anhänger an die in der Initiative "12:12" angedachten zwölf Schweigeminuten zu Beginn der Partien. "Am 12. Dezember ist die Mitgliederversammlung der Profi-Klubs, dann wird über die neuen Richtlinien abgestimmt."

Es könnte zu einer Zäsur in den deutschen Stadien führen, warnen die Sprecher mit Nachdruck. Besonders betroffen: Auswärtsfans. "Vereine könnten Ticketkontingente von zehn auf fünf Prozent der Karten zusammenstreichen. Dazu werden die Ganzkörperkontrollen zur Routine. Das bedeutet: Ausziehen, bis auf die Schuhe."

Die Maßnahmen seien übereifriger Aktionismus, "da wollen sich Innenpolitiker profilieren", sagen die Paderborner. Dass sich ihr Einspruch lohnt, zeigt sich in der aktuell vorliegenden Konzept-Version – denn die ist bereits überarbeitet . "Zuvor beinhaltete das Papier sogar die Weitergabe von persönlichen Daten zwischen Polizei und Vereinen. Das ist völlig überzogen und inakzeptabel."

Die nackten Zahlen sprechen in der Tat für kein größeres Sicherheitsproblem in Deutschlands Stadien: "18.7 Millionen Fans waren im letzten Jahrzehnt bei Profi-Spielen, dabei meldeten die Behörden 1.142 Verletzte – "eine Quote von 0,0061 Prozent, verschwindend gering." Die Politik spreche von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen, aber das sind offensichtlich Einzelfälle, kein Alltag."

Setzen sich die Befürworter durch, werde eine kaum aufzuhaltende Lawine in Gang gesetzt, dann fallen Dominosteine: "Sobald beispielsweise Tickets für Gäste-Fans gestrichen werden dürfen, kann man überflüssige Stehplätze schnell in Sitzplätze umbauen. Dann haben wir irgendwann Verhältnisse wie in der englischen Premier League: Karten ab 25 Euro aufwärts, aber keine Stimmung – ein Horrorszenario." Stattdessen solle der Status quo beibehalten werden, "denn nicht ohne Grund boomt die Bundesliga derzeit."
Ein generelle Zustimmung der Vereine zum Konzeptpapier ist am 12. Dezember indes wahrscheinlich, sagen Experten. "Jeder der 16 Anträge wird aber einzeln abgestimmt – vielleicht kippen die Klubs ja ein paar davon", hoffen die Fan-Vertreter.

Der Fußmarsch ist daher Höhepunkt und zugleich Abschluss der Proteste. Die lokale Fanszene gilt als überschaubar und fiel kaum negativ auf, das Maßnahmebündel träfe aber auch die Benteler-Arena ins Mark. "Eingeschränkte Freiräume für Fans bedeuten schlechtere Stadionatmosphäre – und das kann auch die VIP-Lounge nicht wollen."

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