Bayern-Schreck im Hansa-Trikot: Mit dem damaligen Erstligisten Rostock konnte Steffen Baumgart gleich drei Mal gegen München gewinnen. Hier setzt er sich gegen Jens Jeremies (l.) und den heutigen Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic (am Boden) durch. - © Imago
Bayern-Schreck im Hansa-Trikot: Mit dem damaligen Erstligisten Rostock konnte Steffen Baumgart gleich drei Mal gegen München gewinnen. Hier setzt er sich gegen Jens Jeremies (l.) und den heutigen Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic (am Boden) durch. | © Imago

Paderborn Baumgart bläst zum Angriff

SC Paderborn: Der Chefcoach des Drittligisten will heute im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Bayern München auf die bewährte Offensiv-Spielweise setzen. Denn nur mit Mut zum Risiko sei die Sensation möglich

Paderborn. Im Presseraum der Paderborner Benteler-Arena herrschte am Montagmittag reger Betrieb. Rund 50 Journalisten wollten wissen, was SCP-Chefcoach Steffen Baumgart vor dem heutigen DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen dem SC Paderborn und dem FC Bayern München (Dienstag, 18.30 Uhr, Benteler-Arena) zu sagen hatte. "Sonst sitzen wir hier zu fünft", witzelte Baumgart und blickte in gleich sieben TV-Kameras. Heute werden sich noch mehr Kameras auf den Trainer des Drittligisten richten, dessen Team vor der anspruchsvollsten Aufgabe steht, die der deutsche Fußball zu bieten hat. Doch diese Aufgabe nimmt der krasse Außenseiter äußerst selbstbewusst in Angriff. "Wir werden mutig agieren und nach vorne spielen. Auch wenn uns ein scheinbar übermächtiger Gegner erwartet", erklärt Baumgart, dass er auch gegen die Bayern auf die bewährte Spielphilosophie setzt, mit der Paderborn derzeit dem Zweitliga-Aufstieg entgegenstrebt. "Wenn du dich hinten reinstellst, dann wartest du nur auf den ersten, zweiten und dritten Schlag", ergänzt der SCP-Coach, der als Spieler von Hansa Rostock einst drei Siege gegen die Bayern einfuhr. Das war jedoch zu Zeiten, in denen die Münchener auch mal DFB-Pokalspiele gegen Magdeburg oder Vestenbergsgreuth verloren. Nun aber sind sie so dominant wie selten zuvor. Seit der Rückkehr von Trainer Jupp Heynckes gewann der Rekordmeister 19 von 20 Pflichtspielen. "Das beeindruckt mich am meisten, dass die Bayern immer wieder an ihre Grenzen gehen und Woche für Woche abliefern. Da kann man nur den Hut vor ziehen", urteilt Baumgart, der dennoch an eine realistische Siegchance glaubt. "Wir wollen ins Halbfinale", bekräftigt der 46-Jährige, dessen Schützlinge es allerdings mit einem Weltklasse-Ensemble zu tun bekommen. So wollte ein eigens aus Polen angereister Journalist gestern wissen, wie man denn Bayern-Stürmer Robert Lewandowski zu stoppen gedenke. "Wenn Lewa drei Tore macht, hoffe ich einfach, dass wir vier schießen", antwortete ein schlagfertiger Baumgart und fügte dann doch etwas nachdenklich an: "Aber wenn es mal nur der Lewandowski wäre. Sollte dem SCP die Sensation gelingen, würde der Drittligist weitere 2,55 Millionen Euro DFB-Prämie kassieren Ich fürchte, da kommt einiges mehr auf uns zu." Zum Glauben an die eigene Siegchance müsse sich daher eine extrem hohe Einsatzbereitschaft gesellen. "Wenn nur einer den Gegner anläuft, wirst du Schwierigkeiten bekommen. Wir können es nur kompakt als ganze Mannschaft schaffen. Jeder muss den anderen unterstützen", fordert Paderborns Coach, der personell fast aus dem Vollen schöpfen kann. Womöglich fällt nur Liga-Stammtorwart Leopold Zingerle (Risswunde am Knie) aus, der aber im Pokal ohnehin die Nummer zwei ist. Zudem bangt Baumgart um den Einsatz von Rechtsverteidiger Lukas Boeder, der beim 1:1 in Großaspach einen Schlag in den Rücken erhalten hatte. "Ich hoffe aber, dass es bei Lukas nicht so dramatisch ist", so Baumgart. Der wiedergenesene Mittelfeldregisseur Massih Wassey kehrt in den 18er-Kader zurück. "Ob er von Beginn an spielt, müssen wir sehen", sagt der Cheftrainer. Sollte dem SCP die Sensation gelingen, würde der Drittligist weitere 2,55 Millionen Euro DFB-Prämie kassieren. Drei Millionen Euro sind durch die Pokal-Erfolge gegen die Zweitligisten St. Pauli, Bochum und Ingolstadt bereits aufs Vereinskonto geflossen. Und wenn der SCP tatsächlich die Bayern bezwingt, dürfte es im beschaulichen Presseraum der Arena vor dem Halbfinale erneut sehr eng werden.

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