Feier ohne Präsident: Rund 7.000 Fans des SC Paderborn feierten am Samstagabend ausgelassen auf dem Rathausplatz. - © Ulrich Petzold
Feier ohne Präsident: Rund 7.000 Fans des SC Paderborn feierten am Samstagabend ausgelassen auf dem Rathausplatz. | © Ulrich Petzold

SC Paderborn Überraschung bei der Aufstiegsfeier: Warum SCP-Präsident Finke zurücktritt

Finke tritt als Präsident zurück, dürfte aber in der neu zu gründenden Kapitalgesellschaft eine neue Rolle übernehmen. Spätestens am 29. Mai wird der neue Präsident präsentiert

Hartmut Kleimann
Frank Beineke

Paderborn. Schon lange bevor sich die Mannschaft des SC Paderborn nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt auf der Rathausbühne den rund 7.000 Fans präsentierte, hatte Moderator Jürgen Lutter die Nachricht des Abends verkündet: Wilfried Finke tritt von seinem Amt als Präsident des SC Paderborn zurück. "Mit dem Aufstieg in die 2. Liga sieht er seine Mission erfüllt", so Lutter. Wegen einer Lungenentzündung war es dem Möbelunternehmer nicht vergönnt, die Nachricht selbst zu überbringen. Er ließ aber ein dickes Dankeschön an die Fangemeinde ausrichten, die in schweren Zeiten ein wichtiger Rückhalt gewesen sei. "Ihr seid super Fans", rief Lutter in die Menge. Und die antwortete am Samstagabend mit lauten Wilfried-Finke-Sprechchören. Was in diesem Moment fast ein wenig tragisch herüberkam, ist aber eigentlich nur eine logische Folge der aktuellen Umstrukturierung. Am 29. Mai lädt der Verein zu einer außerordentlichen Versammlung ein, bei der es um die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft gehen wird. Die Satzungsänderungen dafür hatte der Verein schon bei der letzten Versammlung auf den Weg gebracht. Dreier dankt fürs "Lebenswerk" So ist es fast ein ganz normaler Akt, dass sich Finke "nur" aus den Vereinsstrukturen zurückzieht. Als Hauptsponsor und Hauptanteilseigner der Stadiongesellschaft aber, die in dem neuen Gesamtkonstrukt der Kapitalgesellschaft eine sehr wichtige Rolle einnehmen wird, ist mit der Person Finke in einem der dort platzierten Gremien sicher wieder zu rechnen. Bürgermeister Michael Dreier, der in den vergangenen zwölf Monaten mit dem Präsidenten in Sachen finanzieller Unterstützung durch die Stadt nicht immer einer Meinung war, dankte Finke im Moment der Entscheidung "für sein Lebenswerk". Inzwischen seien die Differenzen in einem "klärenden Vieraugengespräch" ausgeräumt worden. Dabei habe er noch einmal verdeutlicht, dass die Stadt immer alles dafür getan habe, gute Rahmenbedingungen für den Verein zu schaffen. "Wir haben Riesenprojekte wie das Trainingsleistungszentrum unterstützt", stellt Dreier klar. Und in einer sehr schwierigen Situation habe es Differenzen gegeben. "Aber es ist nie zu einem Bruch gekommen." "Wiederauferstehung von den Toten" Für Vizepräsident Josef Ellebracht, der vor eineinhalb Jahren, als der Verein am Boden lag, mit Finke an den Präsidententisch zurückgekehrt war, war der Rücktritt schon länger klar. "Aber ich habe darüber nie nachgedacht und jetzt macht mich das ein wenig wehmütig", sagte er. Denn gemeinsam sei man mit dem Ziel angetreten, den Verein wieder in die 2. Liga zu führen. "Dass das so schnell geht, davon haben wir vielleicht geträumt, aber wir haben es nicht geglaubt", fügte er an. Rückblickend auf die Aufstiege der vergangenen Jahre sei der aktuelle Erfolg "ohne Zweifel der emotionalste, weil es wie eine Wiederauferstehung von den Toten anmutet", so Ellebracht. Sportchef Markus Krösche dankte dem scheidenden Präsidenten für sein Engagement. "Er hat die Weichen gestellt und viel zu unserem Comeback beigetragen." Hinsichtlich der Kapitalgesellschaft ist er überzeugt, "dass wir das als Gesamtverein hinkriegen. Dabei wird Wilfried Finke immer ein wichtiger Part und Ansprechpartner bleiben." Spätestens Ende Mai wird der Verein den Finke-Nachfolger präsentieren.

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