Siegertänzchen: Nach dem Schlusspfiff brach das gesamte Paderborner Lager in Jubelstürme aus. Das gemeinsame Hüpfen mit den Fans inbegriffen. - © Imago
Siegertänzchen: Nach dem Schlusspfiff brach das gesamte Paderborner Lager in Jubelstürme aus. Das gemeinsame Hüpfen mit den Fans inbegriffen. | © Imago

SC Paderborn SC Paderborn gelingt Befreiungsschlag an der Ostsee

Ex-Trainer Dotchev bringt im Vorfeld die Dinge auf den Punkt und geht auch im seinem zweiten Pflichtspiel gegen seine alte Liebe als Verlierer vom Platz. Michel ist froh über das Ende seiner Torflaute

Hartmut Kleimann

Rostock. Krasser konnten die Gegensätze nicht sein: Auf der einen Seite der unbändige Jubel beim SC Paderborn, der mit einem Last-Minute-Tor von Kapitän Christian Strohdiek in Rostock einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Erfolg umgewandelt hatte. Auf der anderen Seite hängende Köpfe und ein Trainer Pavel Dotchev, der wie schon nach der 1:2-Hinspielniederlage in Paderborn mehr als enttäuscht war. Obwohl er doch im Vorfeld der Begegnung mit seinen Einschätzungen den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Paderborn sei eine der besten Mannschaft der Liga, die Fußball spiele und das setze sich auf Dauer durch, hatte er prognostiziert. Wie wahr, denn auch in Rostock spielten die Ostwestfalen ihr Spiel 90 Minuten lang herunter und wurden für die Konsequenz am Ende auch belohnt. Natürlich mit dem entsprechenden Quäntchen Glück, wie auch Paderborns Trainer Steffen Baumgart befand: "Es war aber auch wichtig, dass die Mannschaft bis zum Ende dran geblieben ist." Das bestätigte auch Kapitän Christian Strohdiek. "Wir haben einfach unseren Stiefel heruntergespielt mit der Art, dass jeder für den anderen da ist", sagte er. Und dieses unaufgeregte Weiterspielen trotz eines frühen 0:2-Rückstandes (10. Väyrynen, 17. Benyamina) beeindruckte auch Sport-Geschäftsführer Markus Krösche. "Wir waren 90 Minuten die bessere Mannschaft und sind auch nach den beiden Gegentoren extrem ruhig geblieben", lobte er das junge Team für "einen abgezockten Auftritt". Paderborns Ex-Trainer Pavel Dotchev lag aber noch mit einer anderen Aussage völlig richtig. So hatte er bei seinen eigenen Offensivspielern das Problem genannt, dass das Rostocker Spiel leicht berechenbar sei, wenn Torjäger Benyamina nicht treffe. Zunächst aber lief es für die Hansa-Kogge optimal. Benyamina bereitete die Führung durch Väyrynen vor und traf sieben Minuten selbst zum 2:0. Aber nach der Pause war es eben dieser Ex-Berliner, der in der 57. und 85. Minute jeweils in aussichtsreichen Situationen vergab. "Wir hatten die Chance zum 3:1 und haben es nicht geschafft. Die zwei späten Gegentore waren dann Pech. Manchmal gibt es im Fußball solche Zufälle, die kann man dann auch nicht verhindern", bedauerte Dotchev. Fast im Gegenzug von Benyaminas Großchance machte es Sven Michel auf Zuspiel von Marlon Ritter, der in der 53. Minute den Anschlusstreffer erzielt hatte, besser und markierte den 2:2-Ausgleich (86.). Vier Minuten später lag dann Rostock am Boden und Dotchev musste auch in seinem zweiten Pflichtspiel gegen seinen Ex-Klub in eine Niederlage einwilligen. "Ich wandere aus", sagte er kurz und knapp und gab so einen ausreichenden Blick in seine Gefühlslage. Das sah bei Sven Michel schon ganz anders aus. Sichtlich erleichtert präsentierte er sich nach dem Match im kalten Ostseestadion. Heilfroh sei er, dass er seinen Teil zum Sieg beitragen konnte: "Das ist schon eine Hausnummer, so ein Spiel hier in Rostock nach einem 0:2 noch zu drehen", sagte Michel. Da nahm er auch das Ende seiner persönlichen Torflaute gerne mit, denn seit dem 21. Oktober war ihm kein Meisterschaftstreffer mehr gelungen. "Man versucht immer, sich nicht damit zu beschäftigen, aber ich bin doch froh, dass es heute wieder mal mit einem Tor geklappt hat." Es war Michels elftes Saisontor bei einem besonderen Sieg.

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