Der Fan-Protest vor dem Paderborner Rathaus. - © Marc Köppelmann
Der Fan-Protest vor dem Paderborner Rathaus. | © Marc Köppelmann

SC Paderborn Fan-Protest ohne Wirkung: Paderborner Rat lehnt Unterstützung ab

Fans des SC Paderborn demonstrierten

Birger Berbüsse
Hans-Hermann Igges

Paderborn. Fan-Gesänge vor dem Rathaus – das gab es zuletzt vor drei Jahren bei der Aufstiegsfeier des SC Paderborn. Am Donnerstagabend war der Anlass ernster, die Stimmung angespannter und die Zahl der Fans deutlich geringer: Etwa 120 Anhänger des abstiegsbedrohten und verschuldeten Drittligisten protestierten während der Ratssitzung für größere Unterstützung der Stadt. Ihr lautstarker Protest blieb jedoch wirkungslos. Mit großer Mehrheit lehnte der Rat eine eventuelle Stundung in Höhe von knapp 188.000 Euro für Darlehenstilgung und Pachtzinsen ab. Nur die Fraktion der Demokratischen Initiative Paderborn (DIP) war dafür. Um kurz nach 18 Uhr hatten die Fans vor den Stufen des Rathauses ihr großes blaues Banner mit der Aufschrift „Lasst den SCP nicht untergehen!" entrollt. Hans-Joachim Byrdeck, der zu der Demo aufgerufen hatte, verlas Forderungen nach mehr städtischer Hilfe. Schlachtengesänge der Fans Hauptargument der Fans: Das Theater werde schließlich auch bezuschusst. Das erntete immer wieder lauten Applaus. Noch lauter waren die aus dem Stadion bekannten Schlachtengesänge, die die aufgebrachten Fans in Richtung Sitzungssaal schmettern. „Aufwachen! Aufwachen!" brüllten sie immer wieder. Um 18.45 Uhr sickerte durch, dass die Demo vergeblich war. Eine Weile stand man noch herum, dann löste sich der friedlich verlaufene Protest auf. Eine vorsorglich in Stellung gebrachte Hundertschaft der Polizei sowie die Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Rathaus bekamen nichts zu tun. Während unten demonstriert wurde, hatte sich oben im Saal eine Fraktion nach der anderen mit deutlichen Worten gegen eine Finanzhilfe für den Verein ausgesprochen. Nach einer kurzen Beratungspause bezog auch Bürgermeister Michael Dreier deutlich dagegen Stellung – aber erst nachdem ihn Klaus Schröder dazu aufgefordert hatte. Stadt sieht enge rechtliche Grenzen Der Grüne: „Auch aus einer Stundung darf kein Sponsoring werden. Wir müssten erkennen können, wie es wieder aufwärts geht. Aber den Weg zeigen die Unterlagen nicht." Franz-Josef Henze (SPD) bedauerte die Diskussion, gerade vor dem entscheidenden letzten Spieltag. Die Stadt habe die Misere nicht zu verantworten, ihr seien rechtlich enge Grenzen gesetzt. CDU-Fraktionssprecher Markus Mertens wies auf die große Unterstützung hin, die es seitens der Stadt für die Projekte des SC Paderborn bisher gegeben habe. Mertens: „Beim SCP handelt es sich aber um ein Wirtschaftsunternehmen. Der Vergleich mit der Kultur hinkt gewaltig und ist ärgerlich." Alexander Senn (FDP): „Unsere Aufgabe ist die Förderung des Breitensports. Finanzhilfe für den SCP wäre eine Wette auf sportlichen Erfolg mit städtischem Geld. Anders die DIP: Auch sie kritisiere das Finanzgebaren und die Entscheidungen des Vereins. Eine Stundung werde ihn nicht retten, aber auch der Stadt nicht wehtun. Sprecher Reinhard Borgmeier: „Wenn die Stadt sich überhaupt nicht bewegt, wäre das ein fatales Zeichen. Im Falle einer Insolvenz wird der Schaden sowieso größer." Hornberger ist enttäuscht Dieses Zeichen wiederum hielt Hartmut Hüttemann (FBI) sowohl für die Öffentlichkeit als auch den SCP für falsch. Die Schieflage sei mindestens seit eineinhalb Jahren abzusehen gewesen. Kurz nach dem Bekanntwerden der Rats-Entscheidung und einem kurzen Gespräch mit CDU-Fraktionschef Markus Mertens, der eigens dafür nach unten gekommen war, verließ Martin Hornberger den Rathausplatz. Eine „herbe Enttäuschung" sei die Ablehnung, sagte der SCP-Geschäftsführer der NW. Die Stadt hätte ein Zeichen setzen können. „Das hilft uns sicher nicht auf der Suche nach weiteren Geldgebern." Hornberger fand bittere Worte für die Entscheidungsträger: In der 1. und 2. Liga hätten sie sich im Glanz des SC Paderborn gesonnt. „Jetzt haben sie uns im Stich gelassen", so Hornberger.

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