SC Paderborn Vor dem SC Paderborn liegt noch ein langer Weg

Der Verlust der Tabellenführung zeigt, wie schwer für die Baumgart-Elf die Rückrunde werden dürfte. So könnten diverse Gegner ähnlich wie Halle Beton anrühren

Frank Beineke

Paderborn. 44 Punkte stehen für den SC Paderborn zum Jahreswechsel zu Buche. Exakt so viele Zähler hatte der Fußball-Drittligist in der gesamten Saison 2016/17 eingefahren. Im ersten Rückrundenspiel gab es am Freitagabend vor nur 5.431 Zuschauern in der Paderborner Benteler-Arena aber nur ein 0:0 gegen den Halleschen FC. Einen Tag später verlor der SCP die Tabellenführung an Magdeburg, das mit einem 3:0 gegen Großaspach die Spitze eroberte. Die Ostwestfalen werden es verschmerzen können, dass sie erstmals seit dem 6. Spieltag nicht mehr auf Platz eins rangieren, denn die Verfolger aus Wehen-Wiesbaden und Rostock kassierten überraschende Niederlagen. Und so wuchs der Vorsprung auf Relegationsplatz drei auf acht Zähler an. Klar, dass die Zwischenbilanz auch beim Trainer für Zufriedenheit sorgt. "Wir freuen uns über die 44 Punkte. Aber wir haben gesehen, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt", sagte Steffen Baumgart mit Blick auf die Nullnummer gegen Halle, das am Freitag Beton angerührt hatte. Gerade nach der Pause setzten die Sachsen-Anhaltiner auf totale Defensive. "Die Hallenser haben sich dafür nach dem Spiel sogar bei uns entschuldigt. Aber viele Teams haben in der Hinrunde versucht, mitzuspielen - und das ist für sie oft ziemlich schief gegangen", erklärte SCP-Spielmacher Massih Wassey. "Der Gegner hatte keinen Bock auf Fußball. Aber wir müssen für eine solche Spielweise mehr Lösungen finden", urteilte Paderborns Sport-Geschäftsführer Markus Krösche. Auch in den restlichen 18 Saisonspielen ist damit zu rechnen, dass Gegner verstärkt auf eine Mauertaktik setzen. So warten in den ersten vier Partien des Jahres 2018 unter anderem die Duelle gegen Chemnitz, Lotte und Erfurt, die allesamt um den Klassenerhalt kämpfen. Das Hauen und Stechen wird in der Rückrunde ohnehin erfahrungsgemäß noch einmal zunehmen. Und so wäre es schon eine ziemliche Überraschung, wenn der SCP seinen aktuellen Schnitt von 2,2 Punkten pro Spiel halten könnte. Dies ist aber vermutlich gar nicht vonnöten, um am Ende das große Ziel zu erreichen. In den bislang neun Drittliga-Spielzeiten reichten stets 74 Punkte zum direkten Aufstieg. Paderborn müsste damit künftig "nur" noch 1,6 Zähler pro Partie holen. In sieben von neun Fällen langten sogar 69 Punkte. Dann wären noch 25 Zähler erforderlich. Doch solche Rechenspiele dürften die Spieler und Verantwortlichen des SCP kaum interessieren. Sie setzen weiter auf die bewährte "Von-Spiel-zu-Spiel-Denkweise". Die Winterpause kommt unterdessen nicht ungelegen. So holte Paderborn nur vier Punkte aus den vergangenen vier Spielen. Dies lag zum einen daran, dass sich die Gegner aus Karlsruhe, Wehen-Wiesbaden und Halle exzellent auf die Paderborner Spielweise eingestellt hatten. Zum anderen scheint der Akku bei dem ein oder anderen SCP-Akteur, der oft am Limit gespielt hatte, ein wenig leer zu sein. Einmal aber müssen noch letzte Kräfte mobilisiert werden, denn an diesem Dienstag, 19. Dezember, steht in der ausverkauften Benteler-Arena das DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den FC Ingolstadt auf der Agenda. Dann könnte der SCP Vereinsgeschichte schreiben, denn der Club stand noch nie in der Runde der letzten Acht. "Wir werden alles raushauen", verspricht Massih Wassey. Die Partie dürfte dabei deutlich attraktiver werden als das Drittliga-Kampfspiel gegen Halle. Schließlich stehen dann wohl zwei Teams auf dem Platz, die Fußball spielen wollen.

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