Deniz Naki nach seinem Freispruch im November. Nun muss er noch einmal vor Gericht erscheinen. - © picture alliance / dpa
Deniz Naki nach seinem Freispruch im November. Nun muss er noch einmal vor Gericht erscheinen. | © picture alliance / dpa

SC Paderborn Ex-SCP-Spieler Deniz Naki muss erneut vor Gericht

Nach seinem Freispruch im November hatte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt, neuer Termin ist der 6. April

Julia Gesemann

Bielefeld. Der Ex-SC-Paderborn-Spieler Deniz Naki muss ein zweites Mal vor Gericht erscheinen. Termin ist laut WDR der 6. April. Dem deutsch-kurdischen Fußballer wird vorgeworfen, Propaganda für die verbotene kurdische PKK gemacht zu haben. In erster Instanz hatte das Gericht in der südosttürkischen Stadt Diyarbakir Naki am 8. November 2016 freigesprochen. Doch die Staatsanwaltschaft hatte Revision eingelegt. Was war passiert? Neben sechs weiteren Vorfällen auf Twitter und Facebook geht es in dem Verfahren unter anderem um einen Facebook-Eintrag des Sportlers. Naki hatte am 31. Januar 2016 im türkischen Pokal gegen den Erstligisten Bursaspor das entscheidende Tor für seinen Klub, den Drittligisten Amedspor erzielt. Amedspor gewann. Eine kleine Sensation. In einem Facebook-Post nach dem Spiel widmete Naki seinen Treffer "den Menschen, die in 50 Tagen Unterdrückung getötet oder verletzt wurden". Zu sehen war außerdem ein Foto, auf dem ein Tattoo auf Nakis Unterarm zu sehen war. "Azadi" prangt dort - es ist das kurdische Wort für Freiheit. Mit dem Post bezog sich Naki, der 2012 bis 2013 beim SC Paderborn spielte, auf eine von der türkischen Armee verhängte und zu dem damaligen Zeitpunkt 50 Tage andauernde Ausgangssperre für die Altstadt der Kurdenmetropole Diyarbakir, der Heimatstadt seines Klubs. Eine Veröffentlichung, die für zahlreiche Reaktionen sorgte. Ein Shitstorm von türkischen Nationalisten prasselte auf Naki nieder, unter anderem wurde er als Terrorist beschimpft. Verweis auf die Meinungsfreiheit Daraufhin wurde Naki vom türkischen Fußballverband TFF für zwölf Spiele gesperrt - die längste Sperre, die der Verband bis zu dem Zeitpunkt verhängt hat. Außerdem musste der ehemalige deutsche U-19-Nationalspieler eine Strafe in Höhe von 19.500 türkischen Lira zahlen, umgerechnet sind das nach aktuellem Stand rund 5.000 Euro. Nach Ablauf der Sperre erhob dann die Staatsanwaltschaft Anfang Oktober 2016 Anklage gegen Naki wegen Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Der Prozess am 8. November dauerte nur knapp eine Stunde, der bei Bayer Leverkusen ausgebildete Spieler wurde freigesprochen. Er zeigte sich "glücklich und erleichtert". "Ich muss ehrlich sagen: Da ich die Gerichte in der Türkei nicht einschätzen kann, wusste ich nicht, was mich erwartet."Den Vorwurf der PKK-Unterstützung hatte Naki schon vor dem ersten Prozess zurückgewiesen. Er setze sich für den Frieden ein, sagte er laut türkischen Medien. Bei Verurteilung drohen bis zu fünf Jahre Haft Der Staatsanwalt selbst forderte die Einstellung des Verfahrens unter Verweis auf die Meinungsfreiheit. Kurz darauf ging er aber trotzdem in Revision. Ein neu mit dem Fall beauftragter Staatsanwaltschaft stellte den Antrag, das erste Urteil zu überprüfen. Bei Verurteilung drohen Naki bis zu fünf Jahre Haft.

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