Das Stadion des SC Paderborn - die Benteler Arena - © Marc Köppelmann
Das Stadion des SC Paderborn - die Benteler Arena | © Marc Köppelmann

SC Paderborn SCP-Präsident Finke: Ohne Umstrukturierung droht die Pleite

Finke nutzt die Jahreshauptversammlung für eine schonungslose Aufarbeitung der jüngeren Vereinsgeschichte.

Hartmut Kleimann

Paderborn. Deutlicher als der neue und alte Präsident Wilfried Finke am Montagabend den 315 anwesenden von insgesamt 7.080 Mitgliedern des SC Paderborn die aktuelle Situation des Verein schilderte, geht es kaum. Dramatisch sieht es aus beim SCP, daraus machte der Unternehmer kein Geheimnis. Bis er aber das Hier und Jetzt in Angriff nahm, erinnerte er noch einmal ausführlich an die Entwicklung der letzten 20 Jahre. Auf den sportlichen folgt der finanzielle Abstieg Dramatische Züge nahm das Unternehmen SC Paderborn Ende des vergangenen Jahres an. Faktisch wäre der Verein im Februar 2017 insolvent gewesen, hätte es beim Möbelunternehmer Finke "nach einem sportlichen Burn-out" im vergangenen Sommer kein Umdenken gegeben. Auf Bitten der Vereinsgremien nahm er Ende des vergangenen Jahres die erforderlichen Maßnahmen zur Rettung des Vereins in Angriff. Knapp vier Millionen Euro wurden vor allem von den Gesellschaftern der Paderborner Stadiongesellschaft in Form von Darlehen und Verzicht aufgebracht, "um den laufenden Spielbetrieb zu gewährleisten". Damit aber sei von diesem Personenkreis für die neue Saison das Ende der Fahnenstange erreicht, nahm Finke für die Zukunft andere in die Pflicht. Dabei listete der Präsident eine ganze Reihe von Beispielen auf, wie in anderen Regionen und Städten in Schieflage geratene Vereine von den Kommunen unterstützt würden. "Dabei ist der SC Paderborn wahrlich kein Zuschussbetrieb", merkte Finke an, denn allein in den Jahren von 2012 bis 2016 habe der Verein 17,1 Millionen Steuern bezahlt. "2,5 Millionen Euro als direkte Steuern an die Stadt Paderborn", so Finke. So forderte er eindringlich auf, dass "in Paderborn Strukturen verändert werden müssen, oder wir sind pleite", sagte der Präsident ganz unverblümt. Ausgliederung der Profiabteilung Vizepräsident Rudolf Christa hatte zuvor die Mitglieder über die geplante Ausgliederung der Profiabteilung in eine Sport-GmbH informiert. Dazu seien mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften schon über die finanziellen und steuerrechtlichen Möglichkeiten gesprochen worden. "Sie werden jetzt dauerhaft von uns über die nächsten Schritte auf dem Laufenden gehalten", sagte Christa mit dem Appell, dass dazu "positiv verrückte Investoren benötigt werden". Landrat Manfred Müller hatte zu Beginn der Versammlung bei seinem Grußwort die aktuelle sportliche Situation des SCP passend auf den Punkte gebracht. "Es gibt wahrlich angenehmere Zeiten für ein Grußwort", sprach er die nicht gerade berauschende Bilanz des Tabellenvorletzten an. "Was wir jetzt brauchen, ist ein gemeinsamer Durchhaltewillen. Einigkeit macht stark und ich glaube, wir können das", sagte er. Gelächter für aufbauende Worte Auch Manfred Schnieders, Vorsitzender des DFB-Spielausschusses, mahnte Zusammenhalt an, "denn ein weiterer Abstieg wäre eine Katastrophe für den Verein, die Fans und die ganze Region." Deshalb trat Bürgermeister Michael Dreier als wahrer Mutmacher auf. Zwar erntete er von einigen wenigen Mitgliedern Gelächter, als er seine Überzeugung äußerte, dass der SCP das kommende Spiel gegen Erfurt gewinnen werde, aber er richtete auch die Forderung an die Spieler, jetzt alles rauszuhauen, "dann werdet ihr auch von den Fans unterstützt." Cheftrainer Stefan Emmerling versprach den Mitgliedern eine absolute Fokussierung auf "einen harten Weg, der uns erwartet. Wir wissen um unsere Verantwortung und wir werden uns nicht ablenken lassen, dafür steht für alle zu viel auf dem Spiel."

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