Redebedarf: Bernhard Hartmann (l.), Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten SC Wiedenbrück, im Gespräch mit DFB-Präsident Reinhard Grindel (M.) und Michael Welling, Vorsitzender des Regionalligisten Rot-Weiß Essen. - © Lars Heidrich
Redebedarf: Bernhard Hartmann (l.), Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten SC Wiedenbrück, im Gespräch mit DFB-Präsident Reinhard Grindel (M.) und Michael Welling, Vorsitzender des Regionalligisten Rot-Weiß Essen. | © Lars Heidrich

SC Paderborn 3. Liga lehnt Regionalliga-Vorschlag ab

Fußball: Profiklubs wollen am liebsten bei drei Absteigern bleiben, signalisieren aber Kompromissbereitschaft. SCP-Geschäftsführer Hornberger lehnt Liga-Aufstockung ab und fordert mehr Geld für die Nachwuchsarbeit

Christian Geisler
Frank Beineke

Paderborn. In der Diskussion um eine Strukturreform der Fußball-Regionalliga zum Zwecke einer gerechteren Aufstiegsregelung hat sich nun auch die 3. Liga positioniert. Bei einem Treffen in Frankfurt lehnten die 20 Drittliga-Vereine den Vorschlag aus der Regionalliga West ab, die Zahl der Regionalligen von fünf auf vier zu reduzieren und die Zahl der Absteiger aus der 3. Liga von drei auf vier zu erhöhen. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: "Ein Eingriff in das etablierte Konzept der 3. Liga durch eine Erhöhung der Absteigerzahl würde eine Gefahr für die wirtschaftliche Stabilität der Liga und ihrer Vereine darstellen." In den zehn Jahren seit ihrer Gründung habe die 3. Liga eine positive Entwicklung genommen und verfüge über eine funktionierende Struktur, die nicht gefährdet werden dürfe: "Die 3. Liga vertritt daher die klare Auffassung, es bei drei Absteigern zu belassen." Auch eine mit einer höheren Absteigerzahl verbundene Aufstockung der Liga wurde strikt abgelehnt. So hatte der DFB zur Debatte gestellt, die Anzahl der Drittliga-Teams von 20 auf 22 zu erhöhen. Zudem sollte es dann fünf Absteiger in die Regionalligen geben. "Sowohl wirtschaftlich als auch sportlich ist das eine Idee, die man sofort verwerfen sollte", betont SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger, der den SC Paderborn bei der Ligatagung in Frankfurt vertrat. Der Wunsch der Regionalligen, dass die jeweiligen Meister direkt aufsteigen sollen, sei allerdings verständlich und für jeden Fußballer nachvollziehbar. Um dem gerecht zu werden, präferiere die 3. Liga aber eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Struktur der Regionalliga, an deren Ende die Reduzierung auf maximal drei Staffeln steht. Folgerichtig würden dann drei Meister aufsteigen und weiterhin drei Vereine aus der 3. Liga absteigen. "Das wäre die beste Lösung", betont Hornberger. "Von dieser Reaktion war auszugehen", kommentiert Bernhard Hartmann, Geschäftsführer des Regionalligisten SC Wiedenbrück, die Erklärung der Drittligisten. Er ergänzt: "Tatsache ist aber auch: Es kann nur mit Kompromissen gehen." Und die Drittliga-Klubs warten auch mit einem Kompromissangebot auf. Denn wenn keine andere Lösung zur Regionalliga-Reform umsetzbar sei, könne sich die 3. Liga auch ein Modell mit vier Absteigern und vier Regionalliga-Staffeln, aus denen alle Meister aufsteigen, vorstellen. Bei der Ligatagung in Frankfurt ging es darüber hinaus um die Nachwuchsförderung. Bislang erhält jeder Fußball-Drittligist eine Pauschale. So gibt es 50.000 Euro pro Saison - unabhängig von der Qualität der Nachwuchsarbeit. "Diese Töpfe müssen praller gefüllt werden", fordert SCP-Geschäftsführer Hornberger. Und der DFB beschäftigt sich bereits mit Änderungen. So könnten künftig Kriterieren wie die Qualität der Leistungszentren oder die Einsatzzeiten von U21-Spielern bei den Fördersummen berücksichtigt werden. In Sachen Regionalliga- und Drittliga-Reform aber ist nun der DFB-Spielausschuss am Zug. Das Gremium will am Mittwoch, 4. Oktober, unter dem Vorsitz von DFB-Vizepräsident Manfred Schnieders (Salzkotten-Verne) die verschiedenen Modelle prüfen. In enger Abstimmung mit den Vereinen und den Verbänden soll eine Entscheidung möglichst noch in diesem Jahr fallen. Zur Not würde der DFB sogar zu einem außerordentlichen Bundestag im Dezember laden.

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