Ein Einzel für die Squash-Geschichtsbücher: PSC-Akteur Raphael Kandra (l.) siegte gestern gegen Nick Matthew. - © Squashsite
Ein Einzel für die Squash-Geschichtsbücher: PSC-Akteur Raphael Kandra (l.) siegte gestern gegen Nick Matthew. | © Squashsite

Paderborn/Hull Ein Paderborner schreibt Squash-Geschichte

Raphael Kandra steht im Viertelfinale der British Open und bezwingt dabei eine wahre Legende

Frank Beineke

Paderborn/Hull. Mit seinem Sieg bei den US Open hatte Simon Rösner im Januar Squash-Geschichte geschrieben. Damit gewann der 30-Jährige vom Paderborner Squash Club als erster Deutscher ein Weltranglistenturnier der höchsten Kategorie. Gestern nun sorgte Rösners Vereinskollege Raphael Kandra für ein weiteres Kapitel Squash-Historie: Als Qualifikant schaffte er sensationell den Sprung ins Viertelfinale der renommierten "British Open" in Hull. Damit stehen erstmals zwei Deutsche bei einem World-Series-Turnier in der Runde der letzten Acht, denn auch Rösner zog ins Viertelfinale ein. Darüber hinaus war Kandra Protagonist in einem wahrhaft historischen Match. Sein Achtelfinal-Gegner war nämlich eine Squash-Legende, für die es womöglich das letzte Einzel der Karriere gewesen ist. So traf Kandra auf den Engländer Nick Matthew, dessen Traum vom vierten British-Open-Sieg auf schmerzhafte Art und Weise zerplatzte. "Es ist Zeit aufzuhören. Mein Körper gibt langsam auf", sagte der 37-jährige Engländer nach intensiven 58 Minuten, in denen Kandra mit 9:11, 11:7, 11:9 und 11:8 die Oberhand behalten hatte. Für den Paderborner ist es der bislang größte Sieg seiner Karriere. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, im Viertelfinale der British Open zu stehen", schwärmte Kandra, der bei seinem Triumph aber auch eine kleine Portion Wehmut verspürte. Schließlich hatte er soeben die Karriere eines der besten Squashspieler aller Zeiten beendet. "Alles Gute für das nächste Kapitel in deinem Leben. Du bist ein wirkliches Vorbild", erklärte er 27-jährige Paderborner in Richtung Nick Matthew. Kandra trifft nun auf Elshorbagy Die Squash-Sensation kam allerdings keineswegs aus dem Nichts, denn schon in den Spielen zuvor hatte Kandra brilliert. Nach einem lockeren 3:0-Auftaktsieg gegen den Engländer Peter Creed fegte die aktuelle Nummer 37 der Welt mit Tsz Fung Yip (Hongkong) auch die Nummer 28 der Welt in drei Sätzen vom Court. Es folgten ein weiterer beeindruckender 3:0-Erfolg gegen den Franzosen Matthieu Castagnet und der damit verbundene Einzug ins Achtelfinale. Schon damit hatte Kandra den bis dato größten Erfolg auf der internationalen Tour eingeheimst. Am heutigen Freitag (20 Uhr deutscher Zeit) geht das Abenteuer British Open für den Paderborner weiter. Dann trifft Kandra auf den allerdings haushoch favorisierten Weltranglistendritten Marwan Elshorbagy (Ägypten). Simon Rösner bestreitet zuvor um 16 Uhr sein Viertelfinale gegen Angstgegner Greg Gaultier (Frankreich, Nr. 4 der Welt). Und auch Deutschlands Nummer eins ist prima drauf. In der ersten Hauptrunde bezwang Rösner den Engländer Declan James mit 3:0. Im Achtelfinale folgte ein weiterer glatter Sieg gegen den starken Inder Saurav Ghosal (Nr. 13 der Welt). Und so könnten gleich zwei Paderborner beim traditionsreichsten Squash-Turnier der Welt weiter für Furore sorgen.

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